Zirkus

Circus Antoni findet kaum noch Stellplätze in Witten

Juniorchefin Ramona Tränkler organisiert die Stellplätze für den Circus Antoni. In Witten findet das Familienunternehmen nur noch einmal im Jahr auf dem Ostermann-Gelände Platz.

Juniorchefin Ramona Tränkler organisiert die Stellplätze für den Circus Antoni. In Witten findet das Familienunternehmen nur noch einmal im Jahr auf dem Ostermann-Gelände Platz.

Foto: Jürgen Theobald (theo) / FUNKE Foto Services

Witten.  Circus Antoni stammt aus Witten, kann hier aber nur ein Heimspiel pro Jahr geben. Etwa weil Landwirte ihre Wiesen nun zur Heugewinnung nutzen.

Noch vier Vorstellungen, dann beendet der Wittener Circus Antoni seine Saison 2019 und geht ins Winterquartier nahe dem Sonnenschein. Wittener Zirkusfreunde können die Artistik der Familie Tränkler allerdings nur in Herdecke sehen – denn das Familienunternehmen hat massive Probleme, im EN-Kreis überhaupt einen Stellplatz zu finden. „Uns ist nur Herdecke geblieben“, klagt Ramona Tränkler, die sich in der Familie um die Standplätze kümmert.

In Witten hatten die Tränklers traditionell auf dem Schotter-Parkplatz an der Ecke Pferdebachstraße/Alfred-Herrhausen-Straße gestanden und auf einer Wiese neben der Brennerei Sonnenschein. Beide Flächen wurden 2017 zum letzten Mal an den Circus Antoni vermietet. Die Stadt hat den Schotterparkplatz zum Parken freigegeben, erst an das Ev. Krankenhaus, während dort das Parkhaus gebaut wurde. Nun an die Uni und das FEZ, weil auch auf deren Gelände große Neubauten wie ein Parkhaus und der neue Uni-Trakt entstehen.

Auch am Wegfall des Standorts in den Hevener Ruhrauen trägt die Zirkusfamilie keine Schuld: Markus Schoebel, neuer Besitzer der Brennerei Sonnenschein, möchte auf seiner Wiese Obst anbauen, das er für seine Whiskyproduktion benötigt. Über 30 Jahre hatte zuvor der Zirkus dort kostenlos Quartier beziehen dürfen.

Nun heißt es in Witten nur noch einmal im Jahr „Manege frei“, auf dem Ostermann-Gelände in Rüdinghausen. „Herr Ostermann hat ein gutes Herz für den Zirkus“, lobt Ramona Tränkler. Im Mai 2020 sei man dort voraussichtlich wieder zu Gast. Aber die Wiese in Rüdinghausen sei begehrt: Hüpfburgen, Monstertruck-Show – da sei vieles los.

Bauern nutzen Wiesen lieber zur Heugewinnung

„Im gesamten EN-Kreis gibt es für uns kaum noch Grundstücke“, fasst Ramona Tränkler das Problem zusammen. In Hattingen, Gevelsberg, Schwelm oder Ennepetal gäbe es kaum noch leere Flächen, die man anmieten könnte. Die Städte hätten ihre Grundstücke verkauft oder bebaut, Landwirte würden wegen der Futterknappheit ihre Wiesen lieber zur Heugewinnung selbst nutzen. „Wir benötigen ein ebenes Areal von der Größe eines kleinen Sportplatzes.“ Dieses müsste nichtmals innerstädtisch sein, aber eine Wiese für die Ponys, Lamas und Ziegen wäre schon nett.

„Wir hätten gern noch ein weiteres Heimspiel in Witten gehabt“, bedauert Ramona Tränkler. Zumindest wird die Wittener Großfamilie den Winter in der Heimatstadt verbringen. Mit Renovieren, Reparieren, Streichen, dem Nähen neuer Kostüme und dem Einüben neuer Nummern. Mitunter treten die Artisten in Kitas, Schulen und Altenheimen auf. „Wir sind eine Zirkusfamilie in achter Generation“, sagt die 55-Jährige. „Urlaub haben wir uns in der ganzen Zeit nicht gegönnt.“

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