E-Mobilität

In Wesel gibt es erste Interessenten für Elektro-Tretroller

Solche Elektro-Tretroller könnten bald auch in Wesel zum Straßenbild gehören.

Solche Elektro-Tretroller könnten bald auch in Wesel zum Straßenbild gehören.

Foto: Dietmar Wäsche / FFs

Wesel.  Fachhandel hat bereits erste Modelle bestellt. Die E-Scooter werden aber nicht unkritisch gesehen. Polizei hat das Thema „auf dem Schirm“.

Bis die ersten elektrischen Tretroller durch Wesel rollen werden, könnte es noch etwas dauern, doch ab heute tritt die Zulassung der neuen Fahrzeuge laut Straßenverkehrsordnung in Kraft. In Großstädten ist das Interesse an den kleinen, tragbaren Scootern groß, Städte sprechen bereits mit Verleihern – in Wesel werden die neuen Roller erst so langsam ein Thema, das aber unterschiedlich bewertet wird: Der städtische Verkehrsplaner Michael Blaess glaubt nicht, dass die Roller in Wesel in nächster Zeit einen Boom erleben werden: „Hier am Niederrhein setzt man eher aufs Fahrrad“. Die Polizei hat das Thema dennoch „auf dem Schirm“, wie Sprecher Daniel Freitag bestätigt. Die Streifen werden künftig bei ihren Kontrollen auch auf diese Zweiräder achten.

„Die Erfahrung wird zeigen, wie sich das Thema entwickelt“, so Freitag zur Frage nach dem Gefahrenpotenzial, die die neuen Verkehrsteilnehmer mit sich bringen. Die Tretroller dürfen mit maximal 20 Stundenkilometern auf dem Radweg unterwegs sein.

Polizei sieht höhere Gefahrenlage durch Tretroller

Eine Helmpflicht besteht nicht, Fahrer müssen aber eine Haftpflichtversicherung abschließen. „Wenn ein neues Verkehrsmittel hinzukommt, gibt es immer eine höhere Gefahrenlage,“ weiß Freitag. Die Polizei empfiehlt den künftigen Nutzern daher, sich mit dem Gerät vertraut zu machen, einen Helm und möglicherweise sogar Schutzkleidung wie Protektoren zu tragen. Und: Vorausschauendes Fahren sei wichtig. „,Man muss davon ausgehen, dass man neu im Straßenverkehr ist, die anderen können das noch einschätzen“.

Ein Gefahrenpotenzial wie bei den Pedelecs, für die aufgrund der häufigen Unfälle inzwischen Sicherheitsschulungen angeboten werden, sieht er jedoch nicht – auch deshalb, weil sie eher für jüngere Menschen interessant seien.

Auch Ältere zeigen Interesse an E-Scootern

Dass aber auch die fortgeschrittene Altersklasse durchaus Interesse an den Elektro-Tretrollern zeigt, hat Savica Jovanov vom Weseler Fachgeschäft für Elektromobilität „Remibo“ festgestellt. „Weil dann das lästige Auf- und Absteigen auf das Fahrrad entfällt“, sagt er. Seit die Einführung der Elektro-Tretroller in den Medien eifrig diskutiert wird, interessieren sich die Kunden zunehmend dafür. Die ersten Modelle hat das Fachgeschäft jetzt bestellt.

Savica Jovanov sieht den Nutzen besonders für Berufspendler. Sie können den im Schnitt zehn Kilo schweren Roller zum Beispiel auf dem Weg vom Zug zum Arbeitsplatz einsetzen. Das Praktische an dem Roller sei, dass er zusammengeklappt und mitgenommen werden kann. Im Büro könnten die Fahrzeuge dann in zwei bis fünf Stunden aufgeladen werden. Er glaubt, dass die Scooter auch in Wesel ihre Freunde finden werden, weil auch in der Kreisstadt der Parkraum begrenzt ist. Ab 500 Euro gibt es Einsteigermodelle, die Spanne reicht bis 2500 Euro.

Verkehrsplaner sieht Bedarf für Elektro-Tretroller eher in Großstädten

Der städtische Verkehrsplaner Michael Blaess ist davon nicht so überzeugt. Er glaubt, dass die Scooter eher für die beengte Großstädte mit ihren Parkplatzproblemen ein Thema sind. „Die Mikromobilität kommt ja aus der Not“. In Wesel und Umgebung sei das Fahrrad praktischer, weil auch größere Strecken zurückgelegt werden müssen. Dafür habe die Stadt in den vergangenen Jahren viel getan und das Radwegenetz auf 180 Kilometer ausgebaut. „Der Radverkehrsanteil ist hier sehr hoch“. Auch dank der steigenden Zahl der Pedelecs.

Polizei sollte wachsames Auge auf E-Roller haben

Frank Schulten, Geschäftsführer der Kreisverkehrswacht, hat nach eigener Aussage noch keine abschließende Meinung zu den neuen Verkehrsteilnehmern, fordert aber: „Die Polizei sollte ein wachsames Auge darauf haben“. Generell sei Elektromobilität eine gute Sache, doch „wir haben ja gesehen, dass durch die Pedelecs die Unfallzahlen gestiegen sind“, sagt er.

Froh ist er darüber, dass die Roller nicht auf dem Gehweg fahren dürfen. Nun müsse man abwarten, wie das Miteinander von Fahrrädern, Pedelecs und E-Rollern auf den Radwegen funktioniert.

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