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CDU-Abtrünniger übernimmt Fraktionsvorsitz bei Witten Direkt

Witten Direkt bekommt Zuwaćhs, hier die Kandidaten Hans Peter Skotarzik  (v.li.), Stefan Grafe, Stefan Krug , Mirco Wilshaus und Nana Shavana.

Foto: Fremdbild

Witten Direkt bekommt Zuwaćhs, hier die Kandidaten Hans Peter Skotarzik (v.li.), Stefan Grafe, Stefan Krug , Mirco Wilshaus und Nana Shavana. Foto: Fremdbild

Witten.   Bei der CDU-Fraktion ausgetreten, bei „Witten Direkt“ eingetreten - und gleich zum Fraktionsvorsitzenden der neuen Wählergemeinschaft bestimmt, die mit ihm nun zwei Sitze im Rat hat: Kommunalpolitiker Andreas Günzel aus Durchholz überrrascht einmal mehr die staunende Öffentlichkeit.

Nach seinem Austritt aus der CDU-Fraktion sollte Andreas Günzel am Mittwochabend (4.6.) zum neuen Fraktionschef der Wählergemeinschaft „Witten Direkt“ gewählt werden. Wie berichtet, hat der 49-Jährige sein Ratsmandat mitgenommen, das ihm bei der Kommunalwahl noch als Listenvertreter der CDU (Platz 14) zugefallen war.

Nach der Gemeindewahl war der Durchholzer überraschend zu „Witten Direkt“ übergelaufen, für die der Ex-Linke Hans-Peter Skotarzik (54) einen Sitz geholt hatte. Mit Günzel kann er nun eine Mini-Fraktion bilden. „Das passt, vor allem menschlich“, sagt der Annener.

Gegen Partei- oder Fraktionszwänge

Wie er selbst, lehne auch Günzel Partei- und Fraktionszwänge ab, engagiere sich ebenfalls sozial. Man kenne sich aus dem Ausschuss für Schule und Jugendhilfe. Aber allein mache Ratsarbeit kaum Sinn, so Skotarzik, der nach seinem Austritt bei der Linken über zwei Jahre als Fraktionsloser im Rat saß. „Finger hoch, Finger runter. Sonst sind sie ausgeschlossen.“

Als zehnte Fraktion kann Witten Direkt nun Anträge stellen, an interfraktionellen Runden und Ältestenratssitzungen teilnehmen, eventuell in Ausschüssen mitstimmen. Der Fraktionschef bekommt die dreifache Aufwandsentschädigung - gut 1000 Euro. Er selbst habe kein Interesse am Vorsitz, „prinzipiell nicht“, so Skotarzik. Der höhere Satz würde ihm als Hartz-IV-Empfänger ohnehin angerechnet. Er spende die Diäten den Ruhrtalengeln.

Das Mandat darf er mitnehmen

Darf der das überhaupt? Diese Frage stellten sich Leser, als sie von dem Austritt von Andreas Günzel aus der CDU-Fraktion hörten und der Mitnahme seines Mandats zu „Witten Direkt“. Die Antwort lautet: Ja, er darf das.

„Es handelt sich um ein freies Mandat. Die gewählten Ratsmitglieder sind nur sich selbst verpflichtet“, erklärt Norbert Gärtner, Leiter des Referats der Bürgermeisterin. Niemand könne gezwungen werden, auf Gedeih und Verderb einer Fraktion die Treue zu halten. Es habe sich um eine Persönlichkeitswahl gehandelt, sagt Gärtner.

CDU verlor in den „Hölzern“ fast zehn Prozentpunkte

Günzel war für die CDU in den drei Hölzern (Durch-, Bommer- und Teile von Vormholz) angetreten. Während er vor fünf Jahren nach seinem Protest gegen die Schließung der Grundschule mit sensationellen 37,7 Prozent noch das Direktmandat in Durchholz erobert hatte, büßte die CDU mit Günzel nun fast zehn Punkte ein – 28 Prozent. Das Direktmandat ging an Klaus Pranskuweit von der SPD mit 32,5 Prozent (2009: 24,7).

Dass es Günzel trotzdem noch in den Rat schafft, verdankt er Listenplatz 14. Bis Platz 17 zieht die Reserveliste der Union, die in ganz Witten nur 23,5 Prozent der Stimmen holte, eines ihrer schlechtesten Ergebnisse. Nach dem Fraktionsaustritt hat sie nun ein Mandat weniger im Rat, sprich 16.

FDP-Spitzenkandidatin trat am Wahlabend aus der Fraktion aus

Günzel ist nicht der erste Wittener Kommunalpolitiker, der gleich nach der Wahl seiner Fraktion den Rücken kehrte. 2009 erklärte die damalige FDP-Spitzenkandidatin Maria-Rosaria Pakull noch am Wahlabend ihren Austritt aus der Fraktion. Sie blieb bis zum Ende als Fraktionslose im Stadtparlament. Später verließ noch Udo Hübl die FDP, Stefan Krug schied bei den Linken aus, nahm sein Mandat aber nicht mit, sondern hörte ganz auf.

Nach dem Wechsel Günzels zu „Witten Direkt“ kann die Wählergemeinschaft nun eine Mini-Fraktion bilden. Es ist die zehnte Fraktion im neuen Rat. Ebenfalls nur zwei Sitze haben FDP, WBG, die Piraten und Pro NRW

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