Kirche

Frauen aus Namibia in der Dorfkirche Hünxe-Drevenack

Mit ihrer Freundlichkeit und Farbenfreude fielen die jungen Frauen auf - und wurden in Drevenack herzlich empfangen.

Mit ihrer Freundlichkeit und Farbenfreude fielen die jungen Frauen auf - und wurden in Drevenack herzlich empfangen.

Foto: Gerd Hermann / FFS

Hünxe.  In der Dorfkirche des Hünxer Ortsteils Drevenack sangen junge Frauen aus Namibia. Sie sind mit dem Projekt #thisisme im Kirchenkreis Wesel.

Singend verlassen die Besucherinnen aus Namibia die Dorfkirche in Drevenack. Vor der Kirchenpforte gibt es spontan Applaus von einigen Besuchern des Gottesdienstes, den die Gäste aus dem Land im südlichen Afrika mitgestaltet haben.

Mit ihrer bunten Kleidung fallen die jungen Frauen aus Namibia sofort auf. „In Namibia gibt es unterschiedliche Ethnien, die von den Frauen repräsentiert werden“, erklärt Anja Neuhaus, Vorsitzende des Partnerschaftskomitees Namibia des Kirchenkreises Wesel.

Schon seit fast 40 Jahren besteht eine Partnerschaft zwischen dem evangelischen Kirchenkreis in Wesel, dem Kirchenkreis Tecklenburg und dem Kirchenkreis Otjiwarongo in Namibia, die etwa 250 Kilometer nördlich der Hauptstadt Windhoek liegt.

Empowerment-Projekt für Frauen – Autonomie und Selbstbestimmung

Die jungen Frauen, alle zwischen 18 und 25 Jahre alt, sind im Rahmen des Projekts „#thisisme“ nach Deutschland gereist. „Das ist ein Empowerment-Projekt für Frauen aus den drei Kirchenkreisen“, erklärt Anja Neuhaus. Neben den Besucherinnen aus Namibia nehmen auch fünf junge Frauen aus dem Kirchenkreis Wesel und weitere vier aus Tecklenburg teil.
Die erste Woche verbrachten die 20 Projektteilnehmerinnen aus Namibia und Deutschland in Tecklenburg. „Da haben sie Empowerment-Training gemacht und die pädagogische Arbeit im Kirchenkreis kennengelernt“, erklärt Anja Neuhaus. Empowerment bedeutet in diesem Fall das Erlernen von Strategien zur Autonomie und Selbstbestimmung.

Die sollen die Besucherinnen aus Namibia mit in ihre Heimat nehmen, um dort Gruppen für Mädchen aufzubauen, die als Anlaufpunkte im schwierigen Alltag dienen können. „Das ist für die Teilnehmerinnen kein Urlaub hier, sondern harte Arbeit“, sagt Anja Neuhaus.

Erstaunen darüber, dass es auch in Deutschland Probleme gibt

Die fängt teilweise schon damit an, dass man erstmal Vorurteile abbauen muss. „Die Frauen aus Namibia kommen hierher und erwarten das gelobte Land. Und dann stellen sie fest, dass es hier auch Probleme gibt“, sagt Anja Neuhaus. Und vermutlich werden auch die deutschen Teilnehmerinnen Erfahrungen machen, die nicht unbedingt ihren Erwartungen entsprechen, wenn sie im August des kommenden Jahres zum Gegenbesuch nach Namibia aufbrechen.

„Da ist auch nicht alles nur idyllische Wildnis“, sagt Anja Neuhaus. Dabei sind Probleme wie Gewalt in der Ehe, Gewalt gegen Frauen, frühe Schwangerschaften oder schlechte Familienverhältnisse in beiden Ländern bekannt. „Die Frauen haben überall auf der Welt mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen“, sagt Anja Neuhaus.

Zum Abschluss eine Reise nach Berlin

Erstmal verbringen die Teilnehmerinnen jetzt aber noch eine gemeinsame Woche im Kirchenkreis Wesel. Auch hier geht es darum, Strategien zur Selbstbestimmung und Selbstbehauptung zu lernen. Zudem stehen noch ein Empfang mit dem Superintendenten Thomas Brödenfeld und eine Stadtführung durch Wesel auf dem Programm.

„Der Abschluss wird dann eine Fahrt nach Berlin sein“, erklärt Anja Neuhaus. Dann reisen die Besucher aus Namibia zurück in ihr Heimatland, wo sie das erworbene Wissen nutzen sollen, um Frauen vor Ort zu unterstützen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben