Imkern

Bienen fliegen zwischen Schmelzofen und Stahl

Arnd Bernsmann, Marc Rockhoff, Rieke Cors, Klaus Wagner und Helga Mönks (v.li.) bei ihren Völkern neben den Werkshallen.

Foto: Biene Hagel

Arnd Bernsmann, Marc Rockhoff, Rieke Cors, Klaus Wagner und Helga Mönks (v.li.) bei ihren Völkern neben den Werkshallen. Foto: Biene Hagel

Witten.   Auf dem Gelände des Traditionsunternehmens Friedr. Lohmann in Witten-Herbede stehen Bienenstöcke. Bald soll es einen „Werkshonig“ geben.

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Der Mühlengraben rauscht gegen das Summen der Bienen an. Die wohnen seit Kurzem in einigen Holzkästen, die zwischen den Werkshallen auf dem Gelände der Herbeder Firma Friedr. Lohmann stehen. Honigsammler auf dem Stahlwerksgelände? „Klar, Bienen sind wichtig für die Natur. Und die stören hier auch nicht“, sagt Katja Lohmann-Hütte (43), Mitglied der Geschäftsleitung. Platz sei genug und Probleme mit der Belegschaft gebe es auch keine. Und Pollen sammeln die Insekten sowieso irgendwo in Herbede.

Die Idee zu den „Werksbienen“ kam dem Herbeder Imkervereinsvorsitzenden Klaus Wagner (75) zusammen mit Rieke Cors (42), selbst seit wenigen Jahren Imkerin und Teil der zweiten Unternehmensfamilie, Lohmann-Voß. Nun lernen hier unter der Anleitung von Klaus Wagner fünf Jungimker das Bienenhobby. „Mir ist die Natur wichtig und so bin ich viel draußen“, sagt Marc Rockhoff. Seine Frau schenkte ihm zum 40. Geburtstag die nötige Ausrüstung – und die Mitgliedschaft im Imkerverein. Seitdem steht er jeden Samstag an seinem Bienenvolk. „Nur Honig gab es noch nicht“, so der Annener.

Kein gutes Bienenjahr

Ohnehin war 2017 kein sonderlich gutes Bienenjahr – mit einem schlechten Winter, kaltem Frühjahr und dem durchwachsenen Sommer. Deshalb gibt es in diesem Jahr weniger Honig, was auch Arnd Bernsmann zu spüren bekommt. „Ich hatte nur zwei Waben mit Honig. Den haben meine Jungs zu Hause bekommen“, sagt der 42-Jährige. Arnd Bernsmann, Ehemann der Firmeninhaberin Katja Lohmann-Hütte, war schon immer großer Honig-Fan. Als dann die Bienen auf das Werksgelände kamen, wurde er hellhörig.

Mittlerweile zieht er selbst seinen Schutzanzug an und zieht die Waben aus seinem Volk. „Klaus, kannst Du mal nach den Varroa-Milben schauen?“, ruft er dem erfahrenen Imkervater Klaus Wagner zu. Denn Stahlwerksbienen hin oder her – auch die Herbeder Bienen sind nicht hart genug, um der Varroa-Milbe zu trotzen. Diese schwächt jeden Winter viele Völker, so dass sie eingehen.

„Jung-Imkerin“ mit 71 Jahren

Die Gruppe auf dem Stahlwerksgelände profitiert voneinander. „Wir lernen viel voneinander und wenn mal einer im Urlaub ist, übernehmen die anderen die Arbeit“, sagt Helga Mönks. Auch sie ist mit ihren 71 Jahren noch „Jungimkerin“ und schleuderte in diesem Jahr immerhin 15 Kilo Honig. „Der schmeckt viel besser als der gekaufte Honig.“

Wenn es in den nächsten Jahren dann bei allen Imkern auf dem Werksgelände Honig gibt, soll es auch Stahlwerkhonig geben. „Als Geschenk wäre das schon eine tolle Sache“, sagt Katja Lohmann-Hütte. Der würde auch gut zu den Schafen passen, die auf dem Gelände grasen, oder der Streuobstwiese, die angelegt wurde. Wird bald das Stahlunternehmen auch als Bauernhof von sich reden machen? Katja Lohmann-Hütte verneint: „Ökologische Aspekte hin oder her, wir setzen weiter auf Stahl.“

>> Viele Jung-Imker in Herbede

Der Imkerverein Witten-Herbede zählt knapp 40 Mitglieder. Davon sind fast die Hälfte in den letzten Jahren eingetreten – darunter auch viele Jüngere. Der Zuwachs ist vor allem einem erfolgreichen Anfängerkurs von Pia Aumeier an der Ruhr-Universität zu verdanken.

Interessierte Wittener können jeden Sonntag von 10 bis 18 Uhr auf dem Hohenstein in die Bienenwelt eintauchen. Das Lehrbienenzentrum des Kreisimkervereins öffnet dort die Pforten.

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