Kinderarmut

Die Wunschbaumaktion in Wesel startet

Ute Kraft leitet die Villa Confetti (Caritas). Sie kennt die Not der Familien und hält Kinderwünsche auf den NRZ-Karten fest.

Ute Kraft leitet die Villa Confetti (Caritas). Sie kennt die Not der Familien und hält Kinderwünsche auf den NRZ-Karten fest.

Foto: Markus Weissenfels / FFS

Wesel.  Kinder leiden besonders unter der Armut der Familie. Die Wunschbaumaktion sucht wieder Menschen mit Herz, die für ein Weihnachtsgeschenk sorgen.

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Armut mitten in Wesel – es sind die Kinder, die täglich spüren, was es bedeutet, nicht cool zu sein. Klamotten, Spielzeug, sie können nicht mithalten. Wenigstens zu Weihnachten soll das anders sein. Wie in jedem Jahr sammeln NRZ, Stadt Wesel, Caritas, Diakonie und Internationaler Bund wieder bescheide Wünsche bedürftiger Kinder im Wert von maximal 25 Euro. Menschen mit Herz kaufen das Geschenk, wir sorgen dafür, dass es rechtzeitig vor Weihnachten in den Familien ankommt (siehe Box).

Trotz Vollzeitjob reicht das Geld zum Leben nicht

Das Gesicht der Armut in Wesel hat sich geändert, stellt Ute Kraft, Leiterin des Familienzentrums Villa Confetti der Caritas, fest. In früheren Jahren waren es eher Familien in der Arbeitslosigkeit, denen das Geld fehlt um ihren Kindern wenigstens zu Weihnachten einen Wunsch zu erfüllen.

„Jetzt kommen immer mehr Familien hinzu, in denen die Eltern arbeiten, sie kommen trotzdem nicht über die Runden“, erläutert Kraft. Eine Mutter, die eine Ausbildung in der Pflege absolviert nennt sie als Beispiel. Und den Vater, der mit seiner Knochenarbeit als Paketbote die Familie nicht ernähren kann.

„Der Wille ist da, aber diese Familien sind sehr dankbar für die Wunschbaumaktion“, sagt Kraft. Als kinderreich gilt, wer mindestens drei Kinder hat. „Häufig hilft es schon, wenn ein Kind in der Aktion beschenkt wird, die Eltern übernehmen die Geschwister. Dann bekommt wirklich jedes etwas.“

Ein mal etwas, das dem Kind allein gehört

Kraft freut sich darüber, dass die Kinder sich häufig Gesellschaftsspiele wünschen: Familien können damit gemeinsam Zeit verbringen. Manche möchten aber einfach nur warme Kleidung. „Das ist ein Zeichen, dass es den Familien sehr schlecht geht.“

Ein mal eine Jacke tragen, die nicht aus der Kleiderkammer kommt oder von den Geschwistern nach unten weitergereicht worden ist. Einmal etwas, das dem Kind allein gehört. Neue Schuhe oder Turnschuhe. Oder ein Spielzeug.

Spüren schon kleine Kinder, dass sie weniger haben als andere? „Wir versuchen, das zu vermeiden“, sagt Ute Kraft. Für Kleidung haben Kindergartenzwerge noch wenig Gespür, es macht ihnen nichts aus, wenn die Hosen Hochwasser haben und die Ärmel etwas zu kurz sind.

Eigene Spielsachen werden gehütet wie ein Schatz

Begehrt sind Schuhe, deren Sohlen beim Gehen leuchten, „doch wo kein Geld da ist, muss alles funktional sein“, sagt Kraft.

Spielzeug ist etwas anderes, auch die Kleinen spüren, das etwas fehlt. In der Villa Confetti gibt es einen Spielzeugtag. „Manche bringen immer das gleiche mit oder gar nichts“, sagt Kraft. Und: „Nach Weihnachten tauchen die Spielsachen aus der Wunschbaumaktion dann auf, werden stolz gezeigt. Andere hüten sie wie einen Schatz, niemand darf sie auch nur anfassen.“ Das vergleichsweise bescheidene Geschenk bedeutet den Kindern so viel.

Start mit dem NRZ-Mobil auf dem Weseler Wochenmarkt

Am Mittwoch, 27. November, steht das NRZ-Mobil mit den Wunschkarten auf dem Wochenmarkt am Dom, 10 bis 13 Uhr. Es gibt die Gelegenheit, sich gratis fotografieren zu lassen und das Bild mitzunehmen.

Wer helfen will, nimmt eine Karte, kauft persönlich das gewünschte Geschenk und bringt es zurück zum Mobil, später in die Redaktion (Doelenstraße 7).

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