Kinder

Handeln, bevor es zu spät ist

Renate Wirth vom Deutschen Kinderschutzbund Wesel. Foto Johann Ridder / WAZ FotoPool

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Wesel.Wenn Eltern in jedem Quartal den Kinderarzt für ihren Nachwuchs wechseln, wird auch Renate Wirth vom Kinderschutzbund hellhörig. „Warum?“, fragt sie dann besorgt. Denn dies kann ein Zeichen für so genanntes „Ärzte-Hopping“ sein.

Das heißt, Eltern, die ihre Kinder misshandeln, wechseln gezielt regelmäßig den Arzt, um Fragen nach den Ursachen von blauen Flecken, Prellungen, Bissspuren, Würgemalen und anderen Verletzungen zu entgehen und sich der Kontrolle und Verantwortung zu entziehen.

„Das Thema ist brisant und bekannt“, so Renate Wirth, die seit vielen Jahren beim Kinderschutzbund „Familienorientierte Hilfen“ leistet. Der Verein richtet am Donnerstag, 31. Mai, eine Vortrags-Veranstaltung zum Thema aus. Dr. Ralf Kownatzki, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Duisburg, wird über das Netzwerk „Riskid“ sprechen.

Riskid ist die Abkürzung für Risiko-Kinder-Informationssystem Deutschland. Dr. Ralf Kownatzki und der Kriminalbeamte Heinz Sprenger gründeten das Modellprojekt im Jahr 2007 in Duisburg. Es ist eine Datenbank, zu der nur Ärzte Zugang haben, die sich anmelden und zugelassen werden müssen. Sie dient dem Austausch von Medizinern untereinander, wobei die Schweigepflicht nicht außer Kraft gesetzt werden darf, der Ärzte berufs- und strafrechtlich unterliegen.

Über Möglichkeiten und Grenzen von Riskid wird der Mediziner unter anderem informieren. Zur Veranstaltung sind Ärzte, Therapeuten und Mitarbeiter von Jugendämtern eingeladen. Aber auch jeder andere Bürger, der sich für das Thema interessiert, ist willkommen.

Hohe Dunkelziffer

„Wir wollen Interesse für Riskid wecken“, sagt Renate Wirth. Die Veranstaltung solle auch dafür sensibilisieren, dass Riskid eine Möglichkeit der Problemlösung für Familien sein könnte, die dringend Hilfe brauchen. Die Dunkelziffer von Eltern, die Ärzte-Hopping betreiben, sei hoch.

Ob Riskid sich langfristig auch in Wesel und im Kreis durchsetzten wird, liegt natürlich nicht in der Hand des Kinderschutzbundes. Aber, so die Gestalttherapeutin und Heilpädagogin Renate Wirth: „Wir begrüßen alles, was zum Wohle des Kindes etabliert wird.“

Info: „Riskid - ein ärztliches Kinderschutzprojekt zur Prävention von Kindesmisshandlungen“ ist das Thema des Vortrages von Dr. Ralf Kownatzki. Der Arzt hält ihn auf Einladung des Kinderschutzbundes am Donnerstag, 31. Mai, 19 Uhr, im Preußen-Museum. Der Eintritt zur öffentlichen Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung nicht nötig.

Zum 1. Juni zieht der Kinderschutzbund von seinen Räumen am Großen Markt 9 um ins Nachbarhaus Nummer 7.

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