gedenken

14 neue Stolpersteine wahren die Erinnerung

Samuel und Betty Leiser (3. u. 4. v. links) mit Tochter Hannelore (sitzend rechts) bei einer Familienfeier.

Foto: privat/Stadtarchiv Witten

Samuel und Betty Leiser (3. u. 4. v. links) mit Tochter Hannelore (sitzend rechts) bei einer Familienfeier. Foto: privat/Stadtarchiv Witten

Witten.   Am Samstag werden in Herbede und in der Wittener Innenstadt neue Stolpersteine verlegt. Die glänzenden Platten erinnern an jüdische Mitbürger.

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Zum mittlerweile fünften Mal werden in Witten am Samstag Stolpersteine verlegt. Die goldglänzende Platten, gestaltet von Künstler Gunter Demnig, erinnern an das Schicksal der hier einst lebenden Wittener Juden. Am Samstag wird an vier Orten fünf jüdischer Familien gedacht. Es sind die Adressen Meesmannstraße 35, Ruhrstraße 19 und 40 sowie Parkweg 1. Besonders interessant dürften die Schicksale von Max Mayer und Lotte Joseph sein.

Mayer wollte den Wittenern Gutes tun: Er war bis 1933 leitend in der Wittener Volkshochschulbewegung und gründete das Licht- und Luftbad auf dem Helenenberg. Die Sängerin Lotte Joseph überlebte vier Konzentrationslager. In den USA machte sie mit ihrem neuen Nachnamen Nivelli als Künstlerin am Broadway Karriere.

Aufgearbeitet wurden die Lebensläufe der jüdischen Mitbürger von Dr. Martina Kliner-Fruck, Leiterin des Stadtarchivs, Christoph Ebner vom „Arbeitskreis Stolpersteine in Witten“ und Schülern verschiedener Wittener Schulen. Die Verlegung in der Innenstadt organisiert und zahlt der Lions-Club Rebecca Hanf. In Herbede zeichnen der Heimatverein und der dortige Bürgerkreis verantwortlich.

Deren Mitglieder Heiner Knährich und Dieter Boele haben gleich eine Bitte an alle Herbeder: Ihnen fehlt noch Bildmaterial zur Familie Eichenwald, die bis 1943 in der Meesmannstraße 35 wohnte. Das Haus wurde in den 1950er Jahren abgerissen. Auch von der damaligen Herbeder Hauptstraße gibt es kaum Fotomaterial.

Die Namen von 1500 jüdischen Menschen, die einst in der Ruhrstadt lebten, sind dem Stadtarchiv mittlerweile bekannt. Zu ihnen gibt es teils gutes Archivmaterial, teils gar keines. Lotte Nivelli etwa besuchte ihre Heimatstadt 1991 noch einmal. Die Nachfahren von Max Mayer übergaben dem Stadtarchiv einen größeren Nachlass – so lassen sich die Lebenswege wieder rekonstruieren. Bereits am 23. Mai 2017 ist übrigens die Verlegung weiterer Steine in Annen und Rüdinghausen geplant.

Melodien aus „Schindlers Liste“

Beim Festakt an diesem Samstag spielt der Posaunenchor Herbede. Musikschulleiter Michael Eckelt wird außerdem mit seiner Klarinette die Titelmusik des Films „Schindlers Liste“ vortragen. Dazu halten mehrere Schüler kurze Vorträge. Die Jugendlichen haben sich für diese Archivarbeit freiwillig gemeldet. „Wenn die Schüler vor dem echten Haus einer jüdischen Familie stehen, dann ist das eine ganz andere Dimension des Geschichte-Erlebens“, sagt Niki Kontomichi-Joost, Geschichtslehrerin an der Holzkamp-Gesamtschule, deren Schüler sich häufig beteiligen.

Klemes Niewind arbeitet für das Albert-Martmöller-Gymnasium das Schicksal von Felix Joseph auf. Warum der Zehntklässler bei der Aktion mitmacht? „Meine Mutter hat das angeregt“, meint der 15-Jährige. „Das ist irgendwie schon berührend.“

Hier kann man spenden

Mittlerweile wurden 65 Stolpersteine in Witten verlegt – in der Innenstadt, Stockum, Herbede und Annen. Stets braucht es dafür auch Sponsoren – 120 Euro kostet ein Stein. Spenden kann man auf das Konto des Bürgerkreises Herbede, Stichwort „Stolpersteine Herbede“, Volksbank Sprockhövel,
IBAN DE 47 4526 1547 0322 322611,
und an den Lionsclub Rebecca Hanf, Sparkasse Witten,
IBAN DE 33 4525 0035 0000 675843.

Der Zeitplan

Jeder ist bei der Verlegung durch den Künstler Gunter Demnig und Mitarbeiter der Wabe willkommen. Es gibt Musikbeiträge und kurze Lesungen von Schülern. Der Zeitplan am 17. 12.:
9 Uhr, Meesmannstraße 35, 9.50 Uhr Parkweg 1, 10.20 Uhr Ruhrstraße 40, 10.45 Uhr Ruhrstraße 19.

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