Stadtentwicklung

Bäume sollen Autos auf Karl-Marx-Platz verdrängen

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Der Karl-Marx-Platz, der frühere Königsplatz, war einst ein Schmuckstück: Ansicht um die Jahrhundertwende.

Der Karl-Marx-Platz, der frühere Königsplatz, war einst ein Schmuckstück: Ansicht um die Jahrhundertwende.

Witten.  Die Stadt Witten will den Karl-Marx-Platz neu gestalten. Beim Planungstreff wurden mehr Grün, weniger Parkplätze und Schutz vor Rasern gefordert.

Lauschige Sitzecken und 58 mächtige Bäume: So erinnern sich alte Wittener noch an den einstigen Königsplatz, den heutigen Karl-Marx-Platz. Doch statt Bäumen beherrschen nun geparkte Autos, Wertstoffcontainer und der Dauerverkehr der Breite Straße das Bild. Kurzum: Der innerstädtische Platz lechzt nach mehr Aufenthaltsqualität.

Die Stadt will ihn auch neu gestalten und lud deshalb am Dienstagabend die Bürger zur Planungswerkstatt „Perspektive Karl-Marx-Platz“ ins Rathaus ein.

Diskussion über Stärken, Nachteile und Ideen

Rund 40 Teilnehmer, darunter Vertreter der Verwaltung und zahlreiche Anwohner, diskutierten engagiert über die Stärken, Nachteile und Ideen zur Neugestaltung des Platzes, der mitten im so genannten Hohenzollernviertel (Anwohner und Historiker Ralph Klein fände den Namen Breddeviertel passender) liegt. An drei Tischen wurden die Themen „Verkehr“, „Stadtraum“ und „aktive Nachbarschaft“ besprochen, wobei die Besetzung alle 20 Minuten wechseln konnte.

„Erst wenn ein Platz belebt ist, ist er für mich ein Stadtplatz“, meinte Markus Schürmann vom Büro ST-Freiraum beim einleitenden Vortrag. Mit den Duisburger Landschaftsarchitekten hat die Stadt schon bei der Gestaltung des Radwegs Rheinischer Esel zusammengearbeitet. „Das Büro sammelt die Vorschläge aus der Planungswerkstatt und lässt sie in ein neues Platzkonzept einfließen.

Das wird wohl im Juni den Bürgern und der Politik vorgestellt. Anschließend wird der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt beschließen, was davon umzusetzen ist“, erklärt Claudio Rabe vom Planungsamt das weitere Vorgehen. Im Herbst könnten dann wohl die Förderanträge gestellt werden. Wieviele Euro fließen müssen, damit der Karl-Marx-Platz wieder ein echtes Schmuckstück wird, kann auch der Wittener Stadtplaner nicht einschätzen.

Denn auf dem ursprünglich klar gegliederten Platz sei in den letzten Jahren „viel durcheinander gekommen“, wie es so treffend an diesem Abend hieß. Dazu zählen die Wertstoffcontainer, wo zum Ärger der Anwohner regelrechter Mülltourismus herrscht, aber auch das „stehende und rollende Blech“ auf und um den Platz. „Auch Lkw wursteln sich durch die umliegenden Straßen. Und Autos fahren hier inzwischen so schnell, dass man Angst haben muss, überfahren zu werden“, kann eine Anwohnerin aus leidvoller Erfahrung berichten.

Einen Teil der Parkplätze entfernen, mehr Papierkörbe aufstellen, neue Bäume pflanzen, wieder Wasser wie einst am Denkmal sprudeln lassen und gelegentlich Veranstaltungen wie im benachbarten Wiesenviertel durchführen – all das sind Anregungen der Planungswerkstatt, das Gelände aufzupeppen. Das sah zu Zeiten des Königsplatzes auch deshalb anders aus, weil die Verkehrsführung der heutigen Breite Straße etwas verändert war. Sie führte winkelartig hinter dem Biergarten und vor dem Eingang des heutigen, inzwischen geschlossenen italienischen Restaurants „La Piazza“ vorbei, so dass der Platz eine kompakte Vierecksform hatte. Heute wirkt er eher unruhig und zergliedert.

„Aus einem Parkplatz soll ein Begegnungsplatz werden“, so die übereinstimmende Forderung. Anwohner Volker Wiederhold hat ein gutes Rezept: „Der Platz muss für Kinder attraktiv sein. Dann trifft sich da auch die Nachbarschaft.“

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