Medizin-Serie

Moderne Medikamente enttarnen den Krebs

Dr. Wolfram Kalitschke ist Chefarzt der Onkologie im Evangelischen Krankenhaus in Wesel.

Dr. Wolfram Kalitschke ist Chefarzt der Onkologie im Evangelischen Krankenhaus in Wesel.

Foto: Lena Reichmann

Wesel.   Dr. Wolfram Kalitschke vom Evangelischen Krankenhaus Wesel berichtet über Fortschritte der Medizin. Besiegt ist der Krebs jedoch nicht.

Krebs. Die Diagnose ist ein Schock, denn die Tumore sind bedrohlich und lösen viele Ängste aus. Die Medizin konnte die Krankheit zwar noch nicht besiegen, doch es hat in den vergangenen Jahren in der Therapie einige Fortschritte gegeben. „55 bis 60 Prozent der Patienten überleben inzwischen die Diagnose“, weiß Dr. Wolfram Kalitschke, Leiter des Tumorzentrums im Evangelischen Krankenhaus Wesel.

Frauen mit Brustkrebs werden in Deutschland inzwischen zu 80 Prozent geheilt, bei anderen Krebsarten wie der myeloischen Leukämie ist es inzwischen gelungen, die Krankheit so zu kontrollieren, dass eine annähernd normale Lebenserwartung möglich ist. Im onkologischen Zentrum des Krankenhauses arbeiten verschiedene Fachbereiche an individuellen Therapien für ihre Patienten, jährlich sind es rund 10.000.

Das 2015 zertifizierte Zentrum muss strenge Qualitätskriterien erfüllen. Das Netzwerk besteht aus den diversen medizinischen Abteilungen, Sozialdienst, Seelsorge und Psychoonkologie, aber auch aus Gesprächskreisen, Sport- oder Ernährungsangeboten.

Medizinische Fortschritte verlängern die Lebensdauer

Und obwohl jährlich deutschlandweit immer noch 230 000 Menschen an der Erkrankung sterben, kann die Medizin heute deutlich besser helfen als noch vor 20 Jahren. „Die Operationen sind genauer und schonender geworden, die Strahlentherapie präziser“, berichtet Dr. Wolfram Kalitschke.

Besondere Fortschritte haben die medikamentösen Therapien gemacht. Dort geht es weg von der Chemo hin zu einer personalisierten Behandlung, berichtet der Chef-Onkologe: Die Medikamente der Immuntherapie sind in der Lage, Krebszellen zu enttarnen, so dass das Immunsystem sie erkennt und bekämpfen kann. Nebenwirkungen wie beispielsweise ein schlechtes Blutbild fallen schwächer aus als bei der Chemotherapie. „Die Lebensdauer und -qualität lässt sich verbessern“, berichtet der Chefonkologe. Und: Die Forschung sei noch nicht am Ende.

Die Krebs-Vorsorge ist wichtig

Nicht bei allen Tumoren, aber beispielsweise bei Lungen-, Nieren- oder Hautkrebs ist diese Therapie vielversprechend. Auch die myeloische Leukämie lasse sich inzwischen medikamentös durch „Krebsblocker“ beherrschen, so Dr. Kalitschke. Auch wenn der Krebs noch nicht in allen Fällen heilbar ist: Durch moderne Therapien könne man heute auch ohne Heilung länger leben.

Rund 450 000 Neuerkrankungen gibt es pro Jahr in Deutschland, die häufigsten sind Wucherungen in Lunge, Brust, Prostata und Darm. Dass die Krankheit so häufig auftritt, liegt schlicht an der älter werdenden Bevölkerung, berichtet der Mediziner. „Unter 65 Jahre erkranken nur 0,2 Prozent der Menschen pro Jahr“. Ab 65 liege das Risiko zehnmal höher.

Und wie kann man sich vor dem gefürchteten Leiden schützen? „Verhindern lässt sich Krebs nicht sicher“, stellt der Onkologe fest. Aber die Vorsorgeprogramme sollten alle Menschen nutzen. Beispiel Darmkrebs: Durch eine Spiegelung, die ab 55 Jahren von den Kassen bezahlt wird, können gutartige Polypen rechtzeitig entdeckt und der Ausbruch von Krebs sogar verhindert werden. Bei anderen Tumoren zählt eher die Früherkennung, die es für Haut-, Gebärmutter-, Prostata- und Brusttumore gibt.

Sport hat positive Effekte

Wissenschaftlich belegt ist: Eine große Rolle in der Prävention und in der Nachsorge spielt der Sport. Mit regelmäßiger Bewegung lässt sich das Rückfallrisiko verringern, haben Studien festgestellt, zum Beispiel bei Brustkrebs.

Das Evangelische Krankenhaus informiert immer wieder in Vorträgen über neue Therapien und den Stand der Forschung: Am 28. Januar spricht Dr. Michael Trapp, Ärztlicher Leiter der Praxis für Hämatologie und Onkologie im MVZ über „Immuntherapie – den Krebs enttarnen“. Am 7. Februar berichtet Oberarzt Nils Heine (Innere Medizin – Hämatologie und Onkologie) über „Nobelpreiswürdige Onkologieforschung – Innovationen der Krebstherapie“. Beide Vorträge finden um 19.30 Uhr im Vortragsraum des EVK statt. Anmeldung 0281/106-20 51. Vom 4. bis 17. Februar informiert die virtuelle Messe „Onkologica 3.0“ rund um das Thema Krebs. Viele Informationen dann abrufbar unter www.themakrebs.de.

>>Tumorzentrum auch am Marien-Hospital

Auch am Weseler Marien-Hospital arbeiten im Niederrheinischen Zentrum für Tumorerkrankungen gemeinsam mit dem St.-Willibrord-Spital in Emmerich Experten verschiedenster Berufsgruppen interdisziplinär und ganzheitlich zusammen. Ein enger Kooperationspartner ist dabei ebenfalls das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg.

Zum Thema „Immunsystem frisst Krebszelle oder Krebstherapie im Wandel“ referiert am Mittwoch, 20. März, um 18 Uhr im Haus der Gesundheit, Pastor-Janßen-Straße 2, Chefarzt Prof. Dr. Henning Schulze-Bergkamen.

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