Tiere

Ein Ring für die jungen Störche in Wesel-Bislich

Vorsichtig holt Michael Jöbges einen der jungen Störche aus dem Nest, um ihn zu beringen.

Vorsichtig holt Michael Jöbges einen der jungen Störche aus dem Nest, um ihn zu beringen.

Foto: h. Glader

Wesel.  Damit ihre Wege verfolgt werden können, wurden Bislicher Jungstörche von der Vogelwarte Helgoland gekennzeichnet. Im Juli geht’s gen Süden.

Wenn Michael Jöbges von der Stiftung Störche NRW im Frühsommer an den Storchennestern in Bislich auftaucht, können ihre Eltern schon ahnen, dass ihre Jungen das Ziel sind. So war es jetzt auch wieder. Mit dem Hubsteiger ließ sich der Storchenexperte in die Höhe hieven, um den Nachwuchs zu beringen. Für einige Minuten herrschte helle Aufregung rund um das Nest hinter dem Hellenhof sowie am Ronduit. Doch der Spuk war schnell vorbei und für Familie Storch wieder Alltag.

Gute Futterversorgung

Fünf Bislicher Jungstörche tragen nun einen Kunststoffring der Vogelwarte Helgoland mit Hauptsitz in Wilhelmshaven, dessen Aufschrift mit den Großbuchstaben DEW beginnt, wie Hans Glader von der Storchenstiftung im Gespräch mit der NRZ erläutert. DE steht für Deutschland, W für Wilhelmshaven. So kann eine schnelle Zuordnung erfolgen. Schließlich gibt es in Deutschland nur noch zwei weitere Vogelwarten, eine in Radolfzell, eine weitere in Hiddensee.

Elf Paare in Wesel und Hamminkeln

Die Störche an der Kirchenwoy und am Forellenstübchen hatten diesmal Glück und mussten ihr Füßchen nicht hinhalten. Denn sie sind einfach schon zu alt für diese Aktion, so Glader. Sämtliche Jungvögel hält er für gut in Schuss, verrät der Mann mit Kärntner Wurzeln, der in Isselburg-Werth lebt. Das deute auf eine gute Futterversorgung hin. Mutter und Vater Storch seien - anders als üblich - nun auch zeitgleich unterwegs, um die nötige Nahrung zu beschaffen und den Nachwuchs satt zu bekommen.

Glader freut sich über die weiter nach oben führende Entwicklung bei der Storchenpopulation. Elf Paare hat er in Wesel und Hamminkeln gezählt. Und so entwickelt sich auch der Niederrhein nach und nach zu einem Storchenparadies, das momentan noch mit sage und schreibe 88 Paaren im Kreis Minden-Lübecke liegt. Anfang der 90er Jahre hatte es dort mit lediglich drei Paaren begonnen.

Im Juli geht’s gen Süden

Die frisch beringten Bislicher Störche werden sich voraussichtlich Anfang/Mitte Juli auf den Weg in den Süden machen, wobei viele nicht mehr die gefährliche Route bis nach Afrika auf sich nehmen, sondern schon in Spanien überwintern, so Glader. Er freut sich, wenn er Rückmeldungen von seinen Störchen bekommt, so wie erst kürzlich aus Frankreich. Dort hatte man einen Storch aus der Dingdener Heide gesichtet. Heute ist es nämlich kein Problem mehr, mit dem Spektiv die Kennung zu sehen. Als es noch die Aluringe gab, habe man den Vogel dazu in die Hand nehmen müssen oder er war bereits tot. Insgesamt werden in Nordrhein-Westfalen diesmal 200 Störche beringt: 30 im Kreis Wesel, 50 im Kreis Minden-Lübbecke und 120 in Ostwestfalen.

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