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Die Polizei sucht Dolmetscher für über 45 Sprachen

Sprachhindernisse überwinden: André Lindemann, Präsident des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ),  dolmetscht während einer gemeinsamen Fortbildung der Polizei Brandenburg und der polnischen Polizei. Auch die Wittener Polizei benötigt für ihre Arbeit die Hilfe von Dolmetschern.Foto:Piotr Kozlowski

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Sprachhindernisse überwinden: André Lindemann, Präsident des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ), dolmetscht während einer gemeinsamen Fortbildung der Polizei Brandenburg und der polnischen Polizei. Auch die Wittener Polizei benötigt für ihre Arbeit die Hilfe von Dolmetschern.Foto:Piotr Kozlowski Foto:  

Witten.   Dolmetscher gesucht: Die Polizei braucht Hilfte, wenn Tatverdächtige, Opfer oder Zeugen nicht Deutsch sprechen.

Das Bochumer Polizeipräsidium, zu dem auch die Inspektion Witten gehört, sucht Dolmetscher. Das Präsidium hat die Übersetzerdienste für über 45 Sprachen für die nächsten vier Jahre ausgeschrieben. Denn ohne Übersetzer könnten viele Befragungen und Verhöre nicht durchgeführt werden.

360 000 Euro gibt das Polizeipräsidium jährlich für Dolmetscher aus. Bei einem durchschnittlichen Stundensatz von 70 Euro, so sieht es die Justizvergütungssatzung vor, wären dies 5143 Übersetzer-Stunden. Tatsächlich sind es wohl noch mehr, weil es keine verbindliche Gebührenordnung wie etwa bei Anwälten gibt und häufig der „billigste“ Anbieter den Zuschlag erhält, sagt Brigita Balkyte, Vorstandsmitglied im Landesverband NRW des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) und zuständig für Justiz- und Strafverfolgungsbehörden.

Dolmetscher für Arabisch haben alle Hände voll zu

Von „A“ wie afrikanische Sprachen bis „W“ wie Weißrussisch reicht die Nachfrage des Polizeipräsidiums nach Sprachvermittlungsdiensten. Auch Menschen, die Dari (Afghanistan) oder Punjabi (Pakistan) sprechen, werden benötigt.

Dolmetscher für Arabisch „haben momentan alle Hände voll zu tun“, sagt BDÜ-Vorstandsmitglied Brigita Balkyte. Häufig nachgefragt würden auch die Dienste von ost- und südeuropäischen Experten, so Polizeisprecher Volker Schütte. Der Situationen kennt, bei denen in Vernehmungen sogar Dolmetscher für drei verschiedene Sprachen zum Einsatz kommen. „Da gibt es ein Opfer, Zeugen und einen mutmaßlichen Täter, die alle unterschiedliche Nationalitäten haben.“

Es gibt auch Straffällige, die sagen gar nichts

Und manchmal sei es gar nicht so einfach herauszufinden, „welcher Dolmetscher überhaupt benötigt wird“, so Schütte. „Meistens geht das aber mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Englisch.“ Ihm sei jedenfalls kein Fall bekannt, in dem nicht rechtzeitig ein Dolmetscher zur Verfügung stand. Allerdings gebe es auch Straffällige, „die sagen gar nichts. Da hilft auch der beste Dolmetscher nichts“.

Übersetzer sind etwa bei Festnahmen wichtig. Denn festhalten darf die Polizei einen Verdächtigen zunächst nur bis Mitternacht des Tages nach der Festnahme. Schwierig wird es dann, wenn ein bestimmter Dialekt gesucht wird. So erinnert sich Volker Talarowski, Sprecher des Landgerichts Bochum, an einen Prozess gegen Georgier, die Swanisch sprachen. Das ist eine Sprache aus der Familie der südkaukasischen Sprachen, die von gerade einmal knapp 30 000 Menschen beherrscht wird und für die es in ganz Deutschland lediglich zwei Dolmetscher gibt.

„Die Verantwortung der Dolmetscher ist sehr groß“

Auch im Bochumer Landgericht gehen Übersetzer ein und aus. Polizei und Gericht sind auf die vertraglich gebundenen Dolmetscher und auf Listen von Anbietern angewiesen. „Eine kurzfristige Verfügbarkeit zu jeder Zeit an Werk- und Feiertagen sowie an Wochenenden ist vertraglich festgehalten“, sagt Brigita Balkyte. Flexibilität, Erreichbarkeit und schnelle Verfügbarkeit am Einsatzort seien ebenso wie hervorragende Sprachkenntnisse und ein fundiertes Wissen der Rechtsterminologie und der Rechtssysteme die Voraussetzung.

Das weiß auch Ester Berretta. Über 50 Jahre arbeitet die Bochumerin schon als Dolmetscherin. „Die Verantwortung der Dolmetscher ist sehr groß“, sagt sie. Erst unlängst sei in Italien ein Mann aus dem Gefängnis entlassen worden, der wegen Mordes 21 Jahre unschuldig in Haft gewesen sei. Es habe sich herausgestellt, dass er einen Dialekt spreche, der bei der Gerichtsverhandlung nicht richtig übersetzt worden sei.

>>>WEITERE INFOS IM NETZ

Dolmetscher, die sich für eine Arbeit für das Bochumer Polizeipräsidium interessieren, finden nähere Infos im Netz: www.evergabe.nrw.de

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