Prozess

Anlagebetrug: Wittener kommt mit blauem Auge davon

Zwei Anlagebetrüger sind vor dem Landgericht Bochum mit einem blauen Auge davon gekommen. Die Staatsanwaltschaft legte ihnen zur Last, gemeinsam mit einem weiteren Mittäter hohe Summen ergaunert zu haben.

Foto: David-Wolfgang Ebener

Zwei Anlagebetrüger sind vor dem Landgericht Bochum mit einem blauen Auge davon gekommen. Die Staatsanwaltschaft legte ihnen zur Last, gemeinsam mit einem weiteren Mittäter hohe Summen ergaunert zu haben. Foto: David-Wolfgang Ebener

Witten.   66-Jähriger soll gemeinsam mit anderen Mittätern hohe Summen ergaunert haben. Verfahren wurde gegen Auflagen eingestellt.

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Der Prozess gegen zwei als Anlagebetrüger angeklagte Männer vor einer Wirtschafts-Strafkammer des Landgerichts Bochum ist zu Ende. Der 66-jährige Wittener und ein 39 Jahre alter Mann aus Kaarst kamen mit einem blauen Auge davon.

Die Staatsanwaltschaft legte ihnen zur Last, gemeinsam mit einem weiteren Mittäter hohe Summen ergaunert zu haben. Sie sollen für Geldanlagen sichere Renditen von 18 Prozent versprochen haben, obwohl dies nicht realisierbar war. Insgesamt lagen der Anklage 17 Fälle mit einem Gesamtschaden von über 1,2 Millionen Euro zugrunde.

Bundesgerichtshof hatte erstes Urteil aufgehoben

Das Gericht stellte das Verfahren gegen Geldauflagen ein. Der Wittener Angeklagte muss 1500 Euro zahlen, der Mitangeklagte 15 000 Euro. Die Betrugstaten liegen mehr als zehn Jahre zurück und beide Männer sind geständig. Der Fall war bereits 2015 vor dem Landgericht Bochum verhandelt worden. Damals wurden die Männer zu eineinhalb bzw. zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Allerdings hatte der Bundesgerichtshof das Urteil später aufgehoben, so dass neu verhandelt werden musste.

„Die Beweislage ist heute schwierig, da viele Zeugen im Ausland leben“, betonte Vorsitzende Richterin Christine Katzer. Allerdings lägen Urkunden vor und vieles spreche dafür, dass die Angeklagten vorsätzlich gehandelt hätten und ein unseriöses Anlagemodell vorlag. Aber auch eine Verurteilung wegen Veruntreuung komme in Frage. „Sie beide sind als Anlageberater vom Fach und verfügten über das nötige Wissen, dass es sich um hochspekulative Hochrisikogeschäfte handelte“, hob die Richterin hervor. Angeblich sollten 72 Prozent Rendite winken – je 18 Prozent für die ursprünglich drei Anlageberater und den Anleger.

1,2 Millionen Euro sind weg

Die Gelder in Höhe von 1,2 Millionen Euro sind weg. Sie wurden von den beiden ehemaligen selbstständigen Finanzberater der Deutschen Bank in windige Geschäftsmodelle gesteckt: Öl- oder Immobiliendeals, hinter denen wiederum Investoren standen, über die sich die Angeklagten nicht informierten.

Diese Investoren sollen das Geld verzockt haben. Über Risiken ließen die Angeklagten ihre Kunden im Unklaren. Es ging unter anderem um Immobilien in der Türkei, Ölgeschäfte, Investmentfonds sowie Geldanlagen auf Zypern und in der Schweiz.

Sie bekamen nur ihre Rendite

Der Wittener hatte schon 2015 zugegeben, 2007 – nach seiner Zeit bei der Bank – die fraglichen Geschäfte gemacht zu haben. Dabei wurden Sparern Renditen von 18 Prozent pro Jahr in Aussicht gestellt. Der Finanzberater machte mit sechs gutgläubigen Anlegern Geschäfte – langjährige Kunden, die er aus seiner Zeit bei der Bank kannte. Sie legten rund 200 000 Euro an und vertrauten darauf, ein Jahr später etwa ein Fünftel Gewinn für sich verbuchen zu können. Letztlich bekamen sie nur ihre Rendite, verloren aber alles andere.

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