Runder Geburtstag

Posaunenchor Wesel feiert 100 Jahre Liebe zur Blasmusik

Dirigent Hartmut Raab-Kawohl hält mit dem Posaunenchor der Stadtmission eine Probe ab.

Dirigent Hartmut Raab-Kawohl hält mit dem Posaunenchor der Stadtmission eine Probe ab.

Foto: Erwin Pottgiesser / FFS

Wesel.  Der Posaunenchor der Stadtmission ist vor allem durch die Auftritte am Heiligen Abend bekannt. Er wurde vor einem Jahrhundert gegründet.

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Auf 100 Jahre bewegter Geschichte kann der Posaunenchor der Stadtmission Wesel in diesem Jahr zurückblicken. Schon der Gründungsanlass erscheint aus heutiger Sicht kurios: Willi Sons war auf ein in seinen Augen merkwürdiges Instrument gestoßen, das zwar Ähnlichkeiten mit einer Trompete hat, aber dennoch so weich wie ein Horn klingt: das Piston, das heute eher Kornett genannt wird. Sons war so fasziniert davon, dass er den Entschluss fasste, einen Posaunenchor zu gründen.

Bläser wollten erst einmal klein anfangen

Rasch wurden sieben Blasinstrumente angeschafft; allerdings galt auch hier das alte Sprichwort ‚Aller Anfang ist schwer‘, da keiner der angehenden Bläser Noten lesen konnte. Der seinerzeit in Wesel ansässige, „Marschkönig“ genannte Komponist und Musiker Hermann Ludwig Blankenburg bot den Jungbläsern an, sie für seine Kapelle auszubilden, was sie allerdings ablehnten. Die Männer wollten gewissermaßen klein anfangen und zunächst einmal nur Choräle blasen. Hier gibt es mehr aus Wesel, Hamminkeln und Schermbeck

Dazu wandte man sich an den Gründer der evangelischen Posaunenchorbewegung Johannes Kuhlo, der gerne mit Rat und Tat zur Seite stand und dem jungen Chor über die Jahre mit einer ganzen Reihe Posaunen(-lehr)büchern aushalf.

Um noch weitere Klangfarben zu bekommen, wurde das Ensemble um Pauke, Trommel und Triangel erweitert und konnte so auch auf Kinderfesten und ähnlichen Gelegenheiten musizieren. Bis 1939 zählte es bis zu 15 Mitglieder.

Posaunenchor pausierte während des Zweiten Weltkrieges

Dann kam der Zweite Weltkrieg und der Chor musste aufgegeben werden, da die Bläser ausschließlich Männer waren und zum Kriegsdienst eingezogen wurden. Ab 1948 bauten Willi und Otto Raab zusammen mit anderen den Chor neu auf; leider waren durch die Kriegswirren bis auf zwei Instrumente alle verloren gegangen und mussten – unterstützt durch Spenden aus der Gemeinde -- neu angeschafft werden.

Zur Zeit umfasst das Ensemble 16 aktive Mitglieder, von jung bis alt und von Tuba bis Trompete. Chorurgestein Friedhelm Raab, 82 Jahre jung, betont die tolle Gemeinschaft und die gute Atmosphäre bei den Proben und Chorleiter Hartmut Raab-Kawohl lobt das Engagement aller Mitglieder.

Instrumente froren bei einem Konzert im Winter ein

Heute ist der Posaunenchor der Stadtmission vor allem bekannt für die nunmehr 40-jährige Tradition des Blasens am Heiligen Abend vor dem Rathaus, aber selbstredend spielen die Aktiven auch regelmäßig in Gottesdiensten und bei Gelegenheiten wie Geburtstagen oder Hochzeiten. „Man muss bei der Auswahl der Literatur immer sowohl auf die Mitglieder des Chores, als auch auf die Zuhörerschaft Rücksicht nehmen“, sagt der Chorleiter.

Bei solch‘ einem stolzen Alter muss es doch auch ein paar nette Histörchen über den Chor geben? Raab-Kawohl überlegt nur kurz: „Wir haben mal im Winter bei eisiger Kälte auf dem Dach über dem Centrum gespielt. Es war so kalt, dass die Ventile und Posaunenzüge festfroren und wir immer wieder reingehen mussten, um die Instrumente an der Heizung aufzuwärmen!“

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