Verbraucherschutz

Abzocke: Wittener Rentner unterschreibt acht Handy-Verträge

Knapp 2400 Mal wendeten sich Kunden im vergangenen Jahr an die Verbraucherzentrale in Witten. Oft ging es um Probleme mit Mobilfunkverträgen oder Datenklau im Netz.

Knapp 2400 Mal wendeten sich Kunden im vergangenen Jahr an die Verbraucherzentrale in Witten. Oft ging es um Probleme mit Mobilfunkverträgen oder Datenklau im Netz.

Foto: Klaus Micke / FUNKE Foto Services

Witten.  Die schlechte Beratung in Handy-Shops ist Dauerthema in der Wittener Verbraucherzentrale. Doch auch Datenklau nimmt zu. Opfer sind meist Rentner.

Noch immer wird in Handy-Shops in Witten schlecht beraten oder das Vertrauen von Kunden sogar schamlos ausgenutzt. „Das Thema reißt einfach nicht ab“, sagt Alexandra Kopetzki, Leiterin der Wittener Verbraucherzentrale. Insgesamt 2393 Mal kontaktierten verunsicherte Bürger im vergangenen Jahr die Verbraucherschützer, 1980 Rechtsberatungen führte die Beratungsstelle durch - oft zum Thema Telekommunikation.

Im Mittelpunkt hierbei steht oft die fehlende oder intransparente Information beim Abschluss eines Mobilfunkvertrages. „Wir stellen fest, dass es in diesem Bereich dubiose Praktiken gibt“, sagt Kopetzki. Eigentlich sind die Shops vom Gesetzgeber verpflichtet, den Kunden ein Produktinformationsblatt aushändigen. Darauf müssen die wesentlichen Eckpunkte des Vertrages - etwa Laufzeit, monatliche Kosten und Datenvolumen - festgehalten sein. „Bei einer Stichprobe haben aber neun von zehn Geschäften das Blatt nicht herausgegeben“, so die Beratungsstellenleiterin.

Wittener Rentner unterschreibt acht Mobilfunkverträge

Welche Ausmaße die Abzocke annehmen kann, zeigt ein aktueller Fall aus Witten. Ein Rentner hatte in einem Shop nach Angeboten für einen Mobilfunkvertrag ohne Handykauf gefragt. „Nach Hause gegangen ist er dann mit insgesamt 14 Sim-Karten“, erzählt Kopetzki. Diese kamen einige Tage später mit der Post.

„Der Berater hat ihn mehrmals auf einem Touchpad unterschreiben lassen“, so die 39-Jährige - und den Kunden glauben lassen, er unterschreibe mehrmals für ein und dasselbe Angebot. Am Ende waren es aber acht Verträge. Nun sehe sich der Wittener mit Forderungen von insgesamt 10.000 Euro konfrontiert. Der Mann sei Frührentner und habe eine Leseschwäche. „Diese Situation wurde ausgenutzt“, sagt Kopetzki.

Datenklau beschäftigt die Verbraucherschützer immer mehr

Auch das Thema Datenklau hat die Verbraucherschützer im letzten Jahr vermehrt beschäftigt. Auch hier seien häufig Senioren betroffen. Der Identitätsklau laufe oft über Pishing-Mails, also über gefälschte Mails, über die Daten“abgefischt“ werden. „Sie erwecken den Anschein, als kämen sie von gängigen Firmen, etwa der Telekom oder Otto“, erklärt Andrea Kopetzki. Das ändere sich aber nahezu täglich.

Meist werde man in diesen Mails dazu aufgefordert, seine Daten zu aktualisieren und dabei auch sensible Daten wie Passwörter preiszugeben. So könnten die Kriminellen dann mit den Namen ihrer Opfer zum Beispiel größere Bestellungen im Internet vornehmen. Die Waren werden dann an eine andere Lieferadresse gesendet.

Anfragen an Verbraucherzentrale haben sich durch Corona geändert

So geschehen bei einer Wittenerin, der auf einmal 2700 Euro auf dem Konto fehlten. Bezahlt wurde damit etwa ein kostspieliger Staubsauger. „Hier ist es wichtig, schnell zu reagieren und Anzeige zu erstatten“, rät Kopetzki. „Sonst kann es immer mehr werden.“ Generell rät die 39-Jährige, stets auf den Absender der Mail zu achten. Das seien oft „komische, kryptische Adressen“. Die Datenlisten bei Restaurants und anderen Dienstleistern sieht die Verbraucherschützerin aber unkritisch: Denn hier gebe man ja keine Passwörter preis.

Die letzten Wochen dominierte in der Beratungsstelle aber corona-bedingt das Thema Reisen. „Fragen zum Reiserecht gab es schon immer, aber die Nachfrage war nie so groß“, so Kopetzki. Doch auch die Zahl der Menschen mit existenziellen Sorgen sei größer geworden. So gehen vermehrt Nachfragen etwa zur Einrichtung eines Pfändungsschutzkontos oder zur Aussetzung von anstehenden Stromzahlungen in der Beratungsstelle ein.

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