MINT-Fächer

Betriebsluft weckt bei Wittener Schülern Begeisterung

Max (15), Nisa (15) und Ben (14) haben bei ZF kleine batteriebetriebene Dampfwalzen gebaut.

Max (15), Nisa (15) und Ben (14) haben bei ZF kleine batteriebetriebene Dampfwalzen gebaut.

Foto: Barbara Zabka

Witten.   Schüler der Otto-Schott-Schule können in Betrieben reinschnuppern. Arbeitgeber unterstützen solche Projekte – denn die suchen Nachwuchs.

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Der größte Wunsch von Nisa (15) ist zwar weiterhin, Medizin zu studieren. Aber 13 Wochen lang jeden Freitag bei den ZF Industrieantrieben in Witten zu erscheinen und dabei eine eigene Miniatur-Dampfwalze mit Beleuchtung zu bauen: „Das hat mir auch richtig Spaß gemacht“, sagt die Schülerin der 9c der Otto-Schott-Realschule. „Es war wirklich nie langweilig.“

Solche Unternehmenskooperationen sind es, die der Schule am Viehmarkt 5 ein naturwissenschaftlich-technisch-mathematisches Profil verleihen, also ihren Schwerpunkt auf die sogenannten MINT-Fächer lenken. Zusammengearbeitet hat sie dabei bereits in der Vergangenheit mit dem Verein Technikförderung Südwestfalen, mit dem die Schule jetzt eine feste Bildungspartnerschaft vereinbart hat. „Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler früh für MINT-Fächer zu begeistern, um Nachwuchs für die industriegeprägte Region zu finden“, sagt Annette Tilsner vom Verein. „Denn viele Unternehmen suchen händeringend Nachwuchs.“

Die Realschule möchte im nächsten Schuljahr eine MINT-Profilgruppe in der fünften Jahrgangsstufe ins Leben rufen. Erreicht werden sollen die Ziele der neuen Partnerschaft auch durch noch mehr Gelegenheiten für Schüler, in Betriebe reinschnuppern zu können – im Industrie wie auch Informatikbereich.

Nagellack beim Lackbetrieb

Denn neben Schülerinnen wie Nisa, die durch ihre Erfahrungen bei ZF gemerkt hat, dass „sie nicht die Hände für technische Berufe hat“, gibt es immer wieder Schüler, die durch die Praxis Technikberufe für sich entdecken – und ganz konkrete Berufswünsche formulieren. „Ich will Werkstoffprüfer werden“, sagt Ben (15), der zusammen mit Nisa bei ZF war – und dort bald ein Praktikum machen will. Für den stellvertretenden Schulleiter Andreas Stephan haben Schüler wie Ben „eine große Wirkung“ auf den Rest der Klasse. „Es gibt wieder viel mehr Schüler, die eine Ausbildung anstreben.“

MINT-Förderung wird nicht nur an der Ott-Schott-Schule betrieben. „Generell ist Witten hier etwas Besonderes, die Netzwerke sind hier sehr ausgeweitet“, sagt Annette Tilsner vom Technikförderungsverein – und nimmt damit zum einen Bezug auf die Zusammenarbeit unter den Schulen, zum anderen auf die Aktivitäten innerhalb der landesweiten Offensive „Zentrum für Innovation“ (ZDI). Das vom NRW-Wissenschaftsministerium geförderte ZDI-Netzwerk zur MINT-Förderung unterstützt die Partnerschaft zwischen Schule und Verein – und kann dabei mit Kontakten wie mit Ratschlägen helfen. Zum Beispiel zu der Frage, wie MINT-Projekte für Mädchen attraktiver sein können.

Zu diesem Thema hat das ZDI jüngst eine Befragungen mit Schülerinnen durchgeführt. „Dabei hat sich gezeigt, dass sich viele Mädchen wünschen, dass man solche Angebote mit Kunst, Musik oder Schminke verbindet“, sagt Kerstin Thiel vom ZDI. Also beim örtlichen Lackbetrieb mit den Mädchen Nagellack herstellen? „So etwas“, sagt Annette Tilsner, „hat eines unserer 75 Vereinsmitglieder tatsächlich auch schon mit den Schülerinnen gemacht.“

>> INFO: Schulen können Roboter und Bohrer ausleihen

Schulen haben die Möglichkeit, sich 3D-Drucker, humanoide Roboter, Fräser, Bohrer und andere Technik beim Verein Technikförderung Südwestfalen auszuleihen, um MINT-Unterricht praxisnäher zu gestalten. Infos im Netz unter: buchungsportal.
technikfoerderung.de

Schüler, die sich für MINT-Berufe interessieren, informiert das ZDI-Netzwerk Ennepe-Ruhr auf der Seite talentevonmorgen.de.

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