Kirchenkreis Hattingen-Witten

Abschied: Kantor des Wittener Kirchenkreises blickt zurück

Kantor Hans Wilfrid Richter wurde jetzt offiziell in den Ruhestand verabschiedet.

Kantor Hans Wilfrid Richter wurde jetzt offiziell in den Ruhestand verabschiedet.

Foto: Manfred Sander

Witten.  Nach 32 Jahren als Kreiskantor verabschiedet sich Hans Wilfrid Richter jetzt nicht nur in den Ruhestand. Er verlässt auch Witten.

Rund 1800 Gottesdienste hat er begleitet, rund 300 Mal im Altenheim gespielt, unzählige Stücke dirigiert: Nach 32 Jahren geht Hans Wilfrid Richter, der Kantor für den Kirchenkreis Hattingen-Witten, jetzt in den Ruhestand. Im Gespräch blickt der 64-Jährige noch einmal zurück auf ein Leben voller Musik und erzählt, warum er Witten jetzt verlassen wird.

Seit 1987 sind Sie in Annen als Kirchenmusiker tätig. Kommen Sie eigentlich aus der Region?

Hans Wilfrid Richter: Nein, ich bin gebürtiger Darmstädter, habe in Esslingen studiert. Meine erste Stelle hatte ich dann in Ahrensburg bei Hamburg. Aber als meine Frau dann eine Stelle in Hagen bekommen hat, hab ich mich auch im Ruhrgebiet umgehört. Und ein Chorleiter, einer meiner Vorgänger dort, gab mir den Tipp, es hier zu versuchen. Seit dem 1. Januar 1987 bin ich da.

Sind Sie denn in Witten heimisch geworden?

In Annen ja, auf alle Fälle. Unser Haus steht hier 300 Meter von der Erlöserkirche entfernt, das war immer sehr praktisch. Aber in Witten sind wir nicht viel, hier in Annen gibt es ja alles.

Aber Sie sind als Kreiskantor ja nicht nur für Annen zuständig, oder?

Nein, etwa ein Viertel der Arbeit habe ich für den Kreis gemacht, oft waren es Fortbildungen oder Projekte. Aber die Grenzen waren da fließend. Oft sind dann ja auch meine Annener zu den Projektchören gekommen.

Wenn Sie auf die letzten drei Jahrzehnte zurückblicken, was hat sich geändert in Ihrer Kirche?

Eine ganze Menge. Früher gab es den regelmäßigen Kindergottesdienst und einen Jugendchor. Das ist vorbei. Ich habe den Eindruck, dass wir den Zugang zu den Kindern und Jugendlichen etwas verloren haben. Nicht nur in der Musik, auch in den anderen Jugendgruppen, den Jugendscharen etwa. Die Kinder sind bis nachmittags in der Schule, danach fehlt ihnen die Zeit und die Lust, noch etwas in der Kirche zu machen. Aber auch bei den Erwachsenen hat sich da was geändert. Eine Ehrennadel für 30 Jahre Chormitgliedschaft wird nur noch hin und wieder verliehen, diese Regelmäßigkeit auf lange Zeit können und wollen viele nicht mehr leisten. Dafür haben wir jetzt viel häufiger Projektchöre.

Bedauern Sie das?

So lange es noch beide Formen gibt, nicht. Da sind die Projektchöre ein schönes Zusatzangebot.

Und Sie haben ja noch drei reguläre Chöre...

Ja, den Singkreis und außerdem den Gospelchor und den Chor am Vormittag. Auch diese beiden sind schöne Entwicklungen der letzten Jahre. Da kommt was nach. Und ich finde schön, dass die Mitglieder nicht nur gesungen, sondern sich auch immer sehr für die Kirchenmusik eingesetzt haben. Die sind sehr rührig.

An welches Ereignis erinnern Sie sich denn besonders gern zurück?

Ach, das sind mehrere. Ein Höhepunkt waren sicherlich die Silvester-Konzerte. Die Idee, am Silvesterabend gegen 22 Uhr einzuladen, hatte ich aus Ahrensburg mitgebracht. „Ach, da kommt doch keiner“, hieß es – und dann war die Kirche fast voll. Das haben wir jetzt all die Jahre gemacht, das war immer schön. Und an die Wieder-Aufführung einer Kantate, die extra für den Annener Kirchenchor geschrieben worden war, zu unserem Chor-Jubiläum, denke ich auch gern zurück. Das war schon etwas Besonderes.

Wird Ihnen Ihre Verabschiedung auch in guter Erinnerung bleiben?

Ja, auf alle Fälle. Die war lang, aber schön – und es gab tolle Überraschungen. Die Chöre haben heimlich zusammen geprobt, auch der Kindergarten hatte etwas einstudiert.

Auch wenn Sie jetzt in den Ruhestand gehen: Werden Sie denn noch ab und zu einspringen?

Nein, wir gehen Mitte August aus Witten weg, wir ziehen nach Eckernförde an die Ostsee. Ich glaube, hier zu bleiben, wäre keine glückliche Lösung. Weder für mich – dann wird man doch immer wieder angerufen – noch für meinen Nachfolger, der dann immer verglichen wird.

Gibt es denn einen Nachfolger?

Es soll wohl einen geben, aber das dauert noch. Aber erst einmal gibt es eine Zwischenlösung für die Chöre, und ein Student von mir übernimmt die Orgelbegleitung. Ich habe ja drei Jahre lang die Orgelausbildung von drei Studenten der Pop-Akademie begleitet. Auch das ist ein Grund, zu diesem Zeitpunkt zu gehen: Denn die drei sind jetzt fertig, legen ihre Prüfung ab.

Was würden Sie Ihrem potenziellen Nachfolger denn mit auf den Weg geben?

Dass wir wieder mehr für die Kinder- und Jugendlichen anbieten sollten – auch aus sozialen Gründen.

Zum Abschluss: Wenn Sie noch mal neu anfangen könnten, würden Sie wieder Kantor werden?

Ich glaube, ja. Auch wenn ich mir manchmal Arbeitszeiten gewünscht hätte, die weniger zerrissen sind. Aber ich hatte ja viele Freiheiten, konnte selbst mitgestalten. Vielleicht werde ich in Eckernförde meine Dienste anbieten – aber es ist dann schön, wenn ich nicht jeden Sonntag an der Orgel sitzen muss.

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