Historisches Rätsel

Auf dem Wittener Hohenstein spielte unterm Pavillon Musik

Das Pfingstkonzert der Kapelle Rosendahl unter dem Pavillon auf dem Hohenstein in Witten hatte eine lange Tradition.  

Das Pfingstkonzert der Kapelle Rosendahl unter dem Pavillon auf dem Hohenstein in Witten hatte eine lange Tradition.  

Foto: Davide Bentivoglio

Witten.  Alljährlich an Pfingsten hat die Kapelle Rosendahl auf dem Wittener Hohenstein gespielt. Offenbar so schön, dass sogar Braunbären zuhörten.

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Und Tusch! Auf unserem Rätselbild war diesmal die Kapelle Rosendahl zu sehen. Gezeigt wurde eines der Pfingstkonzerte auf dem Hohenstein. Dirigent war Hans Rosendahl. Diese Auftritte unter dem Dach des Pavillons vor „Parkhaus Hohenstein“ hatten eine beinahe 100-jährige Tradition.

Gerade ältere Leser dürften sich noch erinnern. „Für meine Eltern war das Konzert Pflichtprogramm und für uns Kinder war der Ausflug dahin immer mit einem ausgedehnten Spaziergang verbunden“, schreibt Jutta Gerhardt. Auch Werner Schultze denkt an diese Zeiten gern zurück. „Der Hohenstein war für mich schon immer ein Erlebnis. Ich erinnere mich, dass in meiner Jugend jeweils zu Pfingsten Konzerte gegeben wurden. Erst durch die Kapelle Fietler, in späteren Jahren durch die Kapelle Rosendahl.“

Zwei Braunbären lebten im Nachbar-Pavillon

Richtig getippt hat auch Christina Wildvang. Sie weiß, dass die Kapelle im rechten Pavillon von Parkhaus Hohenstein spielte. „Konzerte fanden in den alten Zeiten häufiger am Haus Hohenstein statt, oft auch gespielt von der städtischen Kapelle.“ Im linken Pavillon der Außenanlagen wohnte übrigens eine Zeit lang Braunbär „Jonny Brumm vom Hohenstein”, der sich im Mai 1970 mit der Bärin „Jutta Brummy von Budapest” verlobte und mit ihr gemeinsam eine weitere Zeit dort lebte. Die „Verlobungsanzeige” erschien am 24.5.1970 in der Zeitung. Fotograf Davide Bentivoglio erinnert sich an dieses „traurige Kapitel. Der Bär war miserabel untergebracht und völlig falsch am Platz“.

Manfred W. Schwandt hat das Rätselfoto genau studiert. „Es fällt sofort auf, dass fast alle Zuhörer fein gekleidet sind. Die Männer tragen an diesem Tag durchweg einen Anzug mit schicker Krawatte und einen Trenchcoat. Die Kleidung der Frauen ist sicher dem Anlass angemessen, lässt sich aber wegen der Regenmäntel nur erahnen. Ein Anblick, den es heutzutage kaum noch gibt. Denn Freizeitkleidung ist angesagt, sowohl an Festtagen als auch zu feierlichen Anlässen.“ Ihm sei nur eine Örtlichkeit in Witten bekannt, auf der sich eine Kapelle derart dekorativ präsentieren konnte, „nämlich im Garten des Parkrestaurants Haus Hohenstein und zwar unter der von Steinsäulen getragenen Pergola“.

30 Musiker spielten Volkstümliches

In der Verwaltungsakte „Orchester Rosendahl“ im Stadtarchiv Witten findet man zahlreiche Hinweise auf die Kapelle. Ende September 1981 kündigte die örtliche Presse zum Beispiel „das Blas-Orchester Rosendahl mit Operetten- und Unterhaltungsmusik vor dem Saalbau (bei schlechtem Wetter im Foyer)“ an.

Auch ein Konzert zu Pfingsten 1987 auf dem Hohenstein wurde durch die örtliche Presse beworben. In den Ruhr-Nachrichten (Ausgabe 2.6.1987) konnte man lesen: „Der Name Rosendahl ist schon über 100 Jahre mit Musik verbunden. Das Orchester hat für das Pfingstkonzert ein volkstümliches Programm ausgewählt. Bei schlechtem Wetter findet das Konzert in den Räumlichkeiten des Hohensteins statt. Pfingsten 1988 (am 22. Mai) folgte ein weiteres Konzert der damals 28 bis 30 Musiker auf dem Hohenstein, auch am 3. Juni 1990 und am 19. Mai 1991.“

Stadt förderte die Kapelle

Auch für diese genannten traditionellen Pfingstkonzerte erhielt das Orchester einen städtischen Zuschuss durch das damalige Kulturamt. Andere kulturschaffende Vereine bekamen diese Gelder ebenfalls, etwa der Bachchor, das Ruhr-Kammer-Orchester, die Musikgemeinde oder die Jugend-Volksbühne.

In den 1950er Jahren bis zu seinem Tod am 27.4.1970 war Gustav Rosendahl aus Annen Leiter des Orchesters. In der Hauptversammlung am 6.5.1970 wurde Hans Rosendahl aus Herbede zum neuen Leiter gewählt. Dieser Dirigent war auch auf dem Rätselbild zu sehen.

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