Johanniskirche

Müll und Randale: Wittener Gemeinde startet neuen Hilferuf

Am Gemeindezentrum der Wittener Johanniskirchengemeinde toben sich Sprayer aus. Küsterin Blazenka Weber-Lorenz und Presbyter Sigurd Hebenstreit haben Schmierereien aber auch schon an der Kirche entdeckt.

Am Gemeindezentrum der Wittener Johanniskirchengemeinde toben sich Sprayer aus. Küsterin Blazenka Weber-Lorenz und Presbyter Sigurd Hebenstreit haben Schmierereien aber auch schon an der Kirche entdeckt.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Lärm, Dreck, Gewalt: Jugendliche sorgen für Ärger an der Wittener Johanniskirche. Nicht zum ersten Mal sucht die Gemeinde Hilfe bei der Stadt.

Schon vor drei Jahren hat die Johanniskirchengemeinde die Stadt um Hilfe gebeten. Gewaltbereite Jugendliche, die sich an der Kirche trafen, nächtlicher Lärm und ein täglich verdreckter Kirchplatz zwangen Pfarrerin Julia Holtz, heute Superintendentin, zu handeln. Jetzt hat der Vorsitzende des Presbyteriums der Gemeinde, Sigurd Hebenstreit, einen Brief an Bürgermeisterin Sonja Leidemann geschrieben und erneut um ein Gespräch gebeten. Dieses soll Mitte Oktober stattfinden.

Hebenstreit betont auch im jüngsten Gemeindebrief, dass der Kirchplatz in der Innenstadt einer der schönsten Plätze Wittens sein könnte. Doch aufgrund von Verschmutzungen, Alkoholgelagen, Ruhestörungen, Gewalttätigkeiten und Müll „ist er das nicht“. Maßnahmen, die nach einem Gespräch im Oktober 2016 mit der Stadt und der Polizei getroffen worden seien, hätten leider nicht zum erhofften Erfolg geführt, so Hebenstreit.

Presbyterium denkt über eine Videoüberwachung nach

Auf dem rückwärtigen Kirchplatz wurde zum Beispiel ein Mast mit vier Strahlern installiert. Zwei Leuchten lassen Wittens älteste Kirche nachts erstrahlen, die anderen beiden erleuchten den Kirchplatz zum Kornmarkt hin. Abschreckend wirke dies jedoch nicht auf die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich regelmäßig an der Kirche treffen, „um dort Party zu machen und auch schon mal an die Kirche urinieren“, sagt die direkt neben dem Gotteshaus wohnende Küsterin Blazenka Weber-Lorenz. Auch das Schild, das daraufhin weist, dass der Konsum von Alkohol untersagt ist, zeige keine Wirkung.

Die Küsterin ruft bei massiver Ruhestörung und handgreiflichen Auseinandersetzungen regelmäßig die Polizei. „Die kommt immer, schaut hier auch unaufgefordert vorbei, kann bei uns aber natürlich nicht dauernd vor Ort sein.“

Sigurd Hebenstreit möchte beim Treffen mit Bürgermeisterin Leidemann im Oktober über drei Vorschläge des 14-köpfigen Presbyteriums sprechen. „Zum einen über eine Videoüberwachung des Kirchplatzes. Da muss geklärt werden, ob so etwas rechtlich möglich ist.“

Außerdem müsse überlegt werden, ob ein privater Sicherheitsdienst sinnvoll sei. Hebenstreit: „Da stellt sich die Frage: Wer soll das bezahlen?“ Auch über einen Streetworker müsse man nachdenken. Denn eine solche Arbeit mit Jugendlichen könne von der Gemeinde selbst nicht geleistet werden.

Nahe Kioske dürfen bis in die frühen Morgenstunden Alkohol verkaufen

Wolfram Linnemann, Pfarrer der Johannisgemeinde, beklagt, dass „Respektlosigkeit und Dreistigkeit“ rund um seine Kirche in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Die dortigen Treffen von jungen Leuten an der Kirche dauerten, „gerade am Wochenende“, bis in den frühen Morgen. Es gehe dabei lautstark zu und es komme auch oft zu Gewalt. Natürlich, so Linnemann, spiele da Alkohol eine große Rolle. „Hier würde es sicher helfen, wenn die Ladenschlusszeiten für die umliegenden Kioske eingeschränkt würden“, meint der Pfarrer.

Dass nahe Kioske bis in die frühen Morgenstunden hinein Alkohol verkaufen dürfen, hält auch Küsterin Blazenka Weber-Lorenz für keine gute Idee. Hier sieht sie – wie Pfarrer Linnemann – die Stadt in der Verantwortung. Was auch für die Öffnungszeiten der Kneipe Old House gelte, wie die 59-Jährige meint. „Denn dort stehen die Gäste am Wochenende ja auch oft bis vier oder fünf Uhr morgens vor der Tür.“

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