Notdienst

Ärzte in Wesel wehren sich gegen Notdienstpraxis

Horst Steinbring, Obmann der Kassenärzte in Wesel, lehnt die kostspielige Notdienstpraxis ab.

Horst Steinbring, Obmann der Kassenärzte in Wesel, lehnt die kostspielige Notdienstpraxis ab.

Foto: Lena Marie Reichmann / FFS

Wesel.  Die Organisation des Notdienstes über die Rufzentrale funktioniert in Wesel nicht. Ärzte wehren sich aber gegen eine Notdienstpraxis.

Horst Steinbring ist Hausarzt in Blumenkamp und Obmann der Kassenärzte in Wesel. Er und viele seiner Kollegen wehren sich gegen die geplante Notdienstpraxis für Wesel – gegen den Willen der Ärzte kann die Kassenärztliche Vereinigung sie nicht einrichten, denn die sollen für die Rechnungen aufkommen.

Steinbring (61) hat 1992 angefangen. „Seinerzeit hatte jeder Arzt immer Bereitschaft, außer Mittwochnachmittag, Samstag und Sonntag“, erinnert er sich. Vier Tage 24 Stunden im Dienst – das war kaum zumutbar.

Anfangs gab es den funktionierenden Draht zum Arzt

Danach wurde ein Dienst für die Stadt Wesel organisiert, jeweils ein Arzt, der in der Praxis ist und einer, der zu Patienten fährt. „Die Feuerwehr hatte eine Rufumleitung eingerichtet: Der Anruf ging direkt an den diensthabenden Arzt.“ Handys gab es nicht, die Ehefrau nahm daheim oder in der Praxis die Anrufe entgegen. „Ich rief immer an: Wo muss ich hin?“ Später kam das Handy auf.

„Die Notdienstnummer der Kassenärztlichen Vereinigung hat von Anfang an nicht hingehauen“ sagt Steinbring. Hat er Bereitschaftsdienst, hinterlässt er in den Altenheimen seine Handynummer. „Es ist der Schwester ja nicht zuzumuten, eine Stunde um Hilfe zu telefonieren“, sagt der Arzt. Privatleute kommen nicht darum herum. Klar beschweren sie sich, wenn er dann vor Ort ankommt: Nachdem sie ewig in der Leitung warten mussten, dauert es noch bis der Arzt kommt.

Großer Bezirk und überlastete Zentrale verbrauchen Zeit

Das hat zwei Ursachen: „Der Notdienstbezirk ist zu groß“, sagt Steinbring. Das liegt daran, dass zu wenig Ärzte da sind. Zudem sei die Zentrale überlastet, es dauert mitunter, bis sie die Ärzte losschickt. Arzt und Patient stehen am Ende der Kette.

Es wird Zeit vertan, mitunter mit bedrohlichen Folgen. „Es gibt drei Arten von Patienten im Notdienst“, sagt Steinbring. Etliche warten bis kurz nach 18 Uhr, weil sie sich den Weg zur Praxis sparen wollen. Sie rufen ohnehin wegen jeder Kleinigkeit an.

Manche melden sich zu oft, andere viel zu spät

Dann die ‘normalen’, Leute, die sich melden, wenn es notwendig ist. „Die dritte Sorte ist gefährlich“, erläutert Steinbring. „Das sind chronisch kranke Menschen, die erst sehr spät anrufen, weil sie den Arzt nicht stören wollen.“ Manchmal beinahe zu spät. „Ich kann dann nur noch den Rettungsdienst rufen“.

Ein Notdienst-Sonntag, das bedeutet 20 bis 40 Patienten in der Praxis, die dann von 10 bis 12 Uhr und von 16 bis 18 Uhr geöffnet hat, und rund 25 Hausbesuche. Was spricht aus Sicht des Hausarztes gegen die Kassenärztlichen Notdienstpraxen?

Zweite Praxis einrichten und bezahlen – das lehnen die Ärzte ab

Neben den weiten Wegen nennt Steinbring die Kosten. Rund 1000 Euro im Monat kommen auf jeden Arzt zu. „Wir dürfen Geräte und Personal des Krankenhauses nicht nutzen, das liegt am Antikorruptionsgesetz.“ So müssen die Mediziner eine komplette Praxiseinrichtung stemmen, zusätzlich zur eigenen. Oder wahlweise Geräte und Personal von den Krankenhäusern mieten.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben