Rettungsdienst

Kreis Wesel braucht Zeit für den Rettungsdienstbedarfsplan

Jeder möchte im Notfall schnelle Hilfe. Das Foto ist bei einer Übung entstanden.

Jeder möchte im Notfall schnelle Hilfe. Das Foto ist bei einer Übung entstanden.

Foto: Horst Ossinger

Kreis Wesel.   Der neue Rettungsdienstbedarfsplan ist ein langwieriges Projekt. Wieviele Retter mit welchen Fahrzeugen sind wo stationiert? Noch ist alles offen

Noch immer liegt der Entwurf für den neuen Rettungsdienstbedarfsplan des Kreises Wesel nicht vor – doch er liefert weiter Diskussionsstoff in den Kommunen. Das Papier legt fest, wieviel Personal und Fahrzeuge an welcher Stelle stationiert sein müssen, damit die Menschen im Notfall innerhalb von zwölf Minuten Hilfe erhalten. Das betrifft jeden.

Schermbeck vorerst zurück gestellt

Klar ist, dass der aktuell gültige Plan überarbeitet werden muss – er stammt aus dem Jahr 2010, lediglich die Gebühren sind 2017 angehoben worden. Und er hat Schwächen: Die Rettungsdienste im Kreis können die gewünschte Hilfsfrist von zwölf Minuten nur in 88,67 Prozent der Fälle erreichen, gewollt sind mindestens 90 Prozent.

Dr. Lars Rentmeister vom Verwaltungsvorstand erläuterte gestern dem Fachausschuss des Kreises den Stand der Dinge: Der Gutachter hatte eine Verlegung der Rettungswache Xanten an den westlichen Ausgang der City empfohlen, auch die Schermbecker Rettungswache sollte nach Westen wandern um bislang schlechter versorgte Gebiete innerhalb der Hilfsfrist erreichen zu können. Schermbeck, so Rentmeister, habe man vorerst zurückgestellt: Durch die vorgeschlagene neue Rettungswache in Voerde und eine weitere in Hamminkeln könnten die Weseler Kräfte möglicherweise entlastet werden – und Schermbeck besser mitversorgen, so eine Überlegung: Die Wache an der Schienebergstege ist zudem noch neu, der Kreis weitere acht Jahre hier Mieter.

Rettungswagen aus Xanten, Notarzt nachts aus Alpen

Weitere Vorschläge des Gutachters: In Dinslaken, Moers und Wesel sollen die Notarztvorhaltzeiten ausgeweitet werden. In Rheinberg und Xanten dagegen sollen nachts die Notarzteinsätze von Alpen aus gefahren werden. Das hat für Unruhe gesorgt. Rentmeister betonte, dass die Rettungswache Xanten bleiben soll, es gehe lediglich um den Notarzt in den Nachtstunden, um weniger als einen Einsatz pro Nacht.

Weitere Gutachtervorschläge: Es gibt aktuell 18 Rettungswagen kreisweit, zwölf davon sind rund um die Uhr im Einsatz, sechs nur tagsüber von montags bis freitags. Der Gutachter schlägt 22 Rettungswagen vor, von denen 14 rund um die Uhr einsatzbereit sind und acht tagsüber, fünf von ihnen aber an sieben Tagen in der Woche.

Es bleiben schwach versorgte Gegenden

Eine Schwachstelle auch des neuen Entwurfs offenbarte jetzt im Ausschuss ein Blick auf die Karte: Während die Verlegung der Xantener Rettungswache die Außenbereiche besser versorgt und auch eine neue Hamminkelner Wache die Randgebiete stärkt, bleibt im Bereich Havelich Richtung Raesfeld ein zwar dünn besiedeltes, aber schlecht versorgtes Gebiet.

Es stehen noch etliche Gespräche aus

Bis der neue Rettungsdienstbedarfsplan im Kreistag diskutiert werden kann, wird es noch dauern. Der Kreis muss den Plan mit vielen Beteiligten abstimmen. Nicht zuletzt mit den Krankenkassen, die die Kosten tragen. Knackpunkt bei diesen Gesprächen wird wohl die Personalausstattung des Rettungssystems sein. Zudem muss der Kreis klären, wer die neuen Wachen betreiben soll. Er spricht mit den Krankenhäusern über die Notarztkapazitäten. Ist ein Plan beraten und beschlossen, geht es an die kaum minder zeitaufwändige Umsetzung.

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