Foto-Rätsel

Damals eine Arbeitsbrücke – heute eine Freizeitbrücke

Die undatierte Postkarte zeigt die 1853 errichtete Nachtigallbrücke. Heven und Innenstadt liegen links, Bommern und das Muttental rechts.

Die undatierte Postkarte zeigt die 1853 errichtete Nachtigallbrücke. Heven und Innenstadt liegen links, Bommern und das Muttental rechts.

Witten.   Über die Nachtigallbrücke von 1853 wurde Kohle mit der Pferdebahn transportiert. Die Brücke von 1988 wurde für Spaziergänger und Radler gebaut.

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Die im Fotorätsel gesuchte Brücke ist die Nachtigallbrücke. Heute ist der Brückenschlag in der Höhe des Ruhrdeichkreisels eine reine Freizeitbrücke. Für Jogger, Wanderer und Radfahrer ist sie eine schöne Verbindung zwischen der Innenstadt/Heven und dem Muttental, mitten durchs Grüne. Erbaut wurde die ursprüngliche Nachtigallbrücke aber zu ganz praktischen, wirtschaftlichen Zwecken. Die Zeche Nachtigall ließ sie Mitte des 19. Jahrhundert als Transportbrücke errichten. Über diese konnte die in der Zeche geförderte Kohle mit der Pferdebahn zum Wittener Bahnhof transportiert werden. Die Bahnline wurde 1848 eröffnet. Nach der Stilllegung der Zeche Nachtigall 1892 wurde die Brücke nur noch von Fußgängern und Fuhrwerken genutzt. Nach dem Abriss 1938 wurde sie 1988 – 50 Jahre später – durch die Fußgänger- und Radfahrerbrücke ersetzt.

Eine andere Aufgabe

Das heutige Bild zeigt die alte Nachtigallbrücke. Der heutige Nachbau erfüllt einen anderen Zweck. Michael Röder

Brückengeld wurde fällig

Das Bild zeigt die – alte – Nachtigallbrücke. Erbaut wurde die Holzkonstruktion 1853 von der Firma Braam und Vriese und diente bis ca. 1870 nur dem Kohlenverkehr, danach wurde sie, gegen Zahlung eines Brückengeldes, auch für den öffentlichen Verkehr zugelassen. Wegen Baufälligkeit wurde die Brücke 1929 gesperrt und 1938 gesprengt. Olaf Sumann, 46 Jahre

Eine praktische Abkürzung

Das Foto zeigt die alte Nachtigallbrücke über der Ruhr, die sicher zur damaligen Zeit eine ideale Verbindung zum Transport der Produkte zwischen dem Gelände der ehemaligen Zeche Nachtigall, also der dort zu diesem Zeitpunkt produzierenden Ziegelei, auf dem Weg zur Stadt Witten war.
Ich habe die Brücke natürlich nicht mehr selbst kennen gelernt, bin ja erst Jahrgang 50, doch hatte ich mich sehr gefreut, als die neue Nachtigallbrücke 1988 eingeweiht wurde. Ich habe sie seit dieser Zeit sehr oft genutzt. Stellt sie doch eine gute Abkürzung für alle Fußgänger, Skater oder Radfahrer dar, die diesen Übergang über die Ruhr als Abkürzung auf dem Weg von Heven oder aus der westlichen Innenstadt zum Gelände der ehemaligen Zeche Nachtigall oder zum Muttental nutzen möchten.
Manfred W. Schwandt

„Restauration zur Nachtigall“

In der Nähe der Nachtigallbrücke, am Eingang zum Muttental, befand sich die „Restauration zur Nachtigall“, ein Ausflugslokal (Anm. d. Red.: Diese Gaststätte lag hinter dem Gelände „Ritz“). In einer Anzeige, abgedruckt im Buch „Witten – Aus alter Zeit“ von Wolfgang Zemter, werden die Vorteile dieser Lokalität angepriesen, unter anderem: „vollständig staubfreie Lage, wunderschöne Aussicht auf das Ruhrtal, bedeutende Milchwirtschaft, stets frische Milch, schöne Gelegenheit zur Milchkur“. Natürlich gibt es laut Anzeige auch „ff. Biere. Reine Weine.“ Ebenso wichtig hervorzuheben fanden sie: „gute und reelle Bedienung – mäßig­ste Preise“. Christina Wildvang

Freigabe der neuen Brücke 1988

Den ersten Spatenstich für die neue Nachtigallbrücke vollzog Bürgermeister Friedhelm Trepper im Führerhaus eines Baggers am 8. April 1988. Die Brücke sollte planmäßig 2,6 Millionen Mark kosten, 750 000 Mark davon musste die Stadt Witten aufbringen, den Rest das Land tragen.

Freigegeben wurde die neue Fußgänger- und Radfahrerverbindung nach knapp einem halben Jahr Bauzeit am 28. Oktober 1988 durch Gert Kreuder. Mit einem kurze Scherenschnitt durchtrennte der Vize-Bürgermeister das rot-weiße Flatterband auf der Bommeraner Seite der Brücke. Hunderte von Mitbürgern drängten sich danach auf der neuen Ruhrbrücke, die sich festlich geschmückt in Wittener Farben und Landesfarben präsentierte. Die MS Schwalbe zog unterhalb der Festgesellschaft ihre Runden und machte durch kräftiges Tuten mit dem Schiffshorn derart auf sich aufmerksam, dass viele der festlichen Worte ungehört verhallten.

„Wer Brücken baut, der Zukunft vertraut“

Gert Kreuder wertete diesen Tag als einen „weiteren Schritts ins Brückenzeitalter“. Für den 4. November 1989 war der erste Spatenstich für die Fußgängerbrücke über die Ruhrstraße bei Haus Witten angesetzt, aber auch der Neubau der Bommeraner Ruhrbrücke sowie der Mühlengrabenbrücke beim Ruderclub Witten standen an.

Gert Kreuder überraschte seine Zuhörer zudem mit einem selbstgedichteten Brückenspruch: „Wer Brücken baut, der Zukunft vertraut./Nie mehr Brücken zerstören, den Anfängen wehren!/Brücke, ein langes Leben sei dir beschert – Schaden und Unglück seien dir verwehrt!“ (waz)

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