Hochwasser

Anwohner fordern besseren Schutz vor Wannenbach in Witten

Der Wittener Wannenbach sieht harmlos aus, kann aber zu einem reißenden Wasser anschwellen. Frank Riederer (re.) und sein Nachbar Hüseyin Agcaer haben an der Herbeder Straße durch den Bach schon große Schäden erlitten.

Der Wittener Wannenbach sieht harmlos aus, kann aber zu einem reißenden Wasser anschwellen. Frank Riederer (re.) und sein Nachbar Hüseyin Agcaer haben an der Herbeder Straße durch den Bach schon große Schäden erlitten.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Sie haben sich Jahre dafür eingesetzt, jetzt tut sich was. Anwohner der Herbeder Straße in Witten sollen besser vorm Wannenbach geschützt werden.

Bei ruhiger Wetterlage ist der Wannenbach in Witten-Heven ein Bächlein. Wenn es stark regnet, kann er zum reißenden Gewässer anschwellen. Eine bittere Erfahrung, die Anwohner der Herbeder Straße in den vergangenen Jahren immer wieder machen mussten – zuletzt am 27. Juli, einem Samstag, als das Wasser in ihren Gärten, bei manchem auch im Haus stand.

Obwohl ihre Häuser auf dem Stück zwischen Ruhrdeich und Sprockhöveler Straße durch eine Spundwand geschützt werden, ist der Wannenbach nicht zu stoppen. Denn die Wand ist zu niedrig, beklagen betroffene Anwohner – wie die Riederers.

Vor rund zwei Wochen, am 27. Juli, mussten Hartmut Riederer und seine Familie ihre Oldtimer-Motorräder vor dem Wasser in Sicherheit bringen, die sie in einer Garage im Garten parken. Das Wasser stand rund 40 Zentimeter hoch. Es war über die 1,35 Meter hohe Spundwand geflossen. Sohn Frank Riederer betont, dass auch Damenbinden und Tampons im Garten landeten. Denn der Wannenbach wird nicht nur durch Regen, sondern auch durch Schmutzwasser aus Haushalten gespeist.

Am 19. Juni 2013 versanken ein Auto und 13 Motorräder in den Wittener Fluten

Der Bach, der in der Nähe der Wittener Uni entspringt, ist rund 6,6 Kilometer lang. In Witten wird er auf weiten Strecken durch Rohre geleitet. Er verläuft parallel zur Herbeder Straße, bis er dort unterhalb des alten Wasserwerks in die Ruhr mündet.

Die schlimmsten Schäden hat der Wannenbach an der Herbeder Straße am 19. Juni 2013 angerichtet. Ein Tag, an dem schwere Unwetter über ganz NRW tobten. Ein Tag, den nicht nur Familie Riederer, sondern auch deren Nachbarn nicht vergessen werden. Das in einem Carport im Garten geparkte Auto der Familie versank im Wasser – wie auch 13 Motorräder.

Die Wasserfluten drückten beim Nachbarn die Kellertür auf

Die Feuerwehr kam und pumpte das Wasser ab. Es wurden Löcher in die Spundwand gebrannt und mit Gummilippen versehen, damit der Wannenbach – auch künftig – wieder abfließen kann. Hausbesitzer Hartmut Riederer erinnert sich, dass sich der Gesamtschaden allein an seinem Haus damals auf 50.000 bis 60.000 Euro belief. „Und in der gesamten Straße waren die Gärten und Keller vollgelaufen.“

Bei Nachbar Hüseyin Agcaer hatten die Wasserfluten 2013 die Kellertür aufgedrückt, das Wasser floss in den Heizungskeller. Vor 14 Tagen kam es dorthin zurück, wo es rund zehn Zentimeter hoch stand.

Hülja Yasaler, der auch an der Herbeder Straße wohnt, berichtet, sein Haus habe keinen Keller. „Da läuft das Wasser, wenn es kommt, direkt ins Haus.“ Im Juni 2013 stand es dort 1,40 Meter hoch. Der Schaden allein an Yasalers Hausrat hat sich auf über 30.000 Euro belaufen.

Pumpwerk am Ruhrdeich ist nicht für Starkregen ausgelegt

Was Hülja Yasaler und anderen Nachbarn aufgefallen ist: Nicht nur die Spundwand vor ihren Gärten hinter den Häusern ist zu niedrig. Auch das Pumpwerk des Ruhrverbandes am Ruhrdeich sei nicht für Starkregen ausgelegt, sagen die Anwohner. Was man daran sehe, dass das Wasser an solchen Tagen mit schneller Fließgeschwindigkeit zurück in den Wannenbach gedrückt werde.

Zwei-, dreimal im Jahr, wenn das Wasser wieder drohte, in den Garten der Riederers zu fließen, nahm die Familie Kontakt zur Stadt und zum Ruhrverband auf. Sie bat dann um eine Erhöhung der Spundwand in ihrem Garten. Passiert sei aber nichts. Unter anderem habe man die Antwort erhalten, es hätten noch nicht alle Anwohner ihr Einverständnis zur Erhöhung der Wand gegeben, sagt Hartmut Riederer.

ESW-Chefin: „Wir warten jetzt auf den Bewilligungsbescheid“

Nach Angaben der Entwässerung Stadt Witten (ESW) wurde die Bohlenspundwand vor etwa zehn bis zwölf Jahren gebaut und von der ESW in Zusammenarbeit mit dem Essener Ruhrverband geplant. Auftraggeber für den Bau war der Ruhrverband. Die ESW verweist auf den Planungsprozess, in den auch die untere Wasserbehörde, angesiedelt beim EN-Kreis, eingebunden sei. Anfang März 2019 sei jetzt ein Förderantrag bei der Bezirksregierung Arnsberg gestellt worden, so Bianca Diburg, technische Leiterin der ESW. „Wir warten auf den Bewilligungsbescheid.“

Geplant seien jetzt drei Maßnahmen, erklärte Driburg bei einem Ortstermin im Garten von Familie Riederer. Zum einen solle die Spundwand hinter den betroffenen Häusern an der Herbeder Straße um 60 bis 80 Zentimeter erhöht werden – „je nach Geländehöhe“. Außerdem soll der Bach aus der bisherigen Betonrinne geholt werden und ein neues, „naturnahes Bachbett“ erhalten. Zusätzlich soll das alte Wasserwerk an der Herbeder Straße durch eine Hochwasserschutztür gesichert werden.

Alles in allem ein rund 600.000-Euro-Projekt, schätzt Bianca Driburg, die sich freuen würde, wenn man die Dinge im kommenden Jahr in Angriff nehmen könnte. Dass man Witten in Zeiten des Klimawandels nicht komplett hochwasserfrei halten könne, sei leider aber auch klar. Die betroffenen Anwohner sind jedenfalls froh, dass sich überhaupt endlich etwas tut.

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