Politische Demonstrationen

Antifa-Demonstranten stören Mai-Kundgebung

Die Antifa-Demonstranten bei der Maikundgebung auf dem Rathausplatz

Die Antifa-Demonstranten bei der Maikundgebung auf dem Rathausplatz

Foto: Barbara Zabka

  Bei der eigentlichen Mai-Kundgebung auf dem Rathausplatz sah man mehr bunte Regenschirme als Plakate. Dann rückten 50 Autonome an.

Unterschiedlich bewertet wird ein Vorfall auf der Maikundgebung auf dem Rathausplatz am Montag. Die Rede von Jürgen Dzudzek (IG Metall) wurde „durch den angetrunkenen Schwarzen Block der Antifa massiv gestört“, so der CDU-Landtagskandidat Simon Nowack. Pirat Stefan Borggraefe spricht von einer „friedlichen Meinungsäußerung“.

50 dunkel gekleidete Personen

Laut Polizei seien 50 dunkel gekleidete Personen mit roten Transparenten über die Johannisstraße zum Rathausplatz gekommen. Sie legten auf der Hauptstraße den Verkehr lahm, hatten eine mobile Lautsprecheranlage dabei, hörten laut Musik und riefen Worte, „nach denen man die Demonstranten dem linken Spektrum zuordnen kann“, so Polizeisprecher Schütte. Nach einigen Minuten rollten die Teilnehmer ihre Transparente zusammen und zogen teils wieder ab.

Zum Tumult kam es, als zwei Polizisten zwei der Demonstranten um ihre Personalien baten. Sowohl ein Polizist als auch eine Polizistin wurden geschubst, beide aber nicht verletzt. Nowack, vor dessen Stand sich die Szene ereignete, spricht von „recht massiven Handgreiflichkeiten“. Die beiden Demonstranten konnten weglaufen, von anderen wurden Namen aufgenommen. „Wir ermitteln jetzt wegen Verstoß gegen das Versammlungsrecht und wegen Widerstand gegen Polizeibeamte“, so Schütte.

„Erst das unnötige Eingreifen der Polizei sorgte für kurze Irritationen-- und das zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die Demonstration bereits wieder auflöste“, schreibt der ebenfalls anwesende Pirat Borggraefe auf Facebook und wirft Nowack die Verbreitung von „Fake News“ vor. „Aus meiner Sicht ist das eine Verharmlosung von Gewalt gegen Polizeibeamte“, kontert Nowack. „Ich hätte nie gedacht, dass es solche Vorfälle in Witten gibt.“

Bunte Regenschirme statt politische Transparente

„Wir sind viele. Wir sind eins“ – unter diesem Motto stand die diesjährige Kundgebung zum 1. Mai auf dem Rathausplatz. Rund 350 Wittener waren gekommen, um trotz des Regens den Worten der Mai-Redner zu lauschen. Der Besucher blickte auf ein Meer bunter Regenschirme – statt auf Transparente mit politischen Forderungen.

Bürgermeisterin Sonja Leidemann begrüßte die Kundgebungsteilnehmer und betonte, dass Witten eine tolerante und weltoffene Stadt sei. Sichere und fair bezahlte Arbeit sei für sie ein besonderes Anliegen. Sie freue sich über jedes offene Bekenntnis der Unternehmen zum Standort Witten.

In ihrem Grußwort schloss sie sich auch der DGB-Forderung nach Chancengleichheit im Bildungssystem an. „Die Zukunft unserer Kinder darf nicht länger von ihrer Herkunft abhängig sein“, betonte sie. Außerdem dürften die Kommunen nicht mehr länger durch zusätzliche Aufgaben für Land und Bund belastet werden.

Kritik an sozialer Spaltung

Hauptredner war Jürgen Dzudzek, ehemaliger Bevollmächtigter der IG Metall Duisburg. Er machte sich stark für soziale Gerechtigkeit, für eine ausreichende Rente, für eine funktionierende Integration und soziale Sicherheit für Arbeitnehmer.

Die Gründe für die soziale Spaltung lägen seiner Meinung nach in Arbeitsformen wie Minijobs, Leiharbeit, Werkverträge und Teilzeitarbeit. „Wo bleibt bei dieser enormen sozialen Spaltung unserer Gesellschaft die Würde des einzelnen Menschen in der Arbeitswelt?“, rief er den Ruhrstädtern zu.

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