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Autorin zieht Kinder in Wittener Bücherei in ihren Bann

Brigitte Werner am 22. Juni 2018 in der Kinderbücherei der Bibliothek: Dieses Jahr sind noch fünf Lesungen mit anderen Autorinnen für Vorschulkinder geplant.

Brigitte Werner am 22. Juni 2018 in der Kinderbücherei der Bibliothek: Dieses Jahr sind noch fünf Lesungen mit anderen Autorinnen für Vorschulkinder geplant.

Foto: Svenja Hanusch

Witten.   Brigitte Werner (70) faszinierte die Kinder beim Vortragen ihres Buches vom „kleinen Murps“. Wie begeistert man Kinder? Eine Spurensuche.

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So macht Vorlesen Spaß. 30 Vorschulkinder hängen gebannt an den Lippen von Brigitte Werner und gehen begeistert mit, als sie in der Kinderbücherei die Geschichte „Der kleine Murps“ vorträgt, die sie selbst geschrieben hat.

Ein Erfolgsgeheimnis der Gelsenkirchenerin (70): Sie liest nicht vor. „Wenn ich mich hier hinter einen Tisch setzen würde, wäre hier nach zehn Minuten der Teufel los.“ Das weiß die Autorin nur zu gut, die selbst zehn Jahre Grundschullehrerin war. Danach hat sie (unter anderem) Blumen verkauft, gekellnert, ihr eigenes Kindermitspieltheater aufgemacht und inzwischen 13 Bücher geschrieben. Die meisten Bücher hat sie für etwas ältere Kinder gedacht und zwei für Erwachsene. Wir schweifen ab.

Autorin nimmt Kinder mit in die Geschichte hinein

Ein Erfolgsrezept also ist, dass sie Körpereinsatz zeigt und alle Sinne anspricht. Sie beugt sich, streckt sich, reckt sich, lässt ihr Gesicht sprechen, ohne zu übertreiben. Wenn sie „Gänsehaut“ kriegt und sich über den Arm streicht, kribbelt’s bei allen mit.

„Sie nimmt die Kinder mit in die Geschichte hinein. Die sind alle fokussiert. Sie erzählt mehr, als dass sie nur liest – und sie schaut die Kinder an“, beobachtet Birgit Ankrah, Leiterin der Annener Kita Kunterbunt. „Man braucht den Augenkontakt“, verrät Brigitte Werner nach der Lesung selbst. Aber das ist längst nicht alles.

Man braucht noch eine Geschichte, die die kindliche Fantasie anregt. Die hat die Autorin. Die ist so bunt wie ihr eigener Lebenslauf. Im „kleinen Murps“ geht’s um Bei-, Spitz-, Kosenamen, die Werner selbst „Streichel-Namen“ nennt. Solche Namen können schnell zum „Stempel“ werden und ein Kind auf eine Rolle festlegen.

Die Freude am Rollenwechsel

Der kleine Bruno wird von seiner Mama liebevoll „Murps“ genannt. Normalerweise. Aber dann möchte er an einem Montag plötzlich „Gurps“ heißen – und alles muss grün sein. Das Schöne dabei: Die Mama spielt mit! Am Dienstag wird er zum riesigen „Purps“, das allein garantiert lautes Gegibbel. Mama baut ihm Stelzen. Den gefährlichen „Knurps“ (Mittwoch), hier bedient die Autorin die Rabauken, bändigt sie, indem er den ehrenvollen Auftrag bekommt, die Mama mit einem borstigen Besen zu „bewachen“ – genial gelöst. Am Donnerstag ist es auf einmal muckmäuschenstill, Brigitte Werner flüstert. Die Mama muss das ganze Haus nach ihrem „Durps“ abzusuchen, der ist unsichtbar. Manchmal möcht man sich einfach davonstehlen. Auch Freitag, Samstag und Sonntag wird es nicht langweilig.

Kinder verraten ihre „Streichel-Namen“

Im Gespräch mit den Kindern verraten einige der Schriftstellerin auch ihren „Streichel-Namen“ von zuhause. „Maus“, „Mausebär“, „Schnecke“, „Schaf“ und „Hoppel“ haben ihr lange aufmerksam zugehört. „Ich finde es toll, dass der Junge immer ein anderer sein wollte“, sagt Enno (6). Damit hat er genau erkannt, was für die Autorin der Kern der Geschichte ist. „Es geht um die Freunde am Verwandeln und das mal ausspielen zu dürfen – und auch mal etwas der Rolle entgegenzusetzen, in die andere einen vielleicht hineindrängen“, sagt die schreibende Besucherin.

Bevor die Analyse einer schönen Vorlese-Dreiviertelstunde mit den Kindern aus der evangelischen (Kneipp-)Kita Kinderarche und der Kita Kunterbunt zu weit getrieben wird, ist der Ex-Lehrerin aber auch noch dieser Hinweis wichtig. „Es muss ja auch nicht immer pädagogisch besonders wertvoll sein. Es geht einfach um die Freude an einer guten Geschichte und an einer schönen Sprache“.

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