Armutsbericht

Armut trifft vor allem Alte und Kinder in Witten

Der letzte Lebensabschnitt führt viele in eine ungewisse Zukunft: Vor allem ältere Menschen über 65 sind von Armut betroffen – auch in Witten.

Der letzte Lebensabschnitt führt viele in eine ungewisse Zukunft: Vor allem ältere Menschen über 65 sind von Armut betroffen – auch in Witten.

Foto: Armin Weigel

Witten.   Zehn Prozent der Menschen im Ennepe-Ruhr-Kreis sind auf staatliche Unterstützung angewiesen. Knapp 12 000 Wittener waren es zuletzt.

Knapp 12 000 Menschen in Witten waren im Jahr 2014 arm. Im gesamten EN-Kreis waren es knapp 32 400, also etwa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Das geht aus dem dritten Armutsbericht hervor, den der EN-Kreis erstellt hat.

Wer sich jetzt wundert: Aktuellere Zahlen gibt es nicht. „Wir können bis jetzt immer nur zwei Jahre zurücklaufend auf Daten zugreifen“, sagt Katrin Johanna Kügler von der Kreisverwaltung.

Kein Leben am Rande des Existenzminimums

Doch wann ist ein Mensch eigentlich arm? Landrat Olaf Schade beantwortet die Frage in seinem Vorwort. Absolute Armut, unter der man ein Leben am Rande des Existenzminimums versteht, gebe es in einem reichen Industrieland wie Deutschland nicht. „Hier wird Armut im Verhältnis zum Wohlstand der Gesellschaft definiert und als relative Armut bezeichnet.“ Als arm gelte bei uns also, wer maximal 50 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat.

Die Armutsquote für den EN-Kreis zeigt einen kontinuierlichen Anstieg armer Menschen seit dem Jahr 2008 – wobei es in den Städten Unterschiede gibt. Genau 11 967 Wittener lebten im Jahr 2014 von Arbeitslosengeld II und Sozialhilfe oder bezogen Asylbewerberleistungen, 2008 waren es 11 136. In Wetter dagegen nimmt die Zahl relativ armer Menschen kontinuierlich ab. Sie sank im selben Zeitraum von 2050 auf 1836. In Hattingen wiederum stieg die Zahl der Menschen in Mindestsicherung eher leicht von 5350 auf 5654.

2014 waren etwas mehr Männer als Frauen arm

Tendenziell sind laut Armutsbericht im EN-Kreis mehr Frauen als Männer auf staatliche Hilfe angewiesen. Allerdings waren Männer im Jahr 2014 leicht stärker vom Leistungsbezug betroffen als Frauen: 16 488 armen Männern stehen 15 904 arme Frauen gegenüber. Das gilt auch für Witten, jedoch liefert der Bericht dazu keine konkreten Zahlen.

Tendenziell steigt zudem die Zahl der relativ armen Kindern unter 15 Jahren. Das sind Kinder, die in Familien leben, die etwa Hartz IV beziehen. Die Quote liegt im letzten untersuchten Jahr kreisweit bei 17,3 Prozent, das sind 6753 Kinder. In Witten blieben die Zahlen zwischen den Jahren 2007 (2553) und 2010 (2518) auf relativ gleichem Niveau und erreichten im Jahr 2012 mit 2352 den niedrigsten Stand. 2014 waren dann wieder 2540 Kinder von Armut betroffen. „Diese Zahlen“, so Kügler, „sind natürlich auch abhängig von der jeweiligen Einwohnerzahl“.

Der Bericht signalisiert eine wachsende Altersarmut in nahezu allen kreisangehörigen Städten. Dabei geht es um Menschen, die 65 und älter sind. Lediglich in Ennepetal und Schwelm ist die Quote im letzten Berichtsjahr gesunken. 2014 konnten im EN-Kreis 2320 Senioren (3,1 Prozent) als arm eingestuft werden.

Armutsbericht soll Situation verbessern

Die Frage nach dem Sinn all der Zahlen beantwortet Margarethe Kubitza von der Kreisverwaltung, die maßgeblich an dem Bericht beteiligt war. Es sei wichtig, über Armut in der Bevölkerung zu berichten, um sie wirksam bekämpfen zu können. Der Bericht liefere Grundlagen für Diskussionen. Ziel sei es, auf kommunaler Ebene ein lebbares Umfeld für Menschen zu schaffen. „Menschen, die in schwierige Lebenssituationen geraten und damit zu Aktenfällen im Sozialsystem geworden sind, sollen nicht in eine dauerhafte Lebensfalle geraten, aus der es keinen Ausweg gibt.“

>> DER ARMUTSBERICHT

  • Der EN-Kreis berichtet seit 2010 über Menschen, die von relativer Armut betroffen sind. Bisher zeigt dieser Bericht nur eine Tendenz auf. Man kann lediglich darstellen, wie es ist, und nicht, warum es so ist.
  • Man arbeite daran, in Zukunft einen aussagekräftigeren Bericht vorlegen zu können, so Katrin Johanna Kügler.
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