Musik

Weseler Chor St. Antonius Obrighoven feiert mit Nachbarn

Der Jubiläumschor mit der Fahne der Heiligen Cäcilia. Ganz links: Chorleiterin Gabi Rademacher. 

Der Jubiläumschor mit der Fahne der Heiligen Cäcilia. Ganz links: Chorleiterin Gabi Rademacher. 

Foto: Rainer Döller

Wesel.  Zum 100-jährigen Bestehen des Kirchenchores Obrighoven hatte Leiterin Gabi Rademacher die Idee zu den Wohnzimmerkonzerten am 16. Juni.

„Als Männerschola hat unser Chor einmal begonnen. Aber schon bald haben sie sich gedacht: So ganz toll ist das ohne Frauen ja doch nicht“, berichtet Gabi Rademacher über die Anfänge des Kirchenchores St. Antonius Obrighoven, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert.

Die Leiterin weiß noch von weiteren kuriosen Dingen zu berichten: „Unser Chor ist sogar ein paar Jahre älter als unsere Kirche. In den ersten Jahren wurden die Gottesdienste im Saal Schepers gefeiert.“ Mittlerweile hat sich vieles geändert – gesungen wird in der St.-Antonius-Kirche, die zur katholischen Kirchengemeinde St. Nikolaus gehört. Und männliche Sänger sind mittlerweile „Mangelware“, die fast 50-köpfige Chorgemeinschaft im Alter von Mitte 20 bis 85 Jahren besteht größtenteils aus Frauen.

Vater und Tochter leiteten den Chor

Gabi Rademacher ist schon seit ihrem 14. Lebensjahr beim St.-Antonius-Chor dabei. „Wir waren damals zwölf junge Mädels – ein paar davon sind heute noch dabei“, sagt die 61-Jährige, die seit dem Jahr 2007 den Chor leitet.

Ihr Vater Herbert Reismann hatte ihr schon immer prophezeit: „Irgendwann übernimmst du mal den Chor.“

Er war eine der prägendsten Persönlichkeiten des Kirchenchores, den er selber fast vier Jahrzehnte – von 1966 bis 2004 – leitete.

Im aktuelle Jubiläumsjahr hat der Obrighovener Kirchenchor alle umliegenden Chöre eingeladen, um die Gottesdienste in der St.-Antonius-Kirche mitzugestalten.

„Unsere Aufgabe ist es, unsere Gottesdienste zu verschönen – wir sind kein Konzert-Chor“, schildert Rademacher das Selbstverständnis der Sänger und Sängerinnen.

Etwas größer als sonst wird in diesem Jahr das Cäcilienfest am Sonntag, 24. November, gefeiert: Nach dem Festhochamt gemeinsam mit dem befreundeten Kirchenchor Lauerhaas werden nochmal auf die 100 Jahre des Bestehens zurückgeblickt. Den Abschluss des Jubiläums bildet am Sonntag, 29. Dezember, das „Singen an der Krippe“, wie immer gemeinsam mit dem Kirchenchor Lauerhaas.

Wesels Wohnzimmer werden zu Konzertsälen

Zum runden Geburtstag hat sich der Chor an diesem Wochenende aber auch etwas ganz besonders geschenkt: „Musik bei den Nachbarn“ heißt des außergewöhnliche Musikereignis am morgigen Sonntag, 16. Juni: Neun 30-minütige Auftritte von unterschiedlichsten Musikern laufen dann in neun verschiedenen Wohnzimmern in Obrighoven – Beginn ist um 15, 16 sowie um 17 Uhr. Jeder Musikliebhaber hat also die Chance, drei der Mini-Konzerte zu besuchen.

Besteht denn nicht die Gefahr, dass ein Wohnzimmer zu voll wird? „Die Frage haben mir schon ganz viele gestellt - aber ich bin mir sicher, dass kein Wohnzimmer ganz leer und keines überfüllt sein wird“, antwortet Rademacher und lacht dabei. Sie hat solch ein Musikevent im niederländischen Doetinchem kennengelernt und sich gedacht: „Das wäre doch auch etwas für uns in Obrighoven.“

Hohe Auszeichnung durch Ministerin

Ein weiteres „Jubiläums-Geschenk“ überreichte Isabel Pfeiffer-Poensgen, die NRW-Ministerin für Kultur und Wissenschaft, kürzlich an die Chor-Vorsitzende Margret Hofacker – die Zelter-Plakette, die höchste deutsche Auszeichnung für Amateurchöre.

Der Bundespräsident verleiht sie alljährlich an Chöre, die seit mindestens 100 Jahren ununterbrochen musikalisch wirken und sich in langjährigem Wirken besondere Verdienste um die Pflege der Chormusik und des deutschen Volksliedes und damit um die Förderung des kulturellen Lebens erworben haben.

Die Zelter-Plakette zeigt auf der Vorderseite das Bildnis Carl Friedrich Zelters und auf der Rückseite den Bundesadler mit der Umschrift „Für Verdienste um Chorgesang und Volkslied“. Zusammen mit der Zelter-Plakette wird eine vom Bundespräsidenten unterzeichnete Urkunde überreicht. Die bundesweit zentrale Verleihungsveranstaltung der Zelter-Plakette findet jährlich traditionell drei Wochen vor Ostern am Sonntag Laetare an wechselnden Orten statt. Bei diesem Festakt überreicht der Bundespräsident einem der auszuzeichnenden Chöre die Zelter-Plakette und die Urkunde stellvertretend für alle Chöre, die diese Ehrung im gleichen Jahre erfahren. Wenn der Bundespräsident verhindert ist, nimmt an seiner Stelle der Beauftragte für Kultur und Medien oder der für Kultur zuständige Minister oder Senator, in dessen Land der Festakt stattfindet, die Verleihung vor.

Alle anderen ausgezeichneten Chöre eines Jahres erhalten ihre Urkunde und Plakette erst nach der bundesweit zentralen Verleihungsveranstaltung in einer eigenen Zeremonie.

Vergabe durch Minister oder Regierungspräsidenten

In einigen Bundesländern findet eine Festveranstaltung statt, in der der jeweilige Kultusminister die Plaketten und Urkunden aushändigt.

In anderen Bundesländern erfolgt die Aushändigung durch den zuständigen Regierungspräsidenten oder dessen Beauftragten bei einem Jubiläumsfest des Chores oder bei anderer Gelegenheit.

>>> HIER LAUFEN DIE NEUN WOHNZIMMERKONZERTE AM 16. JUNI:

Jeweils um 15, 16 und 17 Uhr beginnt die „Musik bei den Nachbarn“ in Wesel-Obrighoven genau hier:
Am Alten Busch 6: Joe Sander (Hommage an Freddy Quinn)
St.-Antonius-Weg 29: Highway to Heaven spielt Country & Rock.
St.-Antonius-Weg 16: Saxophonquartett (u.a. Klezmermusik)
Im Dämmergrund 38: Theo und Klaus (Akkordeonmusik)
Auf dem Anger 50: Antonia & Hildegard (Kunst- und Volkslieder)
Auf dem Anger 30: Big Belly Boom (Familientrio)
Aaper Weg 77: Trinitus (deutsch-niederländisch-schwedisches Trio bietet Musik ohne Grenzen)
Rosenstraße 24: Max und Moritz (Gesang & Akkordeon)
Nelkenstraße 4: Dé Céadaoin (irisch-schottische Musik)

Noch viel mehr Infos über die Musiker gibt es hier.

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