Tierseuche

Afrikanische Schweinepest: EN-Kreis probt den Ernstfall

Wenn ein Tier mit dem Schweinepest-Virus befallen ist, wird der ganze Bestand getötet. 

Wenn ein Tier mit dem Schweinepest-Virus befallen ist, wird der ganze Bestand getötet. 

Foto: Josef Schmidt, Archiv

EN-Kreis.   Noch ist die Afrikanische Schweinepest im EN-Kreis nicht ausgebrochen. Doch nach ersten Fällen auch in Belgien sind die Veterinärämter alarmiert.

Bei einer Übung zum Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest – die real noch nicht den EN-Kreis erreicht hat – hat ein Krisenstab in Schwelm eine fast 30 Quadratkilometer große „Kernzone“ gebildet. 50 Kilometer Zaun wären nötig, damit Wildschweine sie nicht verlassen.

Die Ausgangslage lautete: In Ennepetal wurde ein verendeter Frischlings-Keiler gefunden, der von dem nicht auf Menschen übertragbaren Virus befallen war. Straßen würden gesperrt, Bauern könnten nicht auf ihre Felder. 6300 Schweine werden im Kreis gehalten. Ein positiv getestetes Tier reicht, um den Markt für die heimischen Landwirte zusammenbrechen zu lassen. „Ferkel, Schlachttiere und Fleischprodukte wären quasi nicht mehr zu verkaufen“, so Kreisveterinär Dr. Peter Richter. Tritt das Virus in einem Stall auf, wird der Bestand getötet.

Aktuell liegen laut Kreisverwaltung zwischen bestätigten Fällen in Belgien und dem Ennepe-Ruhr-Kreis zwar noch rund 300 Kilometer. „In Lebensmitteln, die Schweinefleisch enthalten und an Bord von Fahrzeugen transportiert werden, könnte das Virus diese aber sehr schnell überwinden“, warnt Dr. Richter. Werde dann beispielsweise ein Brötchen mit infizierter Salami achtlos in die Landschaft geworfen und von einem Wildschwein gefressen, werde ein Schreckensszenario ganz schnell Realität.

Seuche brach zuerst in Osteuropa aus

Ausbrüche der Afrikanischen Schweinepest zunächst in Osteuropa und später eben auch in Belgien treiben Landwirten und Veterinärämtern seit Monaten die Sorgenfalten ins Gesicht. Um auf den Fall der Fälle vorbereitet zu sein, übten jetzt die Veterinärämter im gesamten Regierungsbezirk Arnsberg.

„Wie im Ernstfall haben wir einen Krisenstab eingerichtet“, berichtet Dr. Richter. Dazu zählten in der Übung rund 40 Beteiligte. Neben Mitarbeitern des Veterinäramtes und anderer Sachgebiete der Kreisverwaltung waren es Vertreter der Städte Breckerfeld, Ennepetal und Schwelm, der Polizei, der Kreisjägerschaft, des Landesbetriebes Wald und Holz NRW und des Landesbetriebes Straßen NRW.

Bei der Bildung einer Kernzone nahm man sich Tschechien zum Vorbild. Dort waren nach Ausbrüchen im Jahr 2017 seit Mitte April 2018 keine neuen Fälle aufgetreten. Bei dem enormen Aufwand für die Bildung einer Kernzone mit entsprechenden Zäunen könnte der Krisenstab auf die Dienste der für Nordrhein-Westfalen gegründeten Wildtierseuchen-Vorsorgegesellschaft zurückgreifen. Zu zahlen wäre all dies Stand heute allerdings durch den Ennepe-Ruhr-Kreis.

Finanziell ebenfalls dramatisch wäre der Ausbruch für die landwirtschaftlichen Betriebe im Ennepe-Ruhr-Kreis, die 6.300 Schweine halten. Ein positiv getestetes Tier - egal ob wild oder Stall - wäre ausreichend, um den Markt für die heimischen Landwirte zusammenbrechen zu lassen. „Ferkel, Schlachttiere und Fleischprodukte wären quasi nicht mehr zu verkaufen“, ist sich Dr. Richter sicher. Zusätzliches Risiko: Tritt das Virus in einem Stall auf, muss der ganze Bestand getötet werden.

Als einen Beitrag, dies zu verhindern oder zumindest besser auf den Ernstfall vorbereitet zu sein, werteten alle Teilnehmer die gelungene Übung im Kreishaus.

>>> Stichwort Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist laut Kreis eine hochansteckende Viruserkrankung, die Haus- und Wildschweine befällt. Sie ist nicht auf andere Tierarten oder Menschen übertragbar. Der Erreger kam über Speisereste vermutlich 2007 aus Afrika nach Georgien und hat sich seitdem in Europa ausgebreitet. Die direkte Übertragung erfolgt durch Kontakt zwischen lebenden Schweinen. Indirekt verbreitet sich der Virus unter anderem über Speisereste.

Die Inkubationszeit beträgt drei bis fünf Tage, nach vier bis neun Tagen tritt der Tod ein. Da die Symptome nicht eindeutig sind, kann eine Diagnose nur im Labor gestellt werden. Einen Impfschutz gibt es nicht.

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