Stolpersteine

Die ersten 18 Stolpersteine in Witten sind verlegt

Auch in der Oberstraße herrschte bei der Verlegung großes Gedränge.

Auch in der Oberstraße herrschte bei der Verlegung großes Gedränge.

Foto: WAZ

Witten.   Die ersten 18 Messingplatten zum Gedenken an Wittener Juden in der Innenstadt sind nun verlegt.Rund 100 Teilnehmer folgten Künstler Gunter Demnig zu den vier Orten. Initiatorinnen zeigten sich „tief bewegt“ von der großen Anteilnahme.

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Lange, sehr lange hat es gedauert: Gestern wurden in Witten die ersten Stolpersteine verlegt. 18 kleine Messingplatten mit Namen und Daten erinnern an vier Stellen in der Stadt an das Schicksal von Juden, die im Dritten Reich verfolgt wurden. 15 Jahre lang hatte sich Prof. Angela Martini vom Lions Club Rebecca Hanf dafür stark gemacht, manchen Widerstand überwunden. Jetzt war ihr die Freude anzusehen: „Ich bin heute wirklich sehr berührt.“

Sie hatte auch allen Grund dazu: Gut 100 Menschen waren gekommen, um bei der Verlegung im Parkweg dabei zu sein. Vertreter von Parteien, Kirchen, Verbänden, von Schulen, Gäste aus Israel aber auch viele interessierte Bürger drängten sich um Künstler Gunter Demnig, als er den Asphalt aufstemmte, um Platz für die ersten Steine zu schaffen. „Witten hat auf diesen Tag offenbar förmlich gewartet“, sagte Christel Humme vom Lions Club Rebecca Hanf unter Beifall mit Blick auf die große Runde. „Ich bin tief bewegt.“

Stolpern mit Kopf und Herz

Die kleinen Platten sollten ein Stein des Anstoßes sein, erklärte sie. „Wir wollen, dass Sie stolpern. Stolpern mit dem Kopf und mit dem Herzen.“ Denn nur der Mensch sei wirklich vergessen, dessen Namen vergessen sei.

Das soll nicht passieren: Mit kurzen Biographien erinnerten Schüler von Holzkamp-Gesamtschule und Martmöller-Gymnasium an die jüdischen Familien, gaben den spröden Daten auf den Platten mit ihren Vorträgen eine Geschichte. Anschließend legten sie weiße Rosen auf die Steine, die von Demnig routiniert in wenigen Minuten im Boden versenkt worden waren. Kleine goldene Hingucker, wie Schmuckstücke im Asphalt. Die Holzkampschüler waren begeistert: „So schön hatten wir uns das nicht vorgestellt.“

Über Parteigrenzen hinweg

Weiter zog der Tross zur Ruhrstraße, dann in die Oberstraße. Wieder griff Demnig zu Bohrer und Beton. Die Stolpersteine hier wurden auf Initiative des Friedensforums verlegt. Heide Dahlmann erklärte in ihrer Begrüßung, warum sich die Gruppe für die Aktion stark gemacht hat: „Wegschauen und Gedankenlosigkeit führen auch heute noch zu Ausgrenzung und Diffamierung von Fremden.“ Positiv aber sei, so Forumssprecher Joachim Schramm, dass nach all den anfänglichen Widerständen bei dieser Aktion nun endlich alle in der Stadt an einem Strick zögen. Und das auch über die Parteigrenzen hinweg: So sind die Paten für die Steine in der Ruhrstraße SPD, Grüne und WBG gemeinsam.

Nach knapp zwei Stunden, an der Beethovenstraße, war die Gruppe der Teilnehmer noch immer nicht viel kleiner geworden – nur unruhiger vielleicht. Doch dann wurde es mitten im Bohren und Hämmern, im Verkehrslärm und Geschnatter auf einmal doch ganz still: Mit leiser Stimme sang Shachar Gerbi eine israelische Melodie, traurig und eingängig zugleich. Mit ihrem zu Herzen gehenden Lied über Liebe, Tod und Hoffnung schaffte es die junge Frau aus Lev Hasharon, dass die Toten aus der Beethovenstraße an diesem Freitagnachmittag ganz plötzlich noch einmal beweint wurden.

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