Olympia im Revier

Beim Thema Olympia sind die Wittener gespalten

Nach seiner Silbermedaille in Peking 2008 wurde Mirko Englich (re., hier mit Bürgermeisterin Sonja Leidemann, li., und seiner Frau Yvonne sowie Töchterchen Lotta) in Witten begeistert empfangen.

Foto: Archivfoto: Hans-Dieter Thomas

Nach seiner Silbermedaille in Peking 2008 wurde Mirko Englich (re., hier mit Bürgermeisterin Sonja Leidemann, li., und seiner Frau Yvonne sowie Töchterchen Lotta) in Witten begeistert empfangen. Foto: Archivfoto: Hans-Dieter Thomas

Mit Olympischen Spielen im Ruhrgebiet können sich auch die Wittener durchaus anfreunden. Die Kostenfrage aber brennt unter den Nägeln.

Mit diesem Ergebnis musste man nicht unbedingt rechnen: Die Menschen im Ruhrgebiet können sich einer Umfrage zufolge Olympische Spiele quasi vor der eigenen Haustür gut vorstellen. Gut zwei Drittel der Befragten würde Ja sagen zum größten Sportereignis der Welt – und auch in Witten gibt es einige Fürsprecher für Olympia, das frühestens 2032 ein Thema wäre.

„Vorstellbar ist alles“, erklärte etwa Bürgermeisterin Sonja Leidemann, selbst eine passionierte Läuferin. Ihre Idee von einem solch großen Projekt geht allerdings weit über den sportlichen Aspekt hinaus. „Wichtig wäre, dass dann auch genug Geld von Bund und Ländern in die Region fließt. Man könnte das Ruhrgebiet dann sicherlich positiv verkaufen. Die Frage wäre auch, wie die Folgenutzung der Sportstätten geregelt würde. London 2012 hat das gut hinbekommen – insofern können wir sicher von den Briten lernen.“ Und ein olympischer Wettbewerb in Witten? „Nur, wenn wir die Ruhr beschwimmbar bekommen – dann wäre ein Triathlon denkbar.“

Matthias Kiehm kritistiert „Gigantomanie“

Der stellvertretende Vorsitzende des Stadtsportverbandes, Matthias Kiehm, sieht das Thema eher pragmatisch. „Als Sportler könnte ich es mir vorstellen, rational wäre ich aber wohl dagegen. In Zeiten solch prekärer Haushaltslagen wäre so ein Konzept nicht mehr zeitgemäß. An Schulen und Kitas wird gespart, auf der anderen Seite pumpt man Milliarden in neue Sportstätten? Alleine bei den Spielen in Rio de Janeiro wurden Unsummen für Bauten ohne nachhaltigen Wert verpulvert. Als Judoka und Triathlet sagt mein Herz Ja zu Olympia, die Vernunft aber spricht gegen diese Gigantomanie.“

Einer, der die Spiele schon selbst als Aktiver miterlebt hat, würde sich freuen über den Zuschlag für das Ruhrgebiet. „Ich fände Olympia hier super. Mein Sohn Noah wäre dann 29, meine Tochter Lotta 25 – genau das richtige Alter“, sagt Mirko Englich, Silbermedaillen-Gewinner von Peking 2008, dessen Kinder selbst als aktive Ringer auf der Matte stehen. „Ich sehe die Spiele eher als Chance denn als Risiko für die Region. Viele Sportstätten sind schon fertig, die Menschen hier sind sportbegeistert.“

Der gleichen Ansicht ist der Sportausschuss-Vorsitzende Lars König. Er gibt aber auch zu bedenken: „Es müssten genügend Mittel ins Revier fließen, um uns für die Ausrichtung der Spiele zu ertüchtigen. Eigentlich geht es allen Städten im Revier finanziell schlecht. Bis 2025, wenn die Entscheidung bezüglich der Vergabe fällt, müsste man den Kommunen unter die Arme greifen.“

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