Medizin

Digitale Technik in Kliniken und Praxen schreitet voran

Foto: Augusta

Bochum.   Die Medizin wird digital: Immer mehr Krankenhäuser und Praxen rüsten auf digitale Technologien um. Als Vorreiter gelten die Augusta-Kliniken.

„Sogar duschen können die Patienten mit dem Ding.“ Christoph Kokoschka sitzt in der Augusta-Klinik am Bett von Jürgen Cornelius Söhngen. Der Stationsleiter schaut auf sein Handy. Blutdruck, EKG: Alle wichtigen Daten werden vom Mobilgerät des Patienten auf sein Smartphone übertragen. Ein rotes Symbol heißt: Notfall! „Dieses System wird bundesweit nur in unserer Kardiologie eingesetzt“, sagt Pflegedirektorin Eva Maria Karmelita. Die Augusta-Krankenanstalten gelten als Vorreiter einer Entwicklung, die in immer mehr Kliniken, Praxen und Apotheken Einzug hält. Die Medizin wird digital.

Krankenhäuser haben sich auf den Weg zur papierfreien Klinik gemacht

Alle Krankenhäuser haben sich auf den Weg zur papierfreien Klinik gemacht. In den Augusta-Krankenanstalten (860 Betten, 36 000 Patienten jährlich) ist man weit voran gekommen. „Seit 20 Jahren bauen wir die IT-Technik aus. Heute ist es ein allumfassendes System, das sämtliche Stationen einbezieht. Überall kann auf Patientendaten zugegriffen werden. Archivmitarbeiter gibt’s nicht mehr“, sagt Verwaltungschef Ulrich Froese.

Von der Aufnahme über die Behandlung bis zum Entlassbrief: Das elektronische Gedächtnis funktioniert lückenlos. Informationen über 200 000 Patienten sind darin gespeichert, schätzt IT-Leiter Oliver Leifels. Mit welchen Vorteilen? „Wir schaffen für unsere Mitarbeiter Ressourcen für die Pflege“, sagt Eva-Maria Karmelita. Und die Patienten profitierten doppelt: im Krankenbett ebenso wie bei der Nachbehandlung der Haus- und Fachärzte, mit denen die Augusta-Klinik vernetzt ist.

Auch bei den niedergelassenen Ärzten sei „das Ende der Papier-Ära“ längst eingeläutet, weiß Christian Möcklinghoff vom MedQN-Netzwerk mit 160 Mitgliedern. Doch noch klemme es beim digitalen Austausch, sowohl zwischen den Praxen als auch mit den Kliniken. „Vielfach sind die Systeme nicht kompatibel. Das zu ändern, wird eine Herkulesaufgabe.“ Technologische Musterknaben sind die Radiologen: Dem in Bochum beheimateten Teleradiologieverbund gehören inzwischen 280 Fachärzte und weitere Dienstleister an.

Hacker-Angriff zeigt Schwachstelle

Dass die digitale Welt auch unvermittelt einstürzen kann, musste just die Augusta-Klinik im vergangenen Jahr erfahren. Bei einem Hacker-Angriff wurde im Sommer das komplette Computersystem an der Bergstraße lahmgelegt. Tagelang waren weite Teile der Klinik vom Netz abgeschnitten. „Wir haben daraus gelernt und nachgerüstet“, so Froese. Trotz des Angriffs sei klar: „IT ist der Schlüssel zum Erfolg.“

>>> Info: Datenschutz der Patienten ist gesichert

  • Der Patient müsse keine Sorge haben, dass seine Daten im Computer missbraucht werden könnten, versichert Augusta-Verwaltungschef Ulrich Froese.
  • Die Angaben seien zwar klinikweit gespeichert. Zugriff auf die sensiblen Daten hätten aber nur einzelne Ärzte und Pflegekräfte auf den Stationen. „Der Datenschutz wird gewahrt.“
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