Kultur

Corona: Schon wieder trifft es die Kultur in Witten

Pläne in Corona-Zeiten: Christian Adams, Geschäftsführer der Werkstadt in Witten, will aus der ehemaligen, grauen Mannesmann-Verladehalle mit Farbe und Möbeln einen Wohlfühlort machen.

Pläne in Corona-Zeiten: Christian Adams, Geschäftsführer der Werkstadt in Witten, will aus der ehemaligen, grauen Mannesmann-Verladehalle mit Farbe und Möbeln einen Wohlfühlort machen.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Die für November geplanten Veranstaltungen im Saalbau und der Werkstadt fallen aus. Bei den Kulturschaffenden macht sich Frust breit.

Der „Lockdown light“ ab dem kommenden Montag (2.11.) trifft auch die Wittener Kulturszene hart. Alle geplanten öffentlichen Veranstaltungen im Saalbau werden ausfallen müssen. Kulturforums-Chefin Jasmin Vogel ging am Donnerstag (29.10.) davon aus, dass auch das Märkische Museum für einen Monat schließen muss. „Die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv bleiben auf, bis es dafür andere gesetzlichen Regelungen gibt.“

Auch der Musikschulunterricht im Haus Witten werde – Stand Donnerstag – weiter angeboten, so Vogel. Die Sitzplätze im Saalbau waren gerade auf 98 reduziert worden – nach den jüngsten Corona-Erfordernissen. Gegenüber unserer Redaktion hatte Jasmin Vogel betont, dass der große Theatersaal ihres Hauses, der eigentlich 791 Zuschauern Platz bietet, vier Mal in der Stunde komplett neu mit Frischluft versorgt werde. „Ich schätze das Infektionsrisiko bei uns als extrem gering ein. Mit dem jetzigen Lockdown wird es am Ende nicht einfacher für die Kultur.“

Abgesagte Veranstaltungen im Saalbau Witten sollen auf 2021 verschoben werden

Alle vom Kulturforum für den Saalbau für November geplanten Veranstaltungen werden vermutlich auf das kommende Jahr verschoben, so Vogel. Über die Saalbaukasse (02302/581-2441) können zu den Öffnungszeiten bereits gekaufte Karten zurückgegeben werden. Vogel: „Das Geld wird zurückerstattet.“ Die Vorständin des Kulturforums erinnert angesichts der derzeitigen Lage daran, dass der Großteil der Kultur in Deutschland kommunal finanziert sei. Die Kommunen würden hierbei künftig Unterstützung vom Land und vom Bund benötigen, betont Jasmin Vogel.

Auch Christian Adams, Geschäftsführer der Wittener Werkstadt, ging am Donnerstag „zu 98 Prozent“ davon aus, dass die für November in seinem Haus geplanten Veranstaltungen ausfallen müssen. Die Corona-Landesverordnung aus Düsseldorf, die Adams für Freitag (30.10.) erwartet, werde die Rechtsgrundlage liefern.

Adams bittet die verhinderten Werkstadt-Gäste darum, gekaufte Eintrittskarten nicht zurückzugeben, sondern zu warten, bis diese nachgeholt werden. „Wir gehen davon aus, dass wir die Veranstaltungen verschieben können.“

Am 19. November, zum Beispiel, wäre Frank Goosen mit seiner Lesung „Acht Tage die Woche – die Beatles und ich“ in Witten gewesen. Der Abend mit dem Kabarettisten und Autor wurde – coronabedingt – schon zwei Mal verschoben.

Wittener Werkstadt wird finanziell durch den NRW-Kultur-Stärkungsfonds aufgefangen

Der für den 12. November angekündigte Auftritt des Psychologen und Bestseller-Autoren Dr. Leon Windscheid („Hey Hirn!“) in der Werkstadt wurde bereits auf Oktober 2021 verschoben. Geschäftsführer Adams betont, dass die Werkstadt in diesem Corona-Jahr finanziell durch den NRW-Kultur-Stärkungsfonds aufgefangen werde. Das Geld habe man noch nicht, vertraue aber darauf, dass man es bekomme. Die Förderung werde dazu führen, dass die Werkstadt in diesem Jahr „mit plus/minus null“ abschließen könne. Nicht zuletzt habe die Stadt Witten weiter die Fördergelder für die Werkstadt bezahlt. Adams: „Wofür wir sehr dankbar sind.“ Dennoch sei die Gesamtsituation frustrierend. „Es ist schwer nachzuvollziehen, dass es wieder die Kultur trifft.“

Die bisherigen Einnahmeverluste durch den Ausfall von Veranstaltungen sowie die Absagen für gemietete Räumlichkeiten – zum Beispiel für Geburtstagsfeiern und Hochzeiten – belaufen sich auf rund 400.000 Euro, so Werkstadt-Sprecherin Heinke Liere. Profitieren kann das Kulturzentrum mit einer inzwischen über 40-jährigen Geschichte vom milliardenschweren Rettungsprogramm „Neustart“ der Bundesregierung. Die Werkstadt bekommt 134.000 Euro – für Corona-Schutzmaßnahmen und die Umgestaltung der ehemaligen großen Mannesmann-Verladehalle in einen Kulturgarten.

Die bislang graue Halle soll gestrichen und es sollen für sie Möbel gebaut werden, mit denen man gemütliche Sitzecken gestalten kann. „Außerdem soll es hier grüner werden“, kündigt Christian Adams an. Für die Arbeiten, die am Montag (2.11.) starten sollen, werden ehrenamtliche Helfer gesucht.

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