Serie: Liebes-Leben

70 Jahre Ehe: Wittener Ehepaar feierte seine Gnadenhochzeit

Brigitte (93) und Erwin (94) Schultze feiern am 06.03.2018 Gnadenhochzeit. Vor 70 Jahren gab sich das Ehepaar in Berlin das Ja-Wort.

Brigitte (93) und Erwin (94) Schultze feiern am 06.03.2018 Gnadenhochzeit. Vor 70 Jahren gab sich das Ehepaar in Berlin das Ja-Wort.

Foto: Barbara Zabka

Witten.   Brigitte (93) und Erwin (94) Schultze feierten am Dienstag ihre Gnadenhochzeit. Ihr Tipp: Ehrlich sein. „Viele können das heute nicht mehr.“

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Siebzig Jahre sind Brigitte (93) und Erwin (94) Schultze gemeinsam durch das Leben gegangen. Sie können es selbst kaum glauben, dass sie im Kreis der Familie am Dienstag (6.3.) Gnadenhochzeit feierten. „Ich weiß nicht, wo all’ die Jahre geblieben sind“, sagt die Jubilarin. Ehemann Erwin drückt ihre Hand: „Wir hatten so harmonische Jahre.“

Kennengelernt hat sich das Paar bereits im Jahr 1942 – also vor 76 Jahren. Beide arbeiteten damals bei der Deutschen Reichsbahn in Berlin. Er als Maschinenschlosser und sie im Personalbüro. Sie waren sich auf Anhieb sympathisch, aber ihre Liebe zueinander entdeckten die Berliner erst später.

1944 verliebt, dann ging es an die Front

Trotz Arbeitsunfall musste Erwin in den Krieg ziehen. Als „Soldat auf Heimaturlaub“ meldete er sich bei der Reichsbahn. So ging er ins Personalbüro, traf dort „seine“ Brigitte. Sie verabredeten sich und gingen ins „Mokaefti“, ein beliebtes Berliner Tanzlokal. Es war im Dezember 1944, als für beide die Liebe fürs Leben begann.

Der junge Erwin musste zurück an die Front, wurde verletzt, geriet in Gefangenschaft und kehrte nach einer langen Odyssee erst 1947 nach Berlin zurück. Schon ein paar Monate später traten die Verliebten vor den Traualtar. Zwei Jahre später machte Tochter Karin aus dem Paar eine richtige Familie.

Aus West-Berlin nach Witten

Doch dann erhielt der Eisenbahner aus politischen Gründen die Kündigung bei der Reichsbahn. Erwin Schultze gehörte der „falschen“ Gewerkschaft an – der westlichen „Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands“ (GdED). Sein Arbeitsplatz lag im Osten, die Familie wohnte in West-Berlin.

„Das war damals ein harter Schlag für uns“, erinnern sich beide. Mithilfe der Gewerkschaft fand die Familie 1956 schließlich eine neue Heimat in Witten, eine neue Stelle im Ausbesserungswerk an der Kronenstraße. Der Abschied von der Berliner Heimat fiel ihnen damals sehr schwer.

Rückblickend empfinden die Eheleute ihre gemeinsamen Jahre als gute Zeit. „Eigentlich standen wir immer auf der Sonnenseite des Lebens“, betonen beide. „Und unsere Familie war uns immer wichtig.“ Ihr ganzer Stolz ist heute der kleine Urenkel Paul.

Ein Auto hat die Familie nie besessen

Im Hause Schultze wird oft und gern gelacht. „Bei uns war immer viel los“, schmunzelt Brigitte. „Nur das Alter ist nichts für schwache Nerven.“ In jungen Jahren ist das Jubelpaar viel gereist – mit dem Zug nach Berlin natürlich. Ein Auto hat die Familie nie besessen. Das Fahrrad wurde mittlerweile gegen den Rollator eingetauscht.

Ihr Rezept für lebenslange Treue: „Immer ehrlich sein und Vertrauen haben. Über alles sprechen und nichts unter den Teppich kehren. Viele Menschen können das heute leider nicht mehr.“ Die Jubilare sind felsenfest überzeugt: „Zu einer glücklichen Ehe gehören immer zwei.“ Brigitte und Erwin Schultze wissen, wovon sie sprechen.

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