Kilimandscharo

Wattenscheider Ehepaar erklimmt Afrikas höchsten Berg

Nadine und Bastian Nowak bestiegen den Gipfel des Kilimandscharo-Bergmassivs in Tansania. Hier ein Zwischenstopp in einem Camp.

Nadine und Bastian Nowak bestiegen den Gipfel des Kilimandscharo-Bergmassivs in Tansania. Hier ein Zwischenstopp in einem Camp.

Foto: Bastian Nowak

Wattenscheid/Tansania.  Nadine und Bastian Nowak stehen in fast 6000 Metern Höhe auf der Spitze des Kilimandscharo-Bergmassivs. Dünne Luft und Kälte werden zweitrangig.

Nur der Mond, fast voll, wirft etwas Licht auf das festgefrorene Geröll der scheinbar schier endlosen Serpentinen. Gegen die Kälte helfen mehrere Lagen Kleidung, darüber dicke Daunenjacken, zusätzlich „fette Fäustlinge“ und wärmende Wollmützen. Die Luft wird dünner, die Köpfe schmerzen leicht. Während der Atem schneller geht, verlangsamen sich die Schritte, die Nadine (31) und Bastian Nowak (33) ihrem hohen Ziel dennoch stetig näherbringen. Nach einer „gefühlten Ewigkeit“ taucht der Kraterrand im Dunkel auf: der Kibo, mit 5895 Metern höchster Berg Afrikas.

Allein auf der Spitze

Eine knappe Dreiviertelstunde und „nur noch“ 150 Höhenmeter trennen das Wattenscheider Ehepaar noch vom Gipfel des Kilimandscharo-Bergmassivs. Dann sind sie dort: „Wir stehen am höchsten Punkt Afrikas. Am Gipfelschild stehen nur ein anderer Wanderer und sein Bergführer“, erzählt Bastian Nowak. Man nutzt die Gelegenheit, verewigt sich gegenseitig auf Fotos. Dann haben die Wattenscheider die Spitze für sich allein. „Auch wenn man sagt, dass man einen Gipfel erst erfolgreich bestiegen hat, wenn man wieder unten ist, macht sich trotzdem ein tolles Gefühl breit.“

Ein kleiner Wermutstropfen ist der (Uhr-)Zeit geschuldet – und zu verschmerzen, mildert der 33-Jährige direkt ab. Die Wattenscheider waren „zu schnell“, stehen nach der nächtlichen Wanderung, die um 23 Uhr begann, noch immer im Dunkeln auf der Spitze des Kibos: „Auf den versprochenen Sonnenaufgang und die geniale Aussicht müssen wir leider verzichten. Am Gipfel zu lange zu warten – bis zum Sonnenaufgang ist es bestimmt noch eine Stunde – ist aufgrund der dünnen Luft und der Kälte nicht zu empfehlen.“

Freier Blick auf den imposanten Nachbarn

Nach weiteren Minuten des stillen Genießens auf Tansanias Dach geht’s an den Abstieg. Und dieser entschädigt umfassend für den verwehrten Sonnenaufgang in knapp 6000 Metern Höhe. Zurück am Kraterrand erscheint die Sonne am Horizont und präsentiert dem Duo einen freien Blick auf den Mawenzi, den „etwas kleineren, aber aufgrund seiner dunklen, schroffen Form nicht weniger imposanten Nachbarn des Kibo“, erklärt Bastian Nowak.

Zurück durch den Regenwald

Mit der aufgehenden Sonne fallen auch die Kleiderschichten. Es wird heiß, der Untergrund taut auf, wird zur Rutschpartie, die selbst Assistenz-Bergführer Andrew vor ein paar Probleme stellt. Nowak hilft aus, leiht ihm einen Wanderstock. Die Luft reichert sich mit jedem Schritt wieder mit Sauerstoff an, das Ehepaar folgt beim Abstieg dem eigenen Tempo. Auf dem Weg hinauf bremsten die Guides ihre bergsteigenden Besucher noch: „Polepole“, Kiswahili für „langsam“ – so reduziere sich das Risiko von Höhenproblemen.

Zurück im Barafu-Camp auf 4600 Metern geht es erstmal für „eine Stunde in den gemütlichen Schlafsack. Vor dem weiteren Abstieg gibt es jedoch noch einen üppigen Brunch – mit den besten Pfannkuchen, die ich je hatte“, lobt Bastian Nowak. Nach einem zwölfstündigen Gipfeltag ist das Mweka-Camp, das letzte auf 3100 Metern erreicht, tags drauf folgt der Rückweg durch den Regenwald – das Ende der Tour. Sechs Tage hat der Aufstieg gedauert, zwei der Abstieg. Standard auf der gewählten „Lemosho-Route“.

Woher aber rührt die Faszination, die Berge und Gipfel auf Menschen ausüben? Die Nowaks über ihre Motivation: „Gewandert sind wir schon seit längerem gerne. Seit einigen Jahren zieht es uns jedoch immer häufiger in die Berge, überwiegend in die Alpen.“ Auf ihrer Hochzeitsreise nach Tansania habe man 2014 den „Kili“ von unten und von weitem gesehen. Spätestens da war das Höhenfieber geweckt.

Grundfitness und die richtige Ausrüstung

Speziell vorbereitet haben sich die Wattenscheider nicht. Durch regelmäßiges Joggen und Wandern sowie anderen Sport sei eine Grundfitness vorhanden gewesen. Höhentraining sei in Bochum sowieso „eher schwierig.“ Die richtige Ausrüstung – Kleidung, Rucksäcke, Hygiene-Artikel, Medikamente – wurde da schon intensiver geplant.

Ebenso die Wahl der Lemosho-Route. Nächtigen wollten die Nowaks in Zelten statt in Hütten, der Weg sollte nicht total überrannt sein: „Soweit das am Kili möglich ist“, schränkt Bastian Nowak ein. „Dennoch hatten wir nie den Eindruck, dass es zu voll sei.“ An beliebten Alpen-Gipfeln gehe es teilweise deutlich trubeliger zu.

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