Türkei-Abstimmung

Wittener mit türkischen Wurzeln fürchten um Opposition

Zülfü Altunok lädt alle Wittener zum Treffen des Wittener Demokratieforums für die Türkei am Dienstagabend (18.4.) in den Ratskeller ein.

Foto: Jürgen Theobald

Zülfü Altunok lädt alle Wittener zum Treffen des Wittener Demokratieforums für die Türkei am Dienstagabend (18.4.) in den Ratskeller ein. Foto: Jürgen Theobald

Witten.   Nach dem Referendum in der Türkei will das Wittener Demokratieforum für die Türkei weiterkämpfen. In Witten waren 1550 Türken wahlberechtigt.

„Wir haben viele Flugblätter in Witten verteilt, um gegen Erdogans Machthunger zu demonstrieren. Auch, wenn er gewonnen hat, werden wir unseren Kopf nicht beugen“, sagt Zülfü Altunok. Er ist vom „Wittener Forum für Demokratie und Menschenrechte in der Türkei“, das sich im Vorfeld der Volksabstimmung gegründet hatte.

Jetzt, da Erdogan das Verfassungsreferendum mit knapper Mehrheit gewonnen habe und damit noch mächtiger sei, müsse der politische Widerstand umso mehr gestärkt werden, meint Altunok. „Deshalb trifft sich unsere Initiative am heutigen Dienstag um 18 Uhr im Ratskeller, um die Wahlergebnisse zu diskutieren und weitere Schritte zu beraten. Jeder, der gegen Diktatur, Unterdrückung und Korruption ist, ist auch herzlich in den Ratskeller eingeladen.“ Der Initative gehören 15 Einzelpersonen und Vertreter verschiedener Gruppen wie Mieterverein, Friedensforum und soziokulturellem Zentrum „Trotz Allem“ an.

2477 Wittener haben türkische Staatsbürgerschaft

Kein Wunder, dass die gesellschaftspolitische Entwicklung in der Türkei am Wochenende auch die Wittener nicht kalt ließ. Allein schon deshalb, weil 2477 Bürger mit türkischer Staatsbürgerschaft in der Ruhrstadt leben. 1550 von ihnen sind im wahlberechtigten Alter, konnten also beim Verfassungsreferendum abstimmen. Aber natürlich leben in Witten weitaus mehr Menschen mit türkischen Wurzeln, die längst die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.

„Der Druck wird wachsen“ – das war die einhellige Meinung bei unserer Umfrage, nachdem die Wahlergebnisse am Wochenende feststanden. Allerdings meinten die Befragten, die bezeichnenderweise allesamt ihre vollen Namen nicht in der Zeitung lesen wollten, das mit unterschiedlicher Bedeutung: „Die Abstimmung ist ein sichtbares Zeichen, dass viele Menschen hinter Präsident Erdogan stehen. Damit kann er den Druck auf Westeuropa nochmal erhöhen, sich nicht in die türkischen Angelegenheiten einzumischen“, meint beispielsweise Timur B.

"Hoffentlich zerbricht unser Volk nicht daran“

„Für die Opposition am Bosporus war es in den letzten Monaten schon schlimm. Aber jetzt, wo Erdogan sich nochmal vom Volk in seiner Politik bestätigt sieht, wird der Druck auf alle Andersdenkenden abermals zunehmen. Hoffentlich zerbricht unser Volk nicht daran“, sagt Emre H.

Für Zülfü Altunok steht fest: „Solange Erdogan Recht und Gesetz wie in der EU nicht akzeptiert, werden wir weiterkämpfen.“

>>> Kontakt zum Wittener Demokratieforum

  • Kontakt zum Wittener Demokratieforum für die Türkei bekommen Interessierte auch über Habitat-Netz e.V. c/o MieterInnenverein Witten, Schillerstr. 13, oder knut.unger@habitat-netz.de
  • Zülfü Altunok stammt aus der Osttürkei und lebt seit 47 Jahren in Witten.
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