Ruhestand

50 Jahre: Der dienstälteste Postbote in Wesel geht in Rente

Gerd Hermsen ist für viele Menschen in Wesel ein vertrautes Gesicht: Mehr als 50 Jahre arbeitete er bei der Post.

Gerd Hermsen ist für viele Menschen in Wesel ein vertrautes Gesicht: Mehr als 50 Jahre arbeitete er bei der Post.

Foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Wesel.  Gerd Hermsen verabschiedet sich nach 50 Jahren bei der Post von seinen Kunden. Für die letzte Tour haben Kollegen eine Überraschung vorbereitet.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die mit gelben Luftballons und Papierblumen geschmückte Postkarre fällt auf. Viele Passanten nehmen sie erstaunt zur Kenntnis. Ein Mann, der Gerd Hermsen kennt, weiß sofort Bescheid und reicht ihm die Hand: „Alles Gute und vor allem viel Gesundheit“. Der dienstälteste Zusteller dreht am Freitag seine letzte Runde durch sein Revier in der Innenstadt. „Was mir fehlen wird, ist der Kontakt zu den Kollegen und Kunden“, bedauert Hermsen.

Vor etwas mehr als 50 Jahren trat er seinen Dienst als Postjungbote in Wesel an – damals noch bei der Deutschen Bundespost. Daher ist der Weseler auch Beamter, einer der letzten im Zustelldienst. Seit 12 Jahren dreht Hermsen seine Runden durch die City – 12 bis 13 Kilometer sind das pro Schicht. Die letzten Jahre arbeitete er in Altersteilzeit, also nur jede zweite Woche.

Die Bewegung hält den Postboten fit

Trotzdem: Die Bewegung an der frischen Luft hält fit. „Ich brauche keine Pillen“. 560 Haushalte gehören zum Bezirk 56, zu Kunden hat der altgediente Postler ein „herzliches Verhältnis“. In einem Fach seiner Zustellkarre haben sich auf seinem letzten Rundgang einige Präsente angesammelt – gerade für die älteren Menschen ist er ein beliebter Gesprächspartner geworden. „Die Zeit nehme ich mir, der Kontakt ist mir wichtig“, sagt er. Hier gibt es mehr aus Wesel, Hamminkeln und Schermbeck

Aus seinem Berufsleben bleiben dem Postboten schöne, aber auch traurige Erlebnisse im Gedächtnis. So erinnert er sich noch gut daran, dass eine ältere Dame mehrere Tage den Briefkasten nicht leerte. Er informierte die Nachbarn, die Frau wurde schließlich leblos in der Wohnung gefunden. Zum Glück das einzige Erlebnis dieser Art.

Es werden immer weniger Briefe geschrieben

Die Arbeit hat sich verändert im Laufe der Jahre: Die Zeit der DDR-Pakete an Weihnachten, der Postkarten und handgeschriebenen Briefe ist vorbei, dafür sind die Bezirke gewachsen.

Mit gemischten Gefühlen war Gerd Hermsen an diesem Morgen wie immer um 6.40 Uhr zum Dienst erschienen. Die Kollegen haben eine Überraschung vorbereitet: Die Karre ist geschmückt, der Chef hielt eine Rede. „Ich wollte eigentlich cool bleiben“, sagt Hermsen. Das klappte aber nicht.

Der letzte Tag ist zugleich der 65. Geburtstag

Auch auf seiner letzten Tour reichen ihm viele Kunden zum Abschied die Hand. „Ist der Urlaub schon gebucht?“, wird er gefragt. Nein, ist er nicht. Nach seiner letzten Tour hat er es dennoch eilig, nach Hause zu kommen: Dort warten schon die Gäste. Denn die letzte Schicht ist zugleich sein 65. Geburtstag.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben