Interview

Bernd Stelter: „Auf dem Dorf bin ich ein zufriedener Mensch“

Bernd Stelter (58) ist kein Comedian und auch kein Entertainer. Denn dafür müsste er auch tanzen können. „Und das kann ich nicht“, gesteht der 58-Jährige vor seinem Auftritt in Witten.

Bernd Stelter (58) ist kein Comedian und auch kein Entertainer. Denn dafür müsste er auch tanzen können. „Und das kann ich nicht“, gesteht der 58-Jährige vor seinem Auftritt in Witten.

Foto: Manfred Esser / ASS Concerts

Bernd Stelter kommt in den Saalbau. In einem Interview verrät der 58-Jährige, warum er sich auf dem Land und auf einem Campingplatz so wohlfühlt.

Der 2005 verstorbene Showmaster Rudi Carrell war sein Mentor. Zu Bernd Stelter hat Carrell einmal gesagt:„Wenn Du den Leuten einen schönen Abend machen willst, bring sie zum Lachen. Wenn Du ihnen einen tollen Abend machen willst, bring sie zum Lachen und zum Weinen!“ Sätze, die Stelter, der schon über 30 Jahre erfolgreich auf der Bühne steht, beherzigt hat. Am Mittwochabend (25.9.) ist der 58-Jährige mit seinem neuen Soloprogramm „Hurra, ab Montag ist wieder Wochenende“ im Saalbau zu sehen. Der Wittener Theatersaal ist leider schon ausverkauft. Der Wahl-Rheinländer hat eine große Fangemeinde. Mit unserer Redaktion sprach Bernd Stelter vor seinem Auftritt über die Freude am Leben, Miesepetrigkeit, Tabus auf der Bühne, die Freude am Landleben und an Ferien auf einem holländischen Campingplatz.

Sie sind nicht zum ersten Mal in Witten.

Ich bin schon vier, fünf Mal im Saalbau aufgetreten. Das Wittener Publikum ist gut. Mein alter Kollege Mike Krüger hat viele Liveplatten im Saalbau aufgenommen.

Ihre Programme erwachsen aus Beobachtungen. Man hat manchmal den Eindruck, die Leute haben noch nie so viel über ihre Arbeitsplätze gemeckert und das Wochenende herbeigesehnt wie heute. Eine Vorlage für Ihr neues Bühnenprogramm?

Wenn sich jemand nur den ganzen Tag auf den Feierabend freut, die ganze Woche nur auf das Wochenende, dann macht er was falsch. In meinem neuen Programm geht es aber auch darum, wie wir leben können, damit wir dabei auch ein bisschen Spaß haben und nicht so miesepeterig durch die Gegend laufen. Ich gehe gerne arbeiten, ob es Montag oder Mittwoch ist, ist mir wurscht.

Ist Miesepeterigkeit auch etwas Deutsches?

Ja, wir haben schon eine Neigung zur Miesepeterigkeit. Und dafür gibt es eigentlich keine Gründe. Wir sind ein reiches Land. Natürlich ist nicht jeder reich. Aber im Vergleich zu 90 Prozent der Weltbevölkerung geht es uns doch super. Wir sind ein sehr schönes Land, das in Frieden lebt. Und trotzdem sind wir unzufrieden, das ist doch bekloppt! Ich habe drei Wochen Urlaub in Holland gemacht. Die Leute sind da ganz anders drauf. Sie sind entspannter, sind fröhlicher.

Wer sind Sie auf der Bühne? Sie bezeichnen sich nicht als Comedian, auch nicht als Entertainer. Denn da müssten Sie ja tanzen können.

(lacht) Ja, ich zeige auch in diesem Programm, dass ich das nicht kann. Aber es macht mir trotzdem Spaß. Ich mache eine Show. Ich bin ein Liedermacher, ich bin sicherlich auch ein Kabarettist. Das Programm ist zwischendurch auch sehr politisch. Es sind viele Lieder im Programm, lustige und berührende. Es sind auch Sachen dabei, über die man sich hoffentlich kaputtlachen kann. Es gibt aber auch Ernstes. Wenn ich einen ganzen Abend Comedy gucke, schaue ich nach einer Dreiviertelstunde auf die Uhr und denke, machen die mal ein Päuschen? Bei einem ganzen Abend im Theater muss mehr kommen als nur Spaß. Am Ende sollen die Leute nach Hause gehen und sagen: Wau, was habe ich einen tollen Abend gehabt.

Gibt es Witze, die man in Deutschland auf der Bühne nicht machen kann?

Ich breche auf der Bühne nicht alle Tabus. Ich mache keine Witze über Behinderte, über Randgruppen. Ich mache keine Witze, die Sex als etwas Schmutziges darstellen. Das Problem ist, wenn man immer seine Tabus bricht, hat man irgendwann alle Tabus gebrochen. Und was dann?

Sie leben privat schon seit über 30 Jahren in Bornheim-Hersel, kurz vor Bonn. Ist es Ihnen dort nicht zu langweilig?

Also, ich bin in Unna-Stockum aufgewachsen. Das ist eine rein landwirtschaftliche Gegend. Ich bin ein Dorfmensch! Wenn ich fünf Tage in Berlin oder Hamburg war und bin zurück in meinem Dorf, bin ich ein zufriedener Mensch. 500 Meter hinter dem Ortsausgangsschild Bonn haben wir ein Haus. Dort kommt man wieder runter. Große Städte sind auf Dauer anstrengend.

Sie haben bei der satirischen RTL-Talkshow „7 Tage, 7 Köpfe“ mitgemacht. Wie wichtig war für Sie diese Zeit?

Ohne „7 Tage, 7 Köpfe“ wäre der Wittener Saalbau am kommenden Mittwoch nicht voll. Davon bin ich überzeugt. Das habe ich zehn Jahre gemacht, dadurch wurde ich bekannt. Ich habe eine Menge von Jochen Busse gelernt. Mike Krüger ist ein Kalauer-König, der hat ein Timing-Gefühl, das ist atemberaubend. Dann Rudi Carrell mit seinen Ideen fürs Fernsehen und für Shows. Ich war auch zehn Jahre beim WDR mit dem „NRW-Duell“ zu sehen. Das hat auch einen Riesenspaß gemacht. Jetzt bin ich auch ohne Fernsehen zufrieden. Ich werde bald 60, da möchte man einfach einen schönen Tourneeplan haben und fährt dann rum. Wenn man nicht rumfährt, fährt man in Urlaub. Das ist super!

Apropos Urlaub: Sie machen ja immer Ferien in Holland, steuern dort stets einen Campingplatz an.

Wir haben jetzt statt eines Wohnwagens einen sogenannten Star-Caravan. Der steht dort fest. (lacht) Das ist ein bisschen seniorengerechter. Ich fühle mich da in Holland wahnsinnig wohl. Ich fahre Fahrrad, gehe spazieren, spiele Golf. Meine Schwester wohnt auch auf dem Platz, auch Freunde, die man sonst wohl gar nicht so oft sehen würde. Der Campingplatz ist in der Nähe von Middelburg, mehr verrate ich nicht. In meinen Krimis ist der Inspecteur Piet van Houvenkamp ja auch aus Middelburg.

Genau, Sie haben schon einige Bücher geschrieben.

Ja, ich schreibe sehr gerne zu Hause am Laptop. Aber wenn ich da zwei Monate gesessen habe, muss ich auch ganz dringend wieder raus.

Sie haben betont, dass Sie schon auf den runden 60. Geburtstag zusteuern. Denkt man da schon über den Ruhestand nach?

Nein, ich arbeite solange ich das kann. Der Kollege Dieter Hildebrandt ist 2013 im Alter von 86 Jahren gestorben. Er hätte eigentlich in der Woche darauf noch Auftritte gehabt. Das hätte ich auch gerne so.

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