Historisches Rätsel

Die Wittener Hammerstraße hat viele Gesichter

Der Sackträger kam 1975 von Kornmarkt auf den Platz auf der Wittener Hammerstraße, auf dem heute die Stadtgalerie steht. Damals bekam er vor der neuen Post und dem City-Center eine neue Bleibe. Eine Holzverpackung schützte ihn beim Transport. Viele Wittener hatten gespannt und interessiert den Umzug verfolgt. 

Der Sackträger kam 1975 von Kornmarkt auf den Platz auf der Wittener Hammerstraße, auf dem heute die Stadtgalerie steht. Damals bekam er vor der neuen Post und dem City-Center eine neue Bleibe. Eine Holzverpackung schützte ihn beim Transport. Viele Wittener hatten gespannt und interessiert den Umzug verfolgt. 

Foto: Davide Bentivoglio

Witten.  Die Wittener Hammerstraße, die zur Stadtgalerie führt, wurde oft umgebaut. In den 1970er Jahren zum Beispiel für Post und City-Center.

Ein paar städtische Bedienstete markieren eine Straße in der Innenstadt – dieses Motiv von Davide Bentivoglio ist 50 Jahre alt und wäre so heute nicht mehr fotografierbar. Denn die Umgebung hat sich komplett verändert. Es ist – und damit lösen wir unser Rätselfoto – die damalige Hammerstraße, im Rücken des Fotografen steht heute die Stadtgalerie.

Viele Leser konnten sich an das alte Straßenbild noch erinnern: an den heutigen „Hutsalon Erika“, den ehemaligen Aldi-Markt oder den Teppichladen, den es seit 1973 gibt. Rainer Kracht weiß noch, wie einst Werbeplakate an einem Haus entfernt wurden – und man an der Hauswand sehen konnte, wie hoch der Trümmerhaufen des Hauses gewesen war, das vor dem Krieg dort stand. Und Manfred Schwandt weiß, dass die fleißigen Herren gerade dabei waren, mit Zollstock, Pinsel und Farbe den Fußweg zum neuen Postgebäude vorzubereiten, das rechts der Ampel bereits existent sein müsste.

Die Ampel auf dem Foto stand etwa dort, wo sich heute der stillgelegte Kugelbrunnen befindet. Alle Häuser im Hintergrund sind heute noch da, sie gehörten damals zur Wiesenstraße, die hier begann und direkt dahinter die Steinstraße kreuzte. Christina Wildvang erinnert daran, dass die Wiesenstraße im November 1966 verkürzt wurde; sie ging durch bis zur Neuen Bahnhofstraße, heute Bergerstraße. Zur selben Zeit wurde die Hammerstraße verlegt, so wie wir sie heute kennen.

Anfang der 70er Jahre begannen hier die Bauarbeiten, die zum City-Center führten. 1975 bemühte man außerdem einen schon kräftig in die Jahre gekommenen Gesellen, der bis dahin ein jahrzehntelanges, stilles, zurückgezogenes Leben an der hintersten Ecke des Kornmarktes gefristet hatte, hierher: die Sackträger-Figur. Sie bekam hier auf einem alten Mühlrad, postiert in einer Mulde vor den neu errichteten City-Center, eine neue Bleibe. An seinen Füßen rieselten ein paar bescheidene Wasserstrahlen.

Der Sackträger blieb nicht lange an dieser Stelle. Schon 1990 war wieder ein Umzug angesagt, diesmal zur Heilenstraße. Dafür bekam er aber einen richtigen Brunnen wieder, auf dem er heute noch thront. An seine Stelle vor dem City-Center kam dafür der stählerne Kugelbrunnen, ein Geschenk des Edelstahlwerks an die Stadt und ihre Bewohner. Ein bisschen Physik ermöglichte es, dass die kolossale Stahlkugel auf einem ganz bescheidenen Wasserfilm zwischen der Kugel und ihrer Schale sich leicht wie eine Feder bewegen und drehen konnte. Natürlich aber nur so lange kein Dreck dazwischen kam - und der kam allzu oft -, bis man sich genötigt sah, das Wasser abzudrehen und die Kugel zum Stillstand zu bringen.

Viel besser erging es aber dem gesamten City-Center auch nicht: Von den Wittenern eigentlich nie so richtig angenommen, kam schon 2008 das Ende. Es wurde dem Erdboden gleichgemacht. Es wurde wieder alles umgekrempelt und das gebaut, was heute dort steht: die Stadtgalerie.

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