Thema Tod

Mit Kindern sensibel über das Sterben und den Tod reden

Betreuer und Kita-Kinder besuchen gemeinsam den Friedhof von St. Maria Magdalena in Höntrop. Fotos:Gero Helm

Betreuer und Kita-Kinder besuchen gemeinsam den Friedhof von St. Maria Magdalena in Höntrop. Fotos:Gero Helm

Wattenscheid.   39 Bochumer Kitas thematisieren im Projekt „Lukas und Oma nehmen Abschied“ den Tod. Film und Buch sollen für angemessenen Umgang sensibilisieren.

Lukas Oma ist krank. So krank, dass sie sterben wird. Ob sie im Himmel auch einen Garten mit Blumen hat und ihm von dort aus Geburtstagsgeschenke senden kann?

Fragen wie diese stellt sich Lukas in „Lukas und Oma nehmen Abschied“, einem Projekt des Vereins zur Förderung deutscher Friedhofskultur. „Wir wollen Kitas dabei unterstützen, den Tod im Gespräch mit Kindern angemessen zu thematisieren“, sagt der Vorsitzende Andreas Mäsing über das Projekt, in dessen Rahmen 39 Kindertageseinrichtungen in Bochum ein Projektpaket erhalten. „Es besteht aus einem Buch, einem Film und mehreren Leitfäden“, so Mäsing. Es sei wichtig, Erzieher und Eltern für den richtigen Umgang zu sensibilisieren. „Wir müssen aufpassen, wenn wir Kindern sagen, Tote würden schlafen oder verreisen. Denn: Dann haben sie vielleicht Angst vor dem Einschlafen oder wenn sich jemand in den Urlaub verabschiedet“, so der Vereinsvorsitzende.

„Ich besuche meinen Opa auf dem Friedhof“

Gemeinsam mit einer Kindergruppe der Kita St. Maria Magdalena steht er an einem Friedhofsgrab. „Mein Opa ist tot, weil er zu viel Fleisch gegessen hat. Im Himmel kann er die ganze Zeit im Bett liegen“, erzählt Isabella. Carla sagt: „Ich besuche meinen Opa auf dem Friedhof. Das spürt er dann auch“.

Freude und Trauer

Dass der Umgang von Kindern mit dem Tod oft unbedarfter ist, weiß Barbara Wagner vom Kita- Zweckverband des Bistums Essen. „Erwachsene und Kinder trauern unterschiedlich. Bei Kindern wechseln Freude und Trauer schnell.“ Sie habe viele verunsicherte Mitarbeiter erlebt. „Totschweigen ist niemals der richtige Weg. Kinder merken, wenn jemand traurig ist“, meint sie. Es sei Teil des christlichen Glaubens, dass es nach dem Tod weitergehe. „Als eine Mitarbeiterin starb, bastelte eine Einrichtung Schmetterlinge für den Sarg. Das sind verwandelte Raupen“, erklärt Wagner. Bilder seien für Kinder hilfreich.

Auf dem Friedhof ist lachen erlaubt

„Es ist wichtig, dass der Friedhof nicht nur ein Ort der Trauer ist“, betont Pfarrer Hans-Werner Thönnes. Dort dürfe auch gelacht und gespielt werden. „Kinder sollen auf dem Friedhof echt sein“, ist sich Pfarrer Thönnes. sicher. „Erwachsene haben auch nicht auf alles eine Antwort. Deshalb sollten wir nicht versuchen, krampfhaft Antworten zu geben“, meint Kita-Leiterin Stephanie Rösen.

Andreas Mäsing kennt das: „Mein Sohn fragte mich einmal, ob er auch spüre, dass ich ihn kitzele, wenn er einmal tot sei“. In solchen Situationen sei es am besten, die Kinder zu fragen: Was meinst und denkst du denn darüber?

>> KINDERTRAUERPAKETE MIT EINER SPENDE ERMÖGLICHT

Der Verein zur Förderung deutscher Friedhofskultur e.V. wurde im Jahr 2000 gegründet. Der Verein beobachtet Entwicklungen in der Friedhofskultur, nimmt Stellung zu aktuellen Themen und setzt sich für den Erhalt der Friedhöfe ein.

Mit dem Projekt „Lukas und Oma nehmen Abschied“ soll eine offene und lebendige Trauerkultur auch im Umgang mit Kindern gefördert werden.

Von 100 Freipaketen sind noch nicht alle abgerufen, sie können auch käuflich erworben werden. Die Genossenschaft der Friedhofsgärtner Bochum eG hat die Kindertrauerpakete mit einer Spende für die Kitas ermöglicht.

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