Gericht

Wesel: Wütender Patient tritt in Arztpraxis eine Tür kaputt

Foto: Markus Weissenfels / FFS

Wesel.  Ein Patient tritt in einer Arztpraxis eine Tür ein, weil er warten muss. Das Amtsgericht Wesel verurteilt ihn, er fühlt sich trotzdem im Recht.

Wegen Sachbeschädigung wurde ein 54-jähriger Arbeitsloser aus Wesel zu einer Geldstrafe von 800 Euro verurteilt, weil er in einer Weseler Arztpraxis eine Tür kaputt getreten hatte. Zudem muss er die Kosten des Verfahrens tragen. All dies hätte sich der ehemalige Schreiner ersparen können, wenn er den Strafbefehl akzeptiert hätte, doch er wollte es auf eine Verhandlung ankommen lassen, weil er sich im Recht sieht.

Termin-Frage ließ sich vor Gericht nicht klären

Seine Begründung, die er während der Verhandlung ungefähr zehnmal wiederholte, war: „Ich hatte aber doch einen Termin!“ Der Richter musste sich wegen der ständigen Wiederholungen sichtlich zusammenreißen und entgegnete gebetsmühlenartig, dass er die Termin-Frage nicht klären könne und dass diese „auf keinen Fall eine Rechtfertigung ist, eine Tür einzutreten“.

Der Vorfall ereignete sich am 30. April diesen Jahres gegen 17.55 Uhr. Der Patient war wohl schon gegen 16 Uhr in der Praxis erschienen, in dem Glauben zu diesem Zeitpunkt einen Termin zu haben. Eine Arzthelferin verneinte das und bot dem Angeklagten an, eine längere Wartezeit in Kauf zu nehmen, da Patienten mit Termin vorrangig behandelt würden.

Erschreckend aggressives Auftreten

Darauf ließ sich der 54-Jährige zunächst ein, doch nach knapp zwei Stunden wollte er offenbar nicht länger warten und verlangte die Herausgabe seiner Krankenakte. Als ihm die verwehrt wurde, rastete er aus. Laut einer Zeugin beleidigte er zunächst die Ärztin und trat dann heftig gegen die Tür.

„So aggressiv, wie er an dem Tag war, hatte ich auf jeden Fall Angst“, berichtete die Arzthelferin, die auf Nachfrage des Richters, ob der Angeklagte vielleicht unbeabsichtigt gegen die Tür gefallen sein, sagte: „Nein, das war kein Versehen. Es war ein kräftiger Tritt. Aus der Leiste sind dabei sogar Nägel rausgefallen.“

Dies bestritt der 54-Jährige nach dieser eindeutigen Aussage nun nicht mehr, nachdem er Minuten zuvor noch behauptet hatte, das könne gar nicht so gewesen sein, weil er in einem Fuß „überhaupt keine Kraft habe“ und er höchstens die Tür einmal „schlagartig aufgerissen“ habe.

Angeklagter leugnet den angerichteten Schaden

Als weiterer Zeuge berichtet der Hauseigentümer von den Beschädigungen an der massiven Holztür, die auch durch Polizeifotos dokumentiert sind. Der Angeklagte ließ aber auch das nicht gelten: „Die Tür war nicht kaputt.“ Weil die Tür erst drei Monate später für über 1000 Euro von einer Fachfirma repariert wurde, behauptete der 54-Jährige, die Schäden könnten ja auch nachträglich entstanden sein.

Diese Theorie ließ der Richter aber nicht gelten und machte dem Weseler sogar nochmal das Angebot, den Strafbefehl zu akzeptieren. Doch der Angeklagte zeigte sich völlig uneinsichtig. Da er nur einen Monat vor der Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, galt er als vorbestraft. Nun kommen noch 40 Tagessätze à 20 Euro obendrauf.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben