Mitsing-Konzert

Acki bringt Mädels in Witten zum Schunkeln

Und jetzt alle zusammen: Jutta Weger, Mama Elke Brodersen und die Schwestern Daniela und Kerstin Brodersen singen kräftig mit.

Foto: Svenja Hanusch

Und jetzt alle zusammen: Jutta Weger, Mama Elke Brodersen und die Schwestern Daniela und Kerstin Brodersen singen kräftig mit. Foto: Svenja Hanusch

Witten.   „Singt mit“ hieß es am Mittwoch in der Werkstadt. Etwa 80 Besucher kamen. Das Konzert mit Andreas Löbbecke lockte auch erstaunlich viele Männer.

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Irgendwie einsam wirkt Stefan Deilmann, wie er so im hinteren Teil der Werkstadt auf einem der Klappstühle sitzt. Doch er singt mit. „99 Luftballons“, „Am Tag, als Conny Kramer starb“, „Country Roads“. Später wird er sich seiner Gruppe anschließen, die weiter vorn am Bühnenrand steht. „Ich wollte erstmal sehen, was der Acki Löbbecke so bringt.“

Andreas „Acki“ Löbbecke lag tatsächlich ein wenig daneben, als er im Vorfeld seines Mitsing-Konzerts am Mittwoch in der Werk-stadt gegenüber der WAZ gesagt hatte, 90 Prozent der Besucher seien weiblich. Denn Stefan Deilmann ist heute wahrlich keine Ausnahme, er ist einer von rund 25 unter den 80 Mitsingenden. „Das macht mir einfach Spaß“, sagt der 52-Jährige. „Das erinnert mich an meine Sturm- und Drangzeit. Ich habe schon früher in der katholischen Jugend gern gesungen. Und auch bei den Handballern.“

Mitsing-Konzert, Rudelsingen – wo ist da der Unterschied? „Ich mache das Gleiche, nur ganz anders“, sagt Andreas Löbbecke vor seinem Auftritt. „Wir bringen andere Songs.“ Was beiden Formaten aber tatsächlich gemeinsam ist: Die Texte werden auf eine Leinwand projiziert.

Mit „Wir“ meint der 56-Jährige sich und seinen Mitstreiter, den Keyboarder Andreas Recktenwald. Im Verlauf der nächsten zwei Stunden stehen tatsächlich weitgehend deutsche Songs auf dem Programm, aktuelle Hits aus dem Radio wie Max Giesingers „80 Millionen“ oder Klaus Lages unkaputtbaren Hit „1000mal berührt“. Songs wie „Wonderwall“ von Oasis oder „Hey Jude“ von den Beatles sind eher die Ausnahme, ergänzen das Set aber prächtig.

Ein bisschen verloren wirken die 80 Mitsänger schon in einer Halle, die sonst rund 300 Leute fasst. Doch das scheint nur Außenstehenden aufzufallen, denn Spaß ist Trumpf. Nach dem Wolkenbruch am frühen Abend sind noch ein paar Gäste hinzugekommen, es dürften jetzt um die 90 sein.

Von Jürgen Drews bis Udo Jürgens

Sie stehen an hohen Bistrotischen, vor sich ein Glas Sekt, Bier oder Weißwein, sie schunkeln und singen, manche tanzen. Corinna und Sharon aus Bochum haben sich untergehakt und wiegen sich jetzt im Rhythmus zu Jürgen Drews‘ „Bett im Kornfeld“. Übung haben die beiden, das sieht man ihnen an. Und Spaß inne Backen. „Rudelsingen oder Mitsingen – ist uns doch egal, wie das heißt, wir sind immer dabei“, sagen die beiden unisono.

Zuletzt wurden sie beim „echten“ Rudelsingen vor wenigen Wochen im Bahnhof Langendreer gesichtet. Da röhrten sie zu „Born to be wild“ von Steppenwolf. Den Hit aus dem Kultfilm „Easy Rider“ gibt’s heute nicht, dafür aber noch andere Songs. „Willenlos“ von Westernhagen, „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ vom unvergesslichen Rudi Carrell, „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens, hab auch ihn selig.

Als Löbbecke anfangs die Bühne betrat, hatte er gefragt, wie viele Leute schon mal bei so einer Veranstaltung mitgemacht hätten. Nur wenige Arme gingen in die Luft, rund 75 Prozent sind Neulinge, darunter erstaunlich viele Männer. Nur wenig später wurden sie schon warm, holten die Smartphones heraus, machten Erinnerungsfotos, sangen den Refrain zu „80 Millionen“ mit. „Wir sind heute hier, um alles zu vergessen“, forderte Löbbecke seine Gäste zum Loslassen auf. Den Abend werden sie sicher in guter Erinnerung behalten.

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