Weltmarktführer aus EN

50 Millionen Schrauben pro Tag

Spax ist Weltmarktführer für Universalschrauben. Michael A.Thomas führt das Ennepetaler Unternehmen seit 15 Jahren. Foto: Volker Speckenwirth

Spax ist Weltmarktführer für Universalschrauben. Michael A.Thomas führt das Ennepetaler Unternehmen seit 15 Jahren. Foto: Volker Speckenwirth

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Ennepetal/Witten. Wenn einer eine Schraube locker hat, dann dürfte es keine Spax sein.

Bei der sollte es nicht vorkommen. Aus diesem Grunde ist ihr Ennepetaler Hersteller nämlich zum Weltmeister in der Sparte Universalschrauben geworden. „Der Name Spax“, sagt Geschäftsführer Michael A. Thomas nicht ohne Stolz in der Stimme, „ist unter Handwerkern bekannter als die Marke Coca Cola.“ Und diesen Fachleuten wird auch einleuchten, warum Spax nicht nur eine Schraube, sondern ein kleines technisches Wunderwerk ist. Thomas spricht von einem geometrisch schlanken Kern, einem vollen Gewinde bis zum Kopf, einer Spleißwirkung von gleich null.

Der Manager berichtet von gerollten Schrauben, deren Spitzen trotzdem eckig sind, und kommt zu dem Schluss: „Eigentlich interessieren diese Einzelheiten niemanden, der eine Schraube braucht. Wir stellen ein Markenprodukt her. Und wer es kauft, will sicher sein, dass er für sein Geld etwas bekommt, was besser als alles andere ist.“

Aber wie wurde aus dem Ennepetaler Schraubenhersteller ABC der Weltmarktführer Spax international? Nein, es gab keinen Daniel Düsentrieb in den Versuchslabors des Ennepetaler Unternehmens. Die Geschichte des Erfolgs ist eher unromantisch. Eigentlich sind die Franzosen daran schuld. Thomas: „Im Jahre 1967 hat uns ein französisches Unternehmen ein Patent für eine neue Schraube angeboten. Sie selbst wollten das Risiko nicht eingehen, mit ihrer Erfindung auch in die Produktion zu gehen.“

Robert Dicke, damals Geschäftsführer bei ABC, griff sofort zu. Er erkannte das Potenzial, weil die Möbelindustrie sich schlagartig veränderte. Thomas blickt in die Geschichte: „Es war die Zeit, als das massive Holz durch die Spanplatte abgelöst wurde. Das ist aber nichts anderes als gepresste Cornflakes.“ Man musste sich also etwas einfallen lassen, damit die Schrauben auch in dieser Masse hielten und Stabilität brachten. Die Franzosen hatten den Anfang gemacht, ABC nahm den Ball auf. Die erste Generation von Spax-Schrauben blieb 19 Jahre auf dem Markt, die zweite zwei Jahre weniger und die dritte „wird sicher nach zehn bis elf Jahren abgelöst“, so der Geschäftsführer.

Schraube ist eben nicht Schraube. Sie muss einem immer leichteren Material Stabilität geben. Sie muss immer kleiner sein und trotzdem halten, das erspart Zeit. Sie muss immer schneller zu verarbeiten sein. Heute setzt die Möbelindustrie verstärkt Platten als Basis ein, die innen eine Wabenkonstruktion haben. Für die Befestigungsindustrie eine neue Herausforderung.

Die Schrauben „made in Ennepetal“ sind nicht nur in Möbeln zu finden. Sie halten auch zum Beispiel Staubsauger und Waschmaschinen zusammen. Allerdings gehen lediglich 15 Prozent der rund 50 Millionen Schrauben, die Tag für Tag in den Fabrikhallen an der B 7 hergestellt werden, an Industrieunternehmen. 60 Prozent werden von Fachhändlern an Handwerker verkauft, ein Viertel landet in den Regalen der Baumärkte. Deshalb muss eine Spax auch für Frauen attraktiv sein.

„Zwei von drei Kaufentscheidungen im Baumarkt werden von Frauen getroffen“, weiß Thomas. Da sagt der Mann dann: „Schatz, bring’ mir mal ein paar Schrauben mit.“ Und deshalb sei es sehr wichtig, dass auch die Dame des Hauses weiß, was der Heimwerker an Spax hat.

Obwohl er aus dem Traditionsunternehmen ABC den Markenartikeler Spax international gemacht hat, fühlt sich Michael Thomas Ennepetal weiterhin verbunden. Er selbst wohnt zwar in Düsseldorf, bezeichnet seinen Führungsstil aber trotzdem als „konservativ südwestfälisch“. 60 Prozent der Mitarbeiter, die Schrauben aus einem Stück Draht fertigen, sind länger als 15 Jahre im Unternehmen.

Nicht nur von der Seite der Gesellschafter ist Spax ein Familienunternehmen. „Von einigen unserer Arbeitnehmer hat schon der Großvater bei ABC gearbeitet“, erzählt Thomas, der sich über das Zeichen des Vertrauens in den Arbeitgeber freut und dies als Verpflichtung ansieht.

Die Mitarbeit in Gremien der Stadt, die Mitgliedschaft zum Beispiel in Beiräten von Schulen oder auch die Ausrichtung des internationalen Pfingstturniers der Fußball-Jugend um den Spax-Cup, seien Beispiele für eine Philosophie des Hauses: „Wir sind der Überzeugung, dass ein Unternehmen verpflichtet ist, der Region mehr zu geben als Arbeitsplätze.“

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