Gastronomie

Café Jané an der Bahnhofstraße schließt nach sieben Jahren

Yusuf Kilinc (52, re.) mit seinen Stammgästen Marcel und Jessica Zimmermann, die sich immer nach getaner Arbeit in seinem Wittener Café Jané getroffen haben.Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Yusuf Kilinc (52, re.) mit seinen Stammgästen Marcel und Jessica Zimmermann, die sich immer nach getaner Arbeit in seinem Wittener Café Jané getroffen haben.Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.   Seine Stammgäste sind traurig, Yusuf Kilinc auch. Sieben Jahre hat er das Café Jané an der Bahnhofstraße geführt. Sonntag ist Schluss.

Seine Stammgäste vermissen ihn schon jetzt: Yusuf Kilinc schließt nach sieben Jahren am Sonntag sein Café Jané an der unteren Bahnhofstraße. Der 52-Jährige hat sich nie einen Ruhetag gegönnt, war morgens ab acht Uhr für seine Gäste da. Jetzt sei er erschöpft, sagt Kilinc. „Ich habe 17 Stunden am Tag gearbeitet.“ Auch sei sein Umsatz in den vergangenen Jahren rückläufig gewesen.

An seinem letzten Café-Tag an diesem Sonntag wird noch einmal kräftig gefeiert. Langjährige Gäste lassen ihre vier Monate alte Tochter Mila taufen und kehren nach der Kirche mit der Taufgesellschaft ins Café Jané ein. Mutter Kathleen (27): „Es ist sehr schade, dass es das nicht mehr geben wird. Ich war schon während meiner Schwangerschaft oft im Café – zum Frühstück oder nur auf einen Kaffee.“

„Ein Sie, das gab es hier nie“

Yusuf Kilinc freut sich auf die Taufe der kleinen Mila, denkt kurz nach und berichtet schmunzelnd, dass er in sieben Jahren 57 Babys seiner Stammkunden kennengelernt habe. Und von seiner Stammkundschaft, „nicht von der Laufkundschaft“, habe er auch immer gelebt. Von Gästen, die über die Jahre zu guten Freunden wurden. Wer bei Yusuf Kilinc frühstückte, kleine Snacks am Mittag genoss, nachmittags seine selbst gebackenen Waffeln oder ein Glas Wein, wurde vom Chef geduzt. „Ein Sie, das gab es hier nie.“

Marcel und Jessica Zimmermann nicken. Das Ehepaar traf sich im Café regelmäßig nach Arbeitsschluss und findet: „Es war hier immer so familiär. Etwas Vergleichbares gibt es nicht in der Innenstadt.“ Der Café-Betreiber lächelt, ist gerührt und macht keinen Hehl daraus, dass ihm die Schließung „sehr, sehr weh tut“. Hinzu komme, dass in seinen Räumlichkeiten ja seit Jahrzehnten ein Café gewesen sei. Kilincs Vorgängerin Kira Novoschat schloss ihr „Kaffehaus“ 2010.

Aufhören im „verflixten siebten Jahr“

Seinen Humor hat Kilinc nicht verloren, der augenzwinkernd erzählt, dass er ja im „verflixten siebten Jahr“ aufhöre. Nach sieben Jahren habe es auch immer Veränderungen in seinem Privatleben gegeben, so der Vater von zwei Söhnen.

Der gebürtige Kurde, der seit 20 Jahren einen deutschen Pass hat, ist in Witten aufgewachsen. „Wir sind in die Stadt gekommen, als ich drei Jahre alt war.“ Der Vater fand eine Anstellung beim Weichenwerk, die Mutter war Hausfrau, „hat aber auch noch gearbeitet“. Nach der Schule zog es den Sohn in die Wittener Gastronomie. In der früheren Pizzeria Salvatore an der Bahnhofstraße hat er das Kellnern gelernt. „Ich habe auch zehn Jahre lang im Wittener Real als Chef der Warenannahme gearbeitet und war bei einem Sicherheitsdienst beschäftigt.“

„Ein Imbiss, das ist eine andere Welt“

Seit rund anderthalb Jahren betreibt der 52-Jährige auch den Berliner Grill an der Berliner Straße. Sein neuer Arbeitsplatz, wenn er sein Café am Sonntag schließt. Kilinc: „Mit dem Café verliere ich auch einen Teil von meinen Träumen. Ein Imbiss, das ist eine andere Welt. Im Café, da ist man näher am Menschen.“

Sein Nachfolger an der Bahnhofstraße 53 sei ein Syrer, hat er gehört. „Was er in den Räumen macht, weiß ich aber nicht.“ Die Vermieterin wollte sich dazu am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung nicht äußern.

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