Geschichte

In Hünxe-Krudenburg leben die alten Römer wieder auf

Romolus alias Kai Lukosch bei der Küchenarbeit in Krudenburg.

Romolus alias Kai Lukosch bei der Küchenarbeit in Krudenburg.

Foto: Gerd Hermann

Hünxe.   50 Geschichtsbegeisterte schlugen im Dorf an der Lippe ihr Lager auf und zelebrierten das Alltagsleben im alten römischen Reich.

Dieser Anblick ist vor einem Bierwagen eher selten: Zwei Radfahrer in Sportkleidung bestellen eine Apfelschorle, daneben steht ein römischer Soldat. Ausgerüstet mit geschmiedeter Rüstung, schwerem Helm, auf dem ein Wolfsfell thront und natürlich mit den obligatorischen Sandalen aus Leder. Nur spricht er nicht Latein, sondern Deutsch – und heißt Andre van de Bruck.

Schon zum dritten Mal ist er mit der Gruppe „Cohors I Nervana“ in Krudenburg zu Gast, in diesem Jahr sind rund 50 Geschichtsbegeisterte in das Dorf an der Lippe gekommen, um ihre Zelte hier für ein Wochenende aufzuschlagen: „Das ist hier ein ganz besonderes Lager, auch weil die Römer ja wirklich hier waren“, erzählt er.

27 Kilogramm aus Leder und Eisen am Leib

Unter seiner Rüstung ist es in der Sonne ziemlich warm – kein Wunder bei 27 Kilogramm Leder und Eisen. Bis zum fertigen Kostüm ist einiges an Arbeit nötig: Recherche müsse betrieben werden, häufig spreche er auch mit Wissenschaftlern oder besuche Museen: „Alles ist nach Originalfunden rekonstruiert.“ Und nicht nur rekonstruiert, sondern auch möglichst authentisch hergestellt, so traditionell, wie es eben heute noch möglich ist.

„Nur Fischleim benutzen wir heute nicht mehr“, sagt Wolfgang Hoffmann. Der Kleber wird sehr schnell schlecht – und stinkt beim Kochen bestialisch. Hoffmann, der sich als Legionär Quintus Varius nennt, hat sich auf Lederarbeiten spezialisiert, gerade arbeitet er an einem Schild. Auch der ist natürlich an archäologischen Funden orientiert, schließlich soll er echt aussehen.

Viele nehmen weite Anfahrten in Kauf

Hoffmann und seine Frau sind für das Lager aus Bergkamen angereist, weite Fahrten sind für das Hobby keine Seltenheit: „Ein Großteil unseres Urlaubs geht schon dafür drauf“, stellen die Eheleute schulterzuckend fest. Doch die investierte Zeit zahlt sich ihrer Meinung nach aus: „Es ist einfach schön hier, abends zusammen beim Lagerfeuer sitzen, ein Bierchen trinken.“ Tagsüber arbeitet jeder in seinem Fachgebiet: Es gibt einen Schmied, einen Schuhmacher, Köche, einen Lehrer – eben genauso, wie es vermutlich in einem „echten“ Römerlager vor 2000 Jahren ausgesehen hat.

Hinter dem fröhlichen Lagerleben steckt natürlich auch eine Menge Organisation, an der vor allem Erwin Hellmanczik beteiligt ist: „Die Vorarbeiten beginnen bereits im November.“ Schließlich müssen befreundete Gruppen angeschrieben, Material organisiert und auch mit dem Dorf einiges besprochen werden: „Die Leute sind alle nur hier, weil sie Spaß daran haben“, sagt er.

Die Krudenburger mögen das Lager im Dorf

Das unterscheide das Lager in Krudenburg von den großen Events rund um die Römerzeit – und mache es ganz besonders: „Alle sind sehr darauf bedacht, dass es uns hier gut geht“, freut sich auch Wolfgang Hoffmann, der nebenbei einigen Radfahrern seine Arbeit erklärt.

Auch die Krudenburger freuen sich über den außergewöhnlichen Besuch: „Wir nutzen die Gelegenheit für unser Sommerfest“, erklärt Detlev Gehrkes, der als amtierender König des Schützenvereins die Planung übernommen hat: Selbst gebackenen Kuchen gibt es, frische Würstchen – und natürlich auch eine Hüpfburg und ein Karussell. Die meisten Besucher finden das Lager aber trotzdem interessanter. Verständlich, findet auch Gehrkes: „So ein Römerlager mitten im Dorf ist ja auch etwas Besonderes.“

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