Ausgrabungen

Drei Könige: Betreten ist lebensgefährlich

Die Mitarbeiter der Archäologen-Teams legen die Reste der Bessemer Hütte frei. Mehrere Bauphasen liegen übereinander. Das erhöht die Gefahr für unkundige Besucher.

Die Mitarbeiter der Archäologen-Teams legen die Reste der Bessemer Hütte frei. Mehrere Bauphasen liegen übereinander. Das erhöht die Gefahr für unkundige Besucher.

Foto: Jürgen Theobald (theo)

Witten.   Stadt warnt vor illegalem Ausgrabungstourismus. Teile der Hütten könnten jederzeit einstürzen. Ein Besucher hat Fotos auf Facebook gestellt.

Das Ausgraben der beiden Eisenhüttenwerke, die im Bauch der Brache Drei Könige wiederentdeckt wurden, geht zügig voran. Gerald Klawe, Leiter der städtischen Stabsstelle Umwelt, ist zuversichtlich, dass das Baufeld möglicherweise ein bis zwei Monate vor der Zeit aufbereitet sein wird – das hieße dann „im Spätsommer“. Der Fahrplan für das künftige Gewerbegebiet mit dem Bau der Erschließungsstraße und dann der Vermarktung Anfang 2019 bliebe damit weiter ungefährdet. Auch mit den zusätzlichen 1,75 Millionen Euro, die Stadt erst einmal im Haushalt umgelenkt hat, davon 900 000 aus Mitteln für die Straßenunterhaltung, werde man nach heutigem Stand wohl auskommen.

Ernste Sorgen macht Klawe zur Zeit ein anderes Thema: der illegale Ausgrabungstourismus. Nach Feierabend und am Wochenende verschafften sich immer wieder ungebetene Gäste Zutritt. Die Grabungsstätte ist zwar komplett eingezäunt und mit einer Alarmanlage gesichert, die direkt mit der Polizeiwache verbunden ist. Das halte bestimmte Personen aber nicht davon ab, Zäune aufzubiegen, sich auf dem Gelände umzusehen, Fotos zu machen oder Graffiti an die alten Mauern zu sprühen. Vor zwei Wochen habe jemand solche Aufnahmen sogar auf Facebook veröffentlicht. Konsequenzen? „Darum kümmert sich jetzt das Rechtsamt.“

Klawe: „Das ist kein Abenteuerspielplatz“

„Das ist hier kein Abenteuerspielplatz“, stellt Klawe klar, „hier einzudringen ist kein Dummejungenstreich, sondern Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung.“ Vor allem aber sei diesen Besuchern gar nicht bewusst, „dass sie sich hier in Lebensgefahr begeben“. Jederzeit könne ein alter Mauerbogen nachgeben und eine Böschung ins Rutschen geraten.

Der Aufwand, der für „Wittens Pompeji“ (Fotograf Jürgen Theobald) betrieben wird, ist enorm. Die Steinhauser Hütte am Bahndamm und die Bessemer Hütte, die manche Experten auch einfach als nördliche und südliche Steinhauser Hütte einordnen, haben jeweils eine Grundfläche von anderthalb Fußballplätzen (7500 qm). Überschlägig müssen 90 000 Kubikmeter Material und damit 162 000 Tonnen „bewegt“ werden – nämlich aus- und wieder eingebaut werden. Das entspricht der Gesamtladung von 13 000 Sattelzügen. „Etwa zwei Fünftel“, schätzt Klawe, habe man davon geschafft.

Gleichzeitig arbeiten die beiden privaten Archäologen-Teams vor Ort daran, dass die Eisenhütten nicht für immer in Vergessenheit geraten. Von jeder Teilfläche machen sie 800 bis 900 Fotografien, die mit den Geodaten verknüpft werden, jeder Punkt wird komplett mit der Kamera „umrundet“.

3D-Modell der Eisenhütten

So wächst, während draußen bereits das „erste Planum“, also die oberste Bodenschicht, mit dem Abrissbagger abgetragen wird, das 3D-Modell auf dem Computerbildschirm von Martin Heßling im Baucontainer gleich daneben. „Das ist wie bei Google-Maps, nur schicker“, erläutert der Archäologe die künftigen Möglichkeiten. Am virtuellen Modell könne man sich, „wenn hier schon alles weg ist“, durch die Reste der Hütten bewegen, aber auch die wissenschaftliche Arbeit fortführen und sich jede bauliche Struktur im Detail anschauen und die Mauern und Bögen vermessen. Heßling: „Auch in 150 Jahren wird man noch feststellen können, wo jeder einzelne Mauerstein war.“

>> Funde & Verwertung

Zu den Einzelfunden zählen bisher ein Lederhut, eine Bierflasche („KRONEN Brauerei AG Witten“), Werkzeug und eine Steuerungsklappe für einen Kamin.

In welcher Form die virtuellen Rundgänge der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, soll später entschieden werden. Dank der Datenfülle ist auch das Drucken von Hütten-Modellen in unterschiedlichen Größen mit einem 3D-Drucker möglich.

Hier geht’s zu einer Fotostrecke mit aktuellen Aufnahmen der Ausgrabungsarbeiten.

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