Bildung

Zum ABC gibt es auch einen kleinen Kurs in Kommunalpolitik

Fatima Bilal aus Syrien stellt den Kalender ihrer Lerngruppe Dozent Fatih Oeter (l.) und Bezirksbürgermeister Manfred Molszich vor.

Fatima Bilal aus Syrien stellt den Kalender ihrer Lerngruppe Dozent Fatih Oeter (l.) und Bezirksbürgermeister Manfred Molszich vor.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Wattenscheid-Mitte.  Im Lernstudio Wattenscheid entstehen Kalender mit Sinnsprüchen. Zum Tag der Alphabetisierung stellen sich die Sprach- und Integrationskurse vor.

Es hängt vor allem ein Rieseneifer in der Luft, als wären hier lauter Erstklässler. Dabei reicht die Altersspanne sicherlich von Mitte 20 bis mindestens 69, wie der syrische Kursteilnehmer in der Vorstellung berichtet. Es ist der Welttag der Alphabetisierung, und der trockene Begriff bekommt hier im Lernstudio Wattenscheid an der Voedestraße Formen und Gesichter. „Gut 80 insgesamt“, schätzt Geschäftsführerin Silvia Kleinbeck-Dicke, „in sieben Integrationskursen.“

Vier von denen umfassen auch die Alphabetisierung, denn vielen Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen fehlen nicht nur die Vokabeln, die Grammatik oder sie beherrschen die Aussprache nicht genügend. Sondern ihnen fehlen auch die Kenntnisse des gebräuchlichen ABC, des Alphabets in Laut und Schrift und damit in vielen alltäglichen Bereichen auch die Grundlagen für das Verstehen.

Sinnsprüche und Anmerkungen zu den Jahreszeiten

Kennenlernen können und wollen sie an diesem Tag ein bisschen mehr von Wattenscheid, und schon präsentiert sich eine spezielle Stolperfalle der deutschen Sprache, der Umlaut: Das „ü“ in „Bezirksbürgermeister“ holpert fast durchgängig, aber die Kursteilnehmer wollen dem Gast Manfred Molszich (SPD) heute ihre neuen Fähigkeiten demonstrieren. Mit eigens gebastelten Kalendern voller Sinnsprüche und Anmerkungen zu den Monaten und Jahreszeiten. Dabei kommt bei allen sehr deutlich zum Ausdruck, dass sie Freude, Hoffnung und Dankbarkeit damit verbinden, hier zu sein und zu lernen.

Was das neben Basiskenntnissen der deutschen Sprache noch umfasst, zeigt der Kalender der 16 Teilnehmer aus dem Kurs 64. Ihr Rückblick streift die Stichworte „8. März Frauentag, 100 Jahre Schauspielhaus, Tag der Arbeit, 110 Jahre Polizei in Bochum“, detailliert und lokal.

Schicksale in kurzen Worten

Die einzelnen Schicksale der Menschen schimmern dabei auch durch, wenn der 69-jährige Syrer nur kurz schildert, dass er nach vier Jahren hier seine Kinder wiedersehen durfte,

und er sich freut, dass ihm in Deutschland mit den Sprachkursen Türen geöffnet wurden, um „diesem großartigen Land dann auch selbst wieder etwas anbieten zu können“.

Und die Menschen aller Altersstufen aus Benin, Syrien, Ghana, Afghanistan, Bulgarien oder Albanien haben viele Fragen an den für sie unbekannten Bezirksbürgermeister: Nach seinem Werdegang, seinem Arbeitsalltag im Rathaus, und Anmerkungen, dass es zu wenige Kinderärzte und Spielplätze gibt in Wattenscheid. Oder auch: „Können Sie kochen?“

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