Tierschutz

Ausgemusterte Käfighennen genießen in Hünxe den Lebensabend

Nike Bender und ihre Freundin Laura Bähre mit einer der ehemaligen Legehennen, die in Hünxe-Krudenburg ihren Lebensabend genießen dürfen.

Nike Bender und ihre Freundin Laura Bähre mit einer der ehemaligen Legehennen, die in Hünxe-Krudenburg ihren Lebensabend genießen dürfen.

Foto: Heiko Kempken

Hünxe.   Marion Bender aus Krudenburg rettet Batteriehühner vor dem Schlachthof. Sie kommen in traurigem Zustand, nun erleben sie Tageslicht und Natur.

Gackernd kommt ein braunes Huhn über den Hof an der alten Crudenburg gerannt und stürzt sich genüsslich in den Kompost. Es ist eines von zehn Hühnern auf dem Hof der Benders in Krudenburg, dazu kommt der prächtige Hahn. Sie sind neugierig, lebhaft und gewitzt, manche sogar verschmust.

„Die braunen Hühner sind schon so alt, dass sie keine Eier mehr legen“, sagt Hausherrin Marion Bender. Sie übernimmt die Tiere vom Verein „Rettet das Huhn“: Legehennen, die nach einem Hochleistungs-Jahr in der Käfighaltung ausgedient haben, kommen von kooperierenden Legebetrieben, der Verein vermittelt die Tiere in gute Hände, wo sie alt werden dürfen. In solche wie die der Familie Bender.

Gerade zum Osterfest werden zahlreiche Eier konsumiert – die Krudenburgerin möchte zum Nachdenken darüber anregen, in welcher Haltung diese Lebensmittel produziert werden. Von Supermarkteiern hält sie generell nichts, selbst die Freilandhaltung sei ungeeignet: Hühner haben gerne Gebüsch und Schutz vor Raubvögeln.

Batteriehühner sind mager und nackt

Die Hennen sind erst 16 oder 17 Monate alt, wenn die Betriebe sie ausstallen. Sie legen noch gut. Für die Industrie nicht gut genug, die Tiere werden zum Wegwerfprodukt – es reicht nicht einmal zum Suppenhuhn, gerade noch zum Tierfutter. Bender gibt die Eier in der Nachbarschaft gegen eine Spende für den Verein ab.

Doch die Hennen sind in traurigem Zustand, wenn sie auf dem Hof ankommen. „Sie sind mager und fast nackt“, beschreibt sie, die Schnäbel häufig abgeknipst. „Das hat anfangs Leute abgeschreckt, sie wollten keine Eier von kranken Hühnern. Ich habe ihnen erklärt, das es genau die Eier sind, die sie im Supermarkt bekommen.“

Das Federkleid der Legehennen wächst nach

Anfangs bringt sie die neuen Hennen zu den anderen in den Stall, eine umgebaute ehemalige Pferdebox. Sie haben es warm dort, im Winter unterstützt eine Wärmelampe sie. „Man kann auch eine Art Pullover vom Verein bekommen“, erklärt Nike Bender (16), „damit sie nicht frieren“. Wenn ihre Mutter Marion die Stalltüre öffnet, flitzen die Hühner heraus. „Nur die Neuen nicht. Sie bleiben drin und gucken.“

Alles ist fremd und macht Angst.“ Sie wissen nichts mit dem Gras anzufangen, drücken sich ängstlich an der Mauer entlang, wenn sie sich endlich heraus wagen, beschreibt sie. Dann beobachten sie andere Hennen im Sand baden und machen es nach. „Es ist schön zu sehen, wie sie ihr neues Leben entdecken.“ Das Federkleid wächst nach, das Selbstbewusstsein mit ihm.

Hühner haben einen eigenen Charakter

Hühner können richtige Charakterköpfe sein, haben Marion und Nike Bender gelernt. „Eines war ganz dunkel und wir haben es nach dem amerikanischen Präsidenten benannt, Obama.“ Diese Henne kam auf den Schoß, wenn man pfiff. Ohnehin seien die Tiere intelligent, sie lernten schnell, sagen ihre Halter. Das geringste Knistern der Futtertüte und die ganze Bande ist da. „Man kann nichts liegen lassen, die klauen alles“, lacht Nike Bender und krault eines der drei Braunen. Die weißen Hennen kriegt sie kaum zu fassen, „die weißen sind einfach zu schnell...“

„Ich wollte immer schon Hühner haben“, sagt Marion Bender, warum sie die Tiere hält. Ihre Oma hatte auch welche, am Ende blieb nur eine Henne übrig. „Es gibt Bilder von mir, wie ich sie als kleines Mädchen herumtrage.“ Zehn Hühner und der Hahn, das sei genug. Sonst müsste der Stall ausgebaut werden, außerdem machen auch Hühner Arbeit und Dreck.

Die Gnadenhühner an der alten Crudenburg haben eine Lieblingsbeschäftigung: Kompost plündern. Hühner sind quasi Allesfresser, sie lieben es, Beute zu machen. Und sich anschließend ausgiebig darum zu zanken. Sie genießen ihr Leben nach dem Käfig sichtlich.

>>Flohmarkt für den Verein „Rettet das Huhn“

Marion Bender und ihre Nachbarn laden zum Flohmarkt ein: Am Samstag, 27. April, auf dem Gelände der Crudenburg, Dorfstraße 14. Im Angebot sind dann alte Dinge, Spielzeug, Frühlingsdeko und mehr.

Auch die Hühner tragen ihren Teil zum Erfolg bei: Marion Bender hat Eierlikör hergestellt und bietet ihn während des Flohmarktes zum Verkauf an. Der Erlös des Tages geht an den Verein „Retter das Huhn“ . Weitere Informationen auch unter www.crudenburg.de

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