Soziales

Pflegende Angehörige tauschten sich in Wesel aus

Von links: Charlotte Quik, MdL, Veranstalterin Sylvia Pasieka, Sabine Weiss, MdB, Veranstalterin Brigitte Brzeski, Claudia Middendorf, Beauftragte der Landesregierung für Patienten.

Von links: Charlotte Quik, MdL, Veranstalterin Sylvia Pasieka, Sabine Weiss, MdB, Veranstalterin Brigitte Brzeski, Claudia Middendorf, Beauftragte der Landesregierung für Patienten.

Foto: Gerd Hermann / FUNKE Foto Services

Wesel.  Viele Menschen pflegen ihre Angehörigen und sind mit der Situation manchmal sehr unglücklich. Der Austausch soll zu mehr Zufriedenheit beitragen.

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Der Tagungsraum im Weseler Welcome Hotel ist gut gefüllt, als Sabine Weiss, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, die Bühne betritt. „Ich bin erstaunt, wie viele Menschen Sie hierher geholt haben“, sagt sie in Richtung von Sylvia Pasieka und Brigitte Brzeski, die zusammen die Veranstaltung „Liebe durchdringt alle Mauern“ organisiert haben. Die Veranstaltung ist eine Mischung aus Informationsveranstaltung und Benefizaktion – „Symposity“ haben die beiden Organisatorinnen das getauft, eine Mischung zwischen „Symposium“ und „Charity“.

„Ich denke, dass wird nicht die einzige Veranstaltung dieser Art hier bleiben“, sagt Sabine Weiss. Zumindest der Bedarf an Veranstaltungen dieser Art ist da. „Wir wollen Menschen, die sich um die Pflege von Angehörigen kümmern, Mut machen, damit nach außen zu gehen“, sagt Brigitte Brzeski. Auf die Idee zur Veranstaltung war Sylvia Pasieka gekommen, nachdem sie mit ihrer Mutter, die an der Huntington-Krankheit leidet und die sie seit mehr als 20 Jahren pflegt, in der Vorweihnachtszeit des vergangenen Jahres mehrere Wochen im Krankenhaus verbrachte. „Ich habe da viele Menschen erlebt, die Angehörige pflegen und sehr unglücklich waren“, berichtet sie. „Aber nur, wenn pflegende Angehörige glücklich und zufrieden sind, können auch die Pflegebedürftigen zufrieden sein“.

Viele Pflegende, so meint sie, würden sich in ihrer Rolle aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen, würden teilweise auch wegen der Krankheiten ihrer Angehörigen ausgegrenzt. Die Veranstaltung soll ihnen zum einen die Gelegenheit bieten, ihre Geschichten nach außen zu tragen und sich zum anderen mit Menschen zu vernetzen, die ähnliche Erfahrungen machen. „Gemeinsam sind wir stark“, sagt Sylvia Pasieka.

Spenden für Forschung und Pflegende

Eigentlich wollte sie eine Veranstaltung speziell zu Huntington machen, entschied sich dann aber, das Ganze breiter zu fassen, da es sehr viele Menschen gibt, die ihre Angehörigen pflegen. Von den 3,4 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland werden gut drei Viertel überwiegend durch Angehörige versorgt, erklärte dazu Sabine Weiss.

Sylvia Pasieka geht es auch darum, den Umgang zwischen Pflegenden, Ärzten und anderen Institutionen anders zu gestalten. „Mir hat mal ein Arzt gesagt, das Gehirn meiner Mutter sei nur noch zu zehn Prozent aktiv und ich solle mich doch einfach mal von ihr verabschieden“, erzählt Sylvia Pasieka. Sie selbst allerdings glaubt, dass diese zehn Prozent noch zu 100 Prozent aktiv sind und dass ihre Mutter sich jeden Tag in der Familie geliebt fühlt.

„Man muss auch mal den Blick des anderen einnehmen“, sagt sie und wirbt für Kommunikation aller Menschen, die mit der Pflege zu tun haben – seien es die Pflegenden, Ärzte und Behörden. Die Spendeneinnahmen aus der Veranstaltung sollen zu gleichen Teilen an die Huntington-Forschung und an den Verein „Wir pflegen“ NRW gehen.

Liebe überwindet unsichtbare Mauern

Als Sprecher für die Vorträge bei der Veranstaltung hatten die Organisatorinnen zum Beispiel Prof. Carsten Saft von der Neurologischen Klinik der Ruhruniversität Bochum und dem Huntington-Center NRW und Claudia Middendorf, die Beauftragte der Landesregierung für Menschen mit Behinderung und für Patienten, gewinnen können. Den Titel der Veranstaltung hatte Sylvia Pasieka gewählt, da sie und ihre Familie nach dem Mauerfall nach Westdeutschland kamen und damit auch die Leidensgeschichte ihrer Mutter begann, die dieses Jahr ihren 80. Geburtstag feierte: Mit Liebe lassen sich viele unsichtbare Mauern überwinden.

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