Handygefahr

Auf Fahrbahn kann Handy tödliche Folgen haben

Ein tragisches Beispiel: In Heven wurde im Herbst 2015 ein 19-Jähriger von der Straßenbahn erfasst und getötet, der mit Kopfhörer unterwegs war. Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services

Ein tragisches Beispiel: In Heven wurde im Herbst 2015 ein 19-Jähriger von der Straßenbahn erfasst und getötet, der mit Kopfhörer unterwegs war. Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services

Foto: Funke Foto Services

Witten.   Norbremsungen für unachtsame Handy- oder Kopfhörernutzer sind bei Bus und Straßenbahn Alltag. Eine Aktion von Bogestra und Polizei warnt vor Gefahr.

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Eigentlich wirken die Figuren auf den Handzetteln so putzig wie aus Comics. Doch sie haben einen durchaus ernsten Auftrag: Sie sollen die Bürger vor der – teils tödlichen – Gefahr der Ablenkung durch Handys oder Kopfhörer im Straßenverkehr warnen.

Bogestra und Polizei verteilten die Handzettel zum Auftakt der sechsmonatigen Aktion jetzt in der Bochumer City. In den kommenden Wochen soll sie auch in Witten für Aufmerksamkeit sorgen.

Rund 400 000 Fahrgäste habe die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (Bogestra) täglich in ihrem Einsatzgebiet, so Sprecherin Sandra Bruns. Da wirkten die hundert dabei Verletzten im Jahr – vom blauen Knie bis zum schweren Unfall – vergleichsweise wenig. Und doch: „Jeden Tag machen unsere Straßenbahnen oder Busse eine Notbremsung, weil jemand mit Handy oder Kopfhörern unachtsam über die Fahrbahn geht“, weiß die Expertin.

Auch ein krasses aktuelles Beispiel hat sie parat: „Als wir jetzt zum Auftakt Handzettel verteilt haben, trafen wir auf eine Frau Ende 20. Sie hatte drei kleine Kinder dabei und ein Handy am Ohr. Als wir ihr unseren Flyer in die Hand gaben, guckte sie nur kurz drauf – und ging bei Rot weiter über die Ampel!“ Da versteht man gleich besser, was mit den Überschriften auf den comicartigen Handzettelmotiven gemeint ist wie. „Deine letzte Nachricht!?“ oder „Dein letzter Song!?

„Das ist die Pest“, hatte Bogestra-Chef Gisbert Schlotzhauer dieses Phänomen bei immer mehr Fußgängern einmal genannt. Er meinte die enorme Gefährdung für die Fußgänger selbst, aber auch für die Fahrgäste in Bus und Bahn.

Strafbar oder eine Ordnungswidrigkeit ist es zwar nicht, mit Handy in der Hand oder Kopfhörer im Verkehr herumzulaufen. Wenn man dadurch aber einen (Beinahe-)Unfall provoziert, kann es trotzdem eine Anzeige geben.

„Es ist schon erstaunlich, wie viele Fußgänger telefonieren oder Kopfhörer haben“, sagt Polizeihauptkommissar Siegfried Klein. Das sehe er „erschreckend oft“. Für besonders intensive Nutzer gibt es das neudeutsche Wort „Smombie“: eine Mischung aus „Smartphone“ und „Zombie“.

„Ablenkung durch das Handy kostet Leben – auch Deins“, lautet der Titel dieser Aufklärungsaktion. Rund zehn Prozent aller Verkehrsunfälle mit Verletzten hätten Ablenkung als Ursache, denn 90 Prozent der Informationen über die Verkehrssituation würden mit den Augen aufgenommen, erklärte die Bogestra. „Wenn zu den 90 Prozent – Ablenkung durch den Blick auf das Handy – noch Kopfhörer kommen, nehmt Ihr freiwillig ,blind und taub’ am Straßenverkehr teil“, steht auf den Handzetteln.

Auch Autofahrer werden mit der neuen Kampagne angesprochen. Studien zufolge ist ein Autofahrer mit Handy in der Hand ungefähr so beeinträchtigt wie durch 0,8 Promille Alkohol. Ein einziger Blick aufs Handy würde bei Tempo 50 dazu führen, dass man 14 Meter im Blindflug zurücklegt.

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