Europawahl

Leben und werben für Europa in der Weseler Niederrheinhalle

Der SPD-Europaabgeordnete Jens Geier begrüßt Bundesjustizministerin Katarina Barley. Mit dabei: Bürgermeisterin Ulrike Westkamp und der Weseler SPD-Chef Ludger Hovest. Foto:

Der SPD-Europaabgeordnete Jens Geier begrüßt Bundesjustizministerin Katarina Barley. Mit dabei: Bürgermeisterin Ulrike Westkamp und der Weseler SPD-Chef Ludger Hovest. Foto:

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Wesel.  Rund 500 Menschen kamen zur großen SPD-Europawahlkampf-Veranstaltung in die Weseler Niederrheinhalle, um Katarina Barley live zu erleben.

Dienstagabend stellte sie sich den Fragen in der ZDF-Sendung „Wie geht’s, Europa?“, Mittwochmittag in der Niederrheinhalle waren die Weseler mit Fragen dran. Augenscheinlich gut gelaunt kam Katarina Barley, SPD-Europa-Spitzenkandidatin und Noch-Bundesjustizministerin, trotz halbstündiger Verspätung ihres Fliegers und vieler Termine in die Hansestadt. Eine Umarmung hier, ein Händedruck da, ein paar Worte mit Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, SPD-Chef Ludger Hovest und anderen - der Deutsch-Britin merkte man nicht an, dass die Zeit drängt, wie meist in diesen Tagen.

Erst einmal ein paar Gabeln vom Kirschstreusel mit Sahne und einen Schluck vom Schwarzen Tee, schon war die 50-jährige Juristin auf der Bühne gefragt. Rund 500 Menschen warteten seit knapp einer Stunde auf sie, gut versorgt mit belegten Brötchen, Kuchen und Getränken. Auch Schüler des Konrad-Duden-Gymnasiums und der Gesamtschule waren dabei. Sie hatten sich im Unterricht ausführlich mit dem Thema Europa befasst. Das imponierte Barley, war es doch das erste Mal, dass sie auf derart viele gut vorbereitete junge Leute traf.

Fragen zu beantworten, das ist ihr Ding. Und so habe sie es sich ausdrücklich ausbedungen, bei Wahlkampfveranstaltungen nicht einfach eine Dreiviertelstunde reinzuschreien, um dann wieder rauszugehen. Nein, sie möchte mit den Menschen ins Gespräch kommen. Das tut sie sehr sachlich und ruhig, aber durchaus sympathisch, vor allem sehr persönlich. Und so erzählt sie, warum sie ihren Traumjob für Europa aufgibt. Schließlich gab es das noch nie, dass ein Regierungsmitglied sein Amt ohne Not zur Verfügung stellt. Doch Europa hat bei den Barleys immer eine große Rolle gespielt. Der Vater Brite, die Mutter Deutsche. Er als Kind begeistert von der Ästhetik der Bomber des Zweiten Weltkriegs, sie von genau jenen Bombern in Dresden fast getroffen. International ging es vor der Gründung ihrer Familie weiter. Der Vater ihrer beiden Söhne - „Wir sind glücklich geschieden“ - hat einen spanischen Vater und eine niederländische Mutter.

Und nun ist sie mit Marco van den Berg, einem Niederländer, zusammen und in der Region Trier zu Hause. Er schaut wohlwollend seiner Frau zu, die extra die Bühne verlässt, um mit den Besuchern der Parteiveranstaltung zu reden. Gegen Rechtspopulisten, für ein soziales Europa und für ein Wahlrecht ab 16 Jahren. Sie sitze im Bundestag ganz nah bei Gauland, Weigel und Storch von der AfD. „Was sie reden, ist noch schlimmer als das, was sie ins Mikrofon sagen“, verrät sie und will dem Rechtsruck entschieden Einhalt gebieten.

Frieden, Freiheit, soziale Sicherheit

Dass Wesel mit 97 Prozent die am meisten zerstörte Stadt Deutschlands im Zweiten Weltkrieg war, wusste Barley nicht. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp hatte darauf hingewiesen. Umso wichtiger ist es, am Sonntag zur Wahl zu gehen. Für Frieden, für Freiheit und für soziale Sicherheit. Den Appell hatten alle Redner im Gepäck.

Katarina Barley überzeugte die Menschen in der Niederrheinhalle, auf dem richtigen Weg zu sein. „Ich habe diesen Schritt noch keine Sekunde bereut.“ Ein halbes Leben ist die 50-Jährige nun schon mit dem Parteibuch unterwegs und mal mehr, mal weniger mit ihren Genossen zufrieden. Am Ende überwiegt auf jeden Fall die Zuneigung. „Ich liebe die SPD“, sagt sie frank und frei und Marco van den Berg lächelt.

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